
Deutschlands Internetlandschaft steht vor einem großen Wandel. Das jahrzehntelang genutzte DSL-Kupfernetz soll schrittweise durch moderne Glasfasertechnik ersetzt werden. Für Verbraucher bedeutet das langfristig schnellere und stabilere Verbindungen. Die Umstellung wirft bei vielen jedoch Fragen auf.
Weshalb wird das DSL-Netz abgeschaltet?
Der künftige Wechsel betrifft Millionen Haushalte in Deutschland und kommt nicht plötzlich. Dennoch stehen Fragen wie technische Modernisierung, Kosten und Interessen der Kunden im Spannungsfeld. Der Grund, weshalb das DSL-Kupfernetz überhaupt abgeschaltet werden soll, ist die Modernisierung des deutschen Festnetzes. Denn Glasfaser bietet eine wesentlich höhere Übertragungsrate und kann Geschwindigkeiten von bis zu 1000 Mbit pro Sekunde sowohl im Download als auch im Upload ermöglichen. Zudem sind die Glasfaserleitungen weniger störanfällig und ermöglichen eine stabilere Verbindung. Auch beim Energieverbrauch bietet die neue Technik Vorzüge, da moderne Netze effizienter betrieben werden können. Gleichzeitig stößt das jahrzehntelang genutzte Kupfernetz zunehmend an seine technischen Grenzen. Die zuständige Bundesnetzagentur ist für die Rahmenbedingungen für einen fairen Übergang, der sowohl den Wettbewerb als auch die Interessen der Verbraucher berücksichtigen soll, zuständig.
Wann wird das DSL-Kupfernetz endgültig abgeschaltet?
Einen festen Abschalttermin für ganz Deutschland gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Die Europäische Union verfolgt allerdings das Ziel, das alte DSL-Kupfernetz bis 2035 europaweit durch moderne Gigabit- und Glasfasernetze zu ersetzen. Der Wechsel soll jedoch nur dort erfolgen, wo eine leistungsfähige Alternative vorhanden ist.
„Ohne eine leistungsfähige und mindestens gleichwertige Alternative wird das alte Kupfernetz nicht abgeschaltet. Es geht um einen schrittweisen Technologiewechsel. Das Festnetz muss modernisiert werden. Die sogenannten DSL-Netze, die auf dem alten Kupfernetz basieren, müssen vollständig durch zukunftsfähige Netze ersetzt werden“, heißt es auf der Webseite der Bundesnetzagentur.
Die Behörde stellt außerdem klar, dass Kunden rechtzeitig über eine mögliche Umstellung informiert werden müssen. Erst wenn alle Haushalte die Möglichkeit hatten, auf eine andere Technologie zu wechseln, darf das DSL-Netz an einem Standort vollständig abgeschaltet werden. Aktuell ist der Wechsel zu Glasfaser freiwillig. Künftig müssen Verbraucher aber damit rechnen, dass alte DSL-Verträge irgendwann eingestellt werden.
Wie viele Menschen nutzen heute noch DSL?
Trotz des geplanten Technologiewechsels ist DSL in Deutschland weiterhin weit verbreitet. Rund die Hälfte aller Internetkunden nutzt noch immer einen Anschluss über das klassische Kupfernetz. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um langjährige Bestandskunden, auch neue Kunden entscheiden sich weiterhin häufig für DSL-Tarife.
Warum wechseln viele Kunden bislang nicht zu Glasfaser?
Die Zurückhaltung beim Wechsel dürfte mehrere Ursachen haben. Eine wichtige ist, dass DSL derzeit deutlich besser verfügbar ist. Laut Bundesbreitbandatlas können 94 Prozent der Haushalte in Deutschland einen DSL-Anschluss nutzen. Bei Glasfaser liegt die Verfügbarkeit bislang nur bei rund 49 Prozent. Überdies spielt der Preis eine entscheidende Rolle. Viele Verbraucher sind nicht bereit, für höhere Geschwindigkeiten deutlich mehr zu bezahlen. Insbesondere weil alltägliche Anwendungen wie Surfen, Streaming oder Videokonferenzen meist keine extrem hohe Bandbreite benötigen. Hinzu kommt, dass manche Haushalte inzwischen komplett auf Mobilfunklösungen mit unbegrenztem Datenvolumen setzen. Diese sind häufig günstiger und bieten für viele Nutzer eine ausreichende Leistung.
Was zeigt eine aktuelle Umfrage?
Eine Verivox-Umfrage unter DSL-Kunden zeigt, welche Sorgen und Erwartungen mit der Technologieumstellung verbunden sind:
- 42 Prozent rechnen mit höheren Kosten für Glasfaser
- 13 Prozent haben Bedenken wegen geringerer Auswahl an Anbietern und Tarifen
- 23 Prozent empfinden die Umstellung auf die neue Technologie als Bevormundung
- 19 Prozent sehen der Entwicklung gelassen entgegen
- 15 Prozent erwarten Vorteile durch den Wechsel zu Glasfaser
Ein Vergleich der größten Anbieter Telekom und Vodafone zeigt, dass Glasfaser in mittleren Tarifstufen preislich inzwischen häufig auf dem Niveau von DSL liegt oder sogar günstiger sein kann. Während DSL technisch größtenteils bei maximal 250 Mbit pro Sekunde endet, ermöglicht Glasfaser deutlich höhere Geschwindigkeiten. Der Abschied vom Kupfernetz ist mittlerweile keine Frage mehr des Obs, sondern vor allem eine Frage des Wanns.
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