Handy-TV – Mobiles Fernsehen steckt in den Kinderschuhen

Handy-TV - Mobiles Fernsehen steckt in den Kinderschuhen

Philipp Reis und Thomas Bell hätten sicherlich nicht geglaubt, wie sich ihre Erfindung, das Telefon, entwickeln würde. Die heutigen Geräte, ob sie nun in dem Festnetz, dem Internet oder in dem Mobilfunk ihre Arbeit verrichten, sind weit mehr als nur zwei Metallmembranen, Magneten und ein Draht. Und ihre Funktion beschränkt sich längst nicht mehr auf die Übertragung von Sprache. Insbesondere Mobiltelefone dienen auch ganz anderen Zwecken, zukünftig sogar dem Fernsehen.

Das Handy-TV ist in aller Munde, nutzen kann es jedoch kaum jemand. Das liegt vor allem daran, dass es kaum Mobiltelefone gibt, mit denen das möglich wäre und es noch keine einheitliche Technik für die Umsetzung des mobilen Fernsehens gibt. Sicherlich sind schon Angebote verfügbar, mit denen einige ausgesuchte Sendungen als `Fernsehkanal´ per UMTS übertragen werden und UMTS-fähige Endgeräte sind immer verbreiterter. Doch würde das Fernsehen über UMTS einen größeren Anklang finden, wäre das UMTS-Netz schnell überlastet. (Dieses Problem wird sich vermutlich zur WM in den 13 Städten zeigen, in denen T-Mobile einem gesonderten Kanal zur Übertragung von 20 der Spiele startet.) Außerdem ist UMTS, obwohl das UMTS-Netz ständig erweitert wird, zur Zeit noch nicht überall verfügbar. Ein Kunde in Untermuckeldorf hätte also keine große Freude an seinem schönen, neuen UMTS-fähigen Handy und erst recht keinen zufriedenstellenden Fernsehempfang.

Statt die Sendungen per UMTS als Streaming über das Mobilfunknetz auf den Bildschirm der Kunden-Handys zu bringen, setzen andere auf den Empfang per DMB (Digital Media Broadcasting). Das ist eine Weiterentwicklung der Radio-Übertragungstechnik DAB, die zwar flächendeckend verfügbar ist, jedoch auch ihre Tücken hat. Denn um Datenströme per DMB empfangen zu können, muss das Handy mit einer geeigneten Antenne ausgerüstet sein. Und der Empfang kostet das Handy sehr viel Akkuleistung, sodass der Bildschirm schon nach kurzer Zeit mangels Stromversorgung schwarz ist. Zudem lässt die Empfangsqualität, gerade in Gebäuden, zu wünschen übrig. Der Mobilfunk-Serviceprovider debitel startet mit vier Fernsehsendern und einem Radiosender in einigen Ballungszentren. Die Nutzung ist allerdings mit Erwerb eines neuen, DMB-fähigen Handys verbunden und das Angebot geeigneter Geräte ist mehr als spärlich.

Bessere Zukunftschancen als DMB hat die Übertragungstechnik DVB-H (Digital Video Broadcasting for Handhelds), auf die die vier deutschen Mobilfunk-Netzbetreiber ihre Hoffnung setzen. Wie T-Mobile, Vodafone, E-Plus und o2 erklärten, werde der Start des Handy-TV per DVB-H in dem nächsten Jahr erfolgen. DVB-H bietet den Vorteil, dass damit mehr Programme mit besserer Qualität übertragen werden können. Zudem benötigt ein Handy für den Empfang mit DVB-H über die Antenne weniger Energie. Zur Zeit scheitert es jedoch an den Voraussetzungen, denn einerseits können noch keine geeigneten Geräte erworben werden, zum anderen wird das Netz bereits durch das Fernsehen mit DVB-T genutzt. Es müssen also erst neue Frequenzen zugewiesen und das Netz ausgebaut werden. Einen Test starteten die Mobilfunk-Netzbetreiber jedoch schon, 4000 DVB-H-fähige Endgeräte wurden an Testpersonen in Berlin, Hamburg, Hannover und München verteilt. Dort sind über DVB-H während der Testphase 16 TV-Kanäle und sechs Radio-Sender zu empfangen.

Als Kosten, um mit dem Handy fernsehen zu können, sollten Kunden etwa zusätzlich 10,- € pro Monat einplanen. Damit ist jedoch bereits das gesamte TV-Vergnügen bezahlt, denn es kommen keine weiteren Kosten hinzu. Allerdings verlangen die Anbieter im Allgemeinen eine Vertragsbindung für das Handy-TV. Ebenfalls sollte daran gedacht werden, dass ein neues Gerät nötig ist, das die genutzte Technik unterstützt und dass dafür Rundfunk- und Fernsehgebühren anfallen. Ob mobiles Fernsehen auf einem kleinen Display diese Investition wert ist, muss jeder für sich entscheiden. Jedoch sollte man sich mit dem Einstieg vermutlich noch etwas Zeit lassen, bis Handy-TV aus den Kinderschuhen herausgewachsen ist und laufen gelernt hat.

Weitere Informationen

Discount-Handytarife – Vergleich
Prepaid-Tarife (Guthabenkarten) Vergleich
Handy Vertragsverlängerung – online

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
BKA zerschlägt Phishing-Plattform Kratos – 200 Server abgeschaltet

BKA zerschlägt weltweit aktive Phishing-Plattform „Kratos“

Hunderttausende Opfer betroffen

Gemeinsam mit US-Ermittlern hat das BKA die weltweit aktive Phishing-Plattform „Kratos“ zerschlagen. Mehr als 200 Server wurden abgeschaltet, der mutmaßliche Administrator in Indonesien festgenommen und Hunderttausende potenzielle Opfer geschützt. […]

Freude schlägt Herzen - die beliebtesten Emojis der Deutschen

Freude schlägt Herzen

Das sind die beliebtesten Emojis der Deutschen

Lachen statt Herzen: Die Deutschen setzen in ihren Chats vor allem auf gute Laune. Eine aktuelle Bitkom-Umfrage zum World Emoji Day zeigt außerdem, wie selbstverständlich Emojis inzwischen zum digitalen Alltag gehören – und warum sie trotzdem manchmal für Missverständnisse sorgen. […]

Das Smartphone ersetzt fast alles – darauf achten Nutzer wirklich

Das Smartphone ersetzt fast alles

Darauf achten Nutzer wirklich

Eine gute Kamera gehört heute zu den wichtigsten Kaufkriterien für Smartphones. Gleichzeitig ersetzt das Gerät immer mehr Alltagshelfer, nutzt KI für Fotos und speichert zahlreiche sensible Daten, die besonders geschützt werden sollten. […]

OLG stoppt Telefónica – Urteil stärkt Kunden bei Handyverträgen

OLG stoppt Telefónica

Urteil stärkt Kunden bei Handyverträgen

Verbraucherschützer konnten vor Gericht einen Erfolg erzielen. Denn Telefónica wurde eine AGB-Klausel untersagt, mit der Mobilfunkverträge trotz Mindestlaufzeit einseitig durch das Unternehmen gekündigt werden konnten. Das Urteil stärkt die Rechte von Kunden und sorgt für mehr Vertragssicherheit. […]

KI in der App-Entwicklung: Chancen, Risiken und Trends 2026

KI in der App-Entwicklung

Chancen, Risiken und Trends 2026

Künstliche Intelligenz verändert die App-Entwicklung grundlegend. Von automatischer Codegenerierung über intelligentes UI-Design bis hin zu neuen Geschäftsmodellen: Der Ratgeber zeigt, welche Möglichkeiten KI heute bietet, wo ihre Grenzen liegen und worauf Unternehmen und Entwickler beim Einsatz achten sollten. […]

Kinder schützen durch Chats prüfen? – das hat die EU jetzt entschieden

Kinder schützen durch Chats prüfen?

Das hat die EU jetzt entschieden

Das EU-Parlament hat einer neuen Übergangsregelung zur Chatkontrolle zugestimmt. Die Maßnahme bleibt dennoch umstritten und innerhalb der EU wird weiter an einer langfristigen gesetzlichen Lösung für den Kinderschutz gearbeitet. […]