Probleme bei Resale von DSL-Anschlüssen – Anbieter reagiert mit Aufbau eigener Infrastruktur

United Internet

Bis vor etwa einem Jahr war ein DSL-Anschluss lediglich von der Deutschen Telekom erhältlich. Im Februar 2004 hatte der Ex-Monopolist auf Vorgabe der RegTP (Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation) angekündigt, die schnellen Internet-Anbindungen auch als Resale-Produkte anzubieten. Andere Unternehmen können ihren Kunden den Internetanschluss als DSL-Anschluss dadurch unter eigenem Namen anbieten (Resale). Dafür müssen die Kundendaten von den Anbietern an die Deutsche Telekom übermittelt werden, die den DSL-Anschluss daraufhin freischalten soll. In der Praxis funktioniert das jedoch nicht ohne Schwierigkeiten. Wie die Zugangsdienste United Internet mit den Marken 1&1 und GMX, die Freenet AG und Arcor berichten, kommt es bei diesem eigentlich automatisierten Übergabeprozess zu langen Verzögerungen und Fehlern seitens der Telekom.

In der Internetbranche wird der Verdacht laut, dass die Deutsche Telekom die Wettbewerber absichtlich zugunsten der Telekom-Tochter T-Online diskriminiert. Das Unternehmen Freenet erhalte zum Beispiel sehr oft die Rückmeldung von der Telekom, dass ein DSL-Anschluss bei einem Kunden nicht verfügbar sei, obwohl dies in der Hälfte der Fälle nachweisbar nicht der Fall sei, klagt Eckhard Spoerr, der Vorstandsvorsitzende der Freenet AG. Und auch bei der Freischaltung der DSL-Anschlüsse gebe es Schwierigkeiten. „Wir haben Aufträge von rund 50.000 Kunden, die wir nicht an das Internet anschließen können, weil die Telekom ihre technischen Probleme nicht lösen kann“, sagte Ralph Dommermuth, der Vorstandschef von United Internet. Diese Probleme seien der Deutschen Telekom bereits seit Monaten bekannt, jedoch unternehme das Unternehmen nichts, um die reibungslose Abwicklung des Resale zu gewährleisten, wirft Spoerr dem magentafarbenen Riesen vor. Sein Unternehmen habe sogar mehr als 50.000 wütende Kunden, die vergeblich auf ihren DSL-Anschluss warten.

Den Verdacht, dass die Telekom seine Wettbewerber absichtlich behindert, sehen die Unternehmen unter anderem durch Abwerbeversuche der Deutschen Telekom untermauert. Es sei sogar vorgekommen, dass Telekom-Mitarbeiter verärgerten Kunden gesagt haben, die Probleme wären nicht aufgetaucht, wenn sie DSL bei T-Online bestellt hätten. Ein weiterer Faktor für den Missmut der Anbieter ist die Mitteilung der Telekom, dass keine Splitter mehr an die Wettbewerber geliefert werden können, obwohl exakt baugleiche Splitter bei T-Online verfügbar seien. Die Splitter werden benötigt, um die Telefonleitung bei dem DSL-Kunden in „Kanäle„ für Daten und Sprache zu trennen.

Die Deutsche Telekom sichert zwar die Behebung der Fehler zu und gibt an, mit Hochdruck an der Beseitigung des Problems zu arbeiten, doch diese Zusagen würden seit Monaten nicht eingehalten, beschwert sich die Branche. Daraus will United Internet nun seine Konsequenz ziehen. Das Unternehmen mit mehr als einer Million DSL-Kunden will zunächst in den Ballungszentren zwischen 30 und 50 Millionen Euro investieren, um ein eigenes DSL-Netz aufzubauen und damit von der Deutschen Telekom unabhängig zu werden. (Für die Nutzung der Telekom-eigenen Netzinfrastruktur müsse es allein in diesem Jahr 150 Millionen Euro an den Ex-Monopolisten zahlen.) Auch die anderen Anbieter denken über ähnliche Lösungen nach.

Fast 90 Prozent des Wiederverkaufswertes jedes DSL-Anschlusses steht der Deutschen Telekom zu. Für die Wettbewerber kommen durch Fehler und Verzögerungen in dem Resale-Prozess Umsatzausfälle, Imageschäden und Nachbearbeitungskosten hinzu. „Unser Geschäft würde noch viel besser laufen, wäre dieser Sand nicht im Getriebe“, sagte der Vorstandschef von United Internet.

Weitere Informationen

Fragen und Antworten zu DSL
DSL Preisvergleich

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


fünf − eins =

Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Versicherung

Versicherungsschutz

Die Wichtigkeit einer IT-Haftpflichtversicherung

Eine gute IT-Haftpflichtversicherung ist für jeden IT-Dienstleister und jedes IT-Unternehmen sehr wichtig. Durch die Versicherung können Risiken und Fehler, die während der Arbeit entstehen, abgedeckt werden. Im schlimmsten Fall kann eine solche Versicherung vor der Insolvenz bewahren. […]

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

Windows Schwachstelle

Schnell Sicherheitsupdate durchführen

In den Microsoft-Betriebssystemen Windows 10 und Windows Server 2016/2019 wurde eine Schwachstelle entdeckt, die dazu führen kann, dass Zertifikate, denen das Betriebssystem vertraut, von unbefugten Dritten nachgeahmt und missbraucht werden können. […]

Umweltfreundliche Batterie – Stromproduktion mit einfachen Materialien

Umweltfreundliche Batterie

Stromproduktion mit einfachen Materialien

Das Start-Up hiLyte ermöglicht eine Stromproduktion mit einfachen und billigen Materialien. Die grünen Batterien sollen die umweltbelastenden Kerosinlampen ablösen. Hierdurch sollen auch Menschen in der Dritten Welt einen Zugang zu umweltfreundlicher Elektrizität bekommen. […]

Neue Bluetooth-Generation – bessere Qualität und Mehrfachverbindungen

Neue Bluetooth-Generation

Bessere Qualität und Mehrfachverbindungen

Die neue Bluetooth-Generation steht in den Startlöchern und soll noch in der ersten Jahreshälfte 2020 veröffentlicht werden. Die Technik verspricht einige neue Funktionen. Hierzu zählen insbesondere die Mehrfachverbindung sowie neue Sendemöglichkeiten. […]

Widerrufsrecht im Handyshop - Untergeschobener, teurer Vertrag

Widerrufsrecht im Handyshop

Untergeschobener, teurer Vertrag

Für Verträge, die im Mobilfunk-Shop abgeschlossen werden, gilt kein Widerrufsrecht. Eine Unterschrift kann daher teuer werden – das zeigt der Fall des Monats Dezember der Verbraucherzentrale Niedersachsen. […]