
UMTS steht für Universal Mobile Telecommunications System und bezeichnet einen Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G). Die Technik ermöglichte deutlich schnellere mobile Datenverbindungen als die zuvor verwendeten GSM-Netze. Damit wurde UMTS zu einem wichtigen Meilenstein für das mobile Internet, die Entwicklung moderner Smartphones und die Nutzung von Internetdiensten unterwegs.
In Deutschland gingen die ersten kommerziellen UMTS-Netze 2004 in Betrieb. Bis Ende 2021 wurde die Technik von den Netzbetreibern vollständig abgeschaltet und durch leistungsfähigere Mobilfunkstandards ersetzt.
Was ist UMTS und was bedeutet 3G?
UMTS ist ein digitaler Mobilfunkstandard, der als dritte Mobilfunkgeneration (3G) entwickelt wurde. Im Unterschied zum älteren GSM-Netz (2G) bot UMTS wesentlich höhere Übertragungsgeschwindigkeiten und ermöglichte neben der klassischen Sprachtelefonie auch eine komfortablere Nutzung mobiler Internetdienste.
Während GSM ursprünglich vor allem für Telefonate und SMS konzipiert war, spielte bei UMTS die Übertragung größerer Datenmengen von Anfang an eine wichtige Rolle. Webseiten, E-Mails, Bilder und später auch Videos ließen sich damit deutlich schneller übertragen.
UMTS war zugleich die technische Grundlage für mehrere Weiterentwicklungen, die unter den Bezeichnungen HSDPA, HSUPA und HSPA+ bekannt wurden.
UMTS-Geschwindigkeit: Wie schnell war das 3G-Netz?
Die ursprüngliche UMTS-Technik ermöglichte bei entsprechenden Netzbedingungen Datenübertragungsraten von bis zu 384 kbit/s. Für damalige Verhältnisse war das ein erheblicher Fortschritt gegenüber den zuvor verfügbaren Mobilfunkverbindungen.
Durch technische Weiterentwicklungen stieg die Geschwindigkeit deutlich an.
UMTS, HSDPA und HSPA+ im Vergleich
| Mobilfunktechnik | Generation | Theoretische maximale Downloadgeschwindigkeit |
|---|---|---|
| GSM mit GPRS | 2G | bis zu 171,2 kbit/s |
| GSM mit EDGE | 2G | bis zu 473,6 kbit/s |
| UMTS | 3G | bis zu 384 kbit/s |
| HSDPA | 3G | bis zu 14,4 Mbit/s |
| HSPA+ | 3G | bis zu 42 Mbit/s |
HSDPA und HSUPA als Beschleuniger
Mit HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) wurde die Datenübertragung aus dem Mobilfunknetz zum Endgerät deutlich beschleunigt. Anfangs waren etwa Geschwindigkeiten von 1,8 oder 3,6 Mbit/s verbreitet, später auch 7,2 und 14,4 Mbit/s.
HSUPA (High Speed Uplink Packet Access) verbesserte dagegen die Geschwindigkeit beim Hochladen von Daten, etwa beim Versand größerer Dateien oder Bilder.
Die Weiterentwicklung HSPA+ ermöglichte schließlich Downloadgeschwindigkeiten von theoretisch bis zu 42 Mbit/s. Solche Werte setzen allerdings entsprechend ausgebaute Netze und geeignete Endgeräte voraus.
Weitere Informationen bietet der telespiegel-Ratgeber zu den Geschwindigkeiten im Mobilfunknetz.
UMTS-Netzabdeckung und Frequenzen in Deutschland
Die UMTS-Netze wurden in Deutschland vor allem im Frequenzbereich um 2.100 MHz betrieben. Dieser bot geeignete Voraussetzungen für höhere Datenübertragungsraten, erforderte jedoch insbesondere in ländlichen Gebieten einen aufwendigen Netzausbau.
In der Anfangszeit konzentrierten sich die Netzbetreiber deshalb auf Großstädte und Ballungsräume. Dort waren vergleichsweise viele potenzielle Kunden mit einer begrenzten Zahl von Mobilfunkstandorten erreichbar. In ländlichen Regionen blieb die UMTS-Abdeckung dagegen teilweise lückenhaft. Wo kein 3G-Netz verfügbar war, wechselten entsprechend ausgestattete Mobiltelefone häufig in das ältere GSM-Netz mit GPRS oder EDGE.
Die Versorgung hing vom jeweiligen Mobilfunkanbieter ab. Telekom, Vodafone, E-Plus und O2 betrieben eigene UMTS-Netze. Im Zuge der Zusammenlegung der Netze von E-Plus und O2 änderte sich die Netzstruktur später erheblich.
Seit der Abschaltung 2021 gibt es in Deutschland keine reguläre UMTS-Netzabdeckung mehr. Für die heutige Versorgung sind vor allem LTE und 5G relevant. Informationen zur aktuellen Netzversorgung bietet die Mobilfunk-Netzabdeckung im Überblick.
UMTS-Internet: Surfen mit Handy, Notebook und Datenkarte
UMTS machte das mobile Internet erstmals für eine breitere Nutzergruppe praktikabel. Neben UMTS-Handys konnten auch Notebooks, Laptops und andere mobile Geräte mit dem 3G-Netz verbunden werden. Vor allem in den ersten Jahren waren spezielle Hardwarelösungen notwendig.
UMTS-Karten, Modems und Notebook Cards
Für den mobilen Internetzugang über einen Computer wurden verschiedene UMTS-Datenkarten und Modems angeboten:
- UMTS-PCMCIA-Karten (Notebook Cards): Steckkarten für ältere Notebooks mit PC-Card-Anschluss.
- UMTS-ExpressCards: Nachfolger der PCMCIA-Karten für Notebooks mit entsprechendem Steckplatz.
- UMTS-USB-Sticks: Externe Mobilfunkmodems, die über einen USB-Anschluss betrieben wurden.
- Interne UMTS-Module: In bestimmte Notebooks integrierte Mobilfunkmodule, teilweise über Mini-PCI-Express angeschlossen.
- UMTS-Router und UMTS-Boxen: Geräte, die eine mobile Internetverbindung mehreren Computern über LAN oder WLAN bereitstellen konnten.
Auch für PDAs und andere mobile Computer gab es spezielle Lösungen, insbesondere CompactFlash-Datenkarten. Für den Zugang waren in der Regel ein geeignetes Endgerät, eine SIM-Karte und ein passender Datentarif erforderlich.
Mit der zunehmenden Verbreitung von Smartphones verloren separate UMTS-Datenkarten und externe Modems an Bedeutung. Heute übernehmen LTE- und 5G-Module diese Aufgabe.
UMTS-Handys von Nokia, Samsung und anderen Herstellern
Der Erfolg von UMTS hing wesentlich von der Verfügbarkeit geeigneter Mobiltelefone ab. In den ersten Jahren waren 3G-Handys vergleichsweise teuer, größer als viele GSM-Geräte und teilweise durch kurze Akkulaufzeiten eingeschränkt.
Zu den frühen UMTS-Mobiltelefonen gehörte das Nokia 7600. Auch Hersteller wie Samsung, Motorola und Sony Ericsson brachten entsprechende Geräte auf den Markt.
Ein frühes Beispiel war das Samsung SGH-E800 aus der GSM-Ära, das allerdings noch kein UMTS unterstützte. Erst spätere Samsung-Modelle boten den neuen Mobilfunkstandard.
Mit UMTS konnten Mobiltelefone neben Telefonaten und SMS zunehmend auch Videotelefonie, mobile Webseiten, E-Mail-Dienste und andere datenintensive Anwendungen unterstützen.
Viele ältere UMTS-Handys beherrschten sowohl GSM als auch UMTS. Nach der 3G-Abschaltung konnten sie daher häufig weiterhin über 2G telefonieren und SMS versenden. Der mobile Internetzugang war dann jedoch erheblich langsamer.
UMTS-Tarife, Datentarife und Flatrates
Mit dem Ausbau der UMTS-Netze entstanden spezielle Datentarife für das mobile Internet. Telekom, Vodafone, E-Plus, O2 und Mobilfunk-Discounter boten unterschiedliche Vertrags- und Prepaid-Modelle an.
Anfangs wurde die mobile Datennutzung häufig nach übertragenem Datenvolumen oder nach Verbindungszeit abgerechnet. Später setzten sich Datenpakete und UMTS-Flatrates zunehmend durch.
Besonders beliebt waren zeitweise UMTS-Tagesflatrates, monatliche Datenoptionen und Angebote aus Notebook, UMTS-Karte und Mobilfunkvertrag. Solche Pakete wurden häufig als UMTS-Bundles vermarktet.
Auch BASE, die damalige Mobilfunkmarke aus dem E-Plus-Umfeld, bot entsprechende Mobilfunk- und Datenangebote an.
Im Vergleich zu einem stationären DSL-Anschluss war UMTS vor allem dort interessant, wo kein ausreichend schneller Festnetzanschluss zur Verfügung stand. Allerdings waren Geschwindigkeit, Datenvolumen und Verbindungsstabilität häufig eingeschränkt.
Heute gibt es in Deutschland keine nutzbaren UMTS-Datentarife mehr, da die entsprechenden Netze abgeschaltet wurden. Aktuelle Handytarife basieren auf den noch verfügbaren Mobilfunktechnologien.
Geschichte von UMTS: Die teure Frequenzauktion im Jahr 2000
Die Einführung von UMTS begann in Deutschland mit einer der teuersten Mobilfunk-Frequenzversteigerungen der Geschichte.
Im August 2000 versteigerte die damalige Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post sechs UMTS-Lizenzen. Die Auktion endete am 18. August 2000 und brachte dem Staat rund 99,36 Milliarden D-Mark ein. Das entsprach etwa 50,8 Milliarden Euro. Zu den erfolgreichen Bietern gehörten Unternehmen beziehungsweise Konsortien aus dem Umfeld von T-Mobile, Vodafone, E-Plus, VIAG Interkom (später O2), Mobilcom und Group 3G.
Die hohen Lizenzkosten belasteten die beteiligten Unternehmen erheblich. Gleichzeitig mussten neue Mobilfunkstandorte errichtet, Netzinfrastruktur aufgebaut und geeignete Endgeräte entwickelt werden.
Nicht alle Lizenzinhaber konnten ihre ursprünglichen Pläne verwirklichen. Group 3G und Mobilcom zogen sich aus dem UMTS-Netzgeschäft zurück.
Der kommerzielle UMTS-Netzbetrieb startete in Deutschland schließlich 2004. Anfangs blieben die Nutzerzahlen hinter den hohen Erwartungen zurück. Erst mit sinkenden Preisen, besseren Geräten und schnelleren Datenverbindungen entwickelte sich UMTS zu einer wichtigen Grundlage des mobilen Internets.
Die Entwicklung ist Teil der Geschichte des Mobilfunks.
UMTS-Abschaltung: Wann wurde 3G in Deutschland abgeschaltet?
Im Jahr 2021 beendeten die deutschen Netzbetreiber den Betrieb ihrer UMTS-Netze. Die Technik war inzwischen deutlich weniger leistungsfähig als LTE und 5G.
Die Abschaltung erfolgte bei den Netzbetreibern zu unterschiedlichen Zeitpunkten:
- Telekom: Abschaltung des 3G-Netzes zum 30. Juni 2021.
- Vodafone: Beginn der Abschaltung zum 1. Juli 2021, Abschluss Anfang Juli.
- O2 / Telefónica: Schrittweise Abschaltung im Jahr 2021; die letzten 3G-Standorte wurden am 30. Dezember 2021 deaktiviert.
Damit endete nach rund 17 Jahren der kommerzielle UMTS-Netzbetrieb in Deutschland.
Warum wurde UMTS abgeschaltet?
Ein wesentlicher Grund war die effizientere Nutzung der verfügbaren Mobilfunkfrequenzen. Moderne LTE- und 5G-Netze können innerhalb vergleichbarer Frequenzressourcen deutlich größere Datenmengen übertragen. Gleichzeitig benötigen ältere Mobilfunkstandards zusätzliche Netztechnik, deren Betrieb und Wartung Kosten verursachen. Die bisher für UMTS genutzten Frequenzen konnten durch die Abschaltung für leistungsfähigere Mobilfunktechnologien eingesetzt werden. Dieses Vorgehen wird auch als Refarming bezeichnet.
Funktionieren alte UMTS-Handys nach der Abschaltung noch?
Ob ein älteres UMTS-Handy weiterhin verwendet werden kann, hängt davon ab, welche Mobilfunkstandards das Gerät unterstützt.
Ein Handy, das ausschließlich UMTS beherrscht, kann sich in Deutschland nicht mehr in ein reguläres 3G-Netz einbuchen.
Geräte, die zusätzlich GSM unterstützen, können dagegen grundsätzlich weiterhin das 2G-Netz nutzen, solange dieses vom jeweiligen Netzbetreiber betrieben wird. Telefonate und SMS sind damit unter entsprechenden Voraussetzungen weiterhin möglich.
Für den mobilen Internetzugang ist GSM mit GPRS oder EDGE jedoch nur sehr eingeschränkt geeignet.
Wer ein älteres Smartphone besitzt, sollte deshalb prüfen, ob es LTE unterstützt und für die Sprachtelefonie über LTE (VoLTE) geeignet ist. Das wird auch mit Blick auf die geplante Abschaltung der verbleibenden 2G-Netze zunehmend wichtig.
UMTS, GSM, LTE und 5G: Die Mobilfunkgenerationen im Überblick
UMTS war eine Zwischenstufe in der Entwicklung des Mobilfunks. Jede neue Mobilfunkgeneration brachte Verbesserungen bei der Datenübertragung und den unterstützten Anwendungen.
| Generation | Technik | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1G | Analoge Mobilfunknetze | Mobile Sprachtelefonie |
| 2G | GSM, GPRS, EDGE | Digitale Telefonie, SMS und einfache Datendienste |
| 3G | UMTS, HSPA, HSPA+ | Schnelleres mobiles Internet und Videotelefonie |
| 4G | LTE, LTE-Advanced | Mobiles Breitbandinternet und moderne Datendienste |
| 5G | 5G NR | Hohe Datenraten, kurze Latenzen und zusätzliche Anwendungen |
Weitere Informationen gibt es zu GSM mit GPRS und EDGE, zur 5G-Mobilfunktechnik und zu den Mobilfunkfrequenzen.
Häufige Fragen zu UMTS (3G)
Was bedeutet UMTS?
UMTS steht für Universal Mobile Telecommunications System. Es handelt sich um einen Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G), der schnelle mobile Datenverbindungen und Sprachtelefonie ermöglichte.
Gibt es UMTS in Deutschland noch?
Nein. Die deutschen Mobilfunknetzbetreiber haben ihre UMTS-Netze im Jahr 2021 vollständig abgeschaltet. Der mobile Breitbandzugang erfolgt heute vor allem über LTE und 5G.
Wie schnell war UMTS?
Der ursprüngliche UMTS-Standard ermöglichte bis zu 384 kbit/s. Durch HSDPA und HSPA+ waren später theoretische Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 42 Mbit/s möglich.
Was ist der Unterschied zwischen UMTS und LTE?
UMTS gehört zur dritten Mobilfunkgeneration (3G), LTE zur vierten Generation (4G). LTE bietet deutlich höhere Datenraten, kürzere Reaktionszeiten und eine effizientere Nutzung der Funkfrequenzen.
Kann eine alte UMTS-SIM-Karte noch verwendet werden?
Eine ursprünglich für UMTS verwendete SIM-Karte kann unter Umständen weiterhin funktionieren. Entscheidend ist, ob sie vom Anbieter noch unterstützt wird und die technischen Voraussetzungen für die Nutzung des jeweiligen Netzes erfüllt. Ältere SIM-Karten müssen gegebenenfalls ausgetauscht werden.
Kann man UMTS im Ausland noch nutzen?
In einigen Ländern sind 3G-Netze noch verfügbar, während andere Staaten UMTS bereits abgeschaltet haben. Entscheidend sind die Netzversorgung im Reiseland, die unterstützten Frequenzen des Geräts und die verfügbaren Roamingdienste. Vor einer Reise sollte die aktuelle Netzsituation geprüft werden.
Welche Frequenz nutzte UMTS in Deutschland?
UMTS wurde in Deutschland vor allem im Frequenzbereich um 2.100 MHz betrieben. Die frei gewordenen Frequenzen werden inzwischen für modernere Mobilfunktechnologien genutzt.