Urteil – Phishing-Opfer hat Schadensersatzanspruch gegenüber Geldwäscher

Urteil - Phishing-Opfer hat Schadensersatzanspruch gegenüber Geldwäscher

Das Phishing ist eine Methode, mit der Kriminelle versuchen, Daten ihrer Opfer auszuspionieren. Zum Beispiel erhalten die Opfer eine E-Mail, die augenscheinlich elektronische Post ihres Geldinstituts ist. Ist sich der Empfänger nicht darüber im Klaren, dass seine Bank ihm nicht unaufgefordert E-Mails schicken und ohnehin nicht seine sensiblen Daten abfragen würde, klickt der Empfänger eventuell auf den in der E-Mail enthaltenen Link. Dann würde er auf eine Internet-Seite gelangen, die der seines Kreditinstituts zum Verwechseln ähnlich sieht. Dort würde er beispielsweise aufgefordert, seine Kontonummer samt PIN und einiger TANs anzugeben. Folgt das Opfer dieser Aufforderung, hat es den Kriminellen seine Kontodaten preisgegeben und die können sein Konto nun leerräumen.

Häufig nutzen die Kriminellen die Daten, um von dem Konto des Opfers, auf das sie jetzt Zugriff haben, Geldbeträge auf die deutschen Konten ihrer Mittelsmänner (auch Finanzagenten) zu überweisen. Die wissen häufig gar nicht, woher das Geld kommt und hatten eventuell lediglich E-Mailkontakt mit ihren Auftraggebern, die im Ausland sitzen und sie mit falschen Versprechen geködert hatten. Die (häufig naiv-ahnungslosen) Mittelsmänner haben den Auftrag, das Geld, das indessen auf ihrem Konto eintrifft, an ihre Auftraggeber im Ausland zu überweisen. Damit ist das Geld für das Opfer verloren, die Kriminellen sind in Sicherheit und einzig der Mittelsmann wird zur Verantwortung gezogen.

Dass das Opfer dem Mittelsmann gegenüber einen Schadensersatzanspruch in Höhe des überwiesenen Geldbetrags hat, stellte das Landgericht Köln fest. Mit seiner Entscheidung hob es ein Urteil des Amtsgerichts Köln auf. Der in diesem Fall agierende Mittelmann habe sich der Geldwäsche schuldig gemacht und dabei leichtfertig nicht erkannt, dass das Geld aus einem Computerbetrug stammte. Denn bei objektiver Betrachtung sei ersichtlich gewesen, dass das Geld nicht (wie von seiner E-Mail-Bekanntschaft angegeben) aus einer Erbschaft stammte. Er habe erkennen müssen, dass er lediglich als Handlanger krimineller Machenschaften missbraucht wurde. Insgesamt hatte der Mittelsmann drei Geldtransfers von verschiedenen Konten weitergeleitet. Ein Mitverschulden des Opfers schloss das Gericht aus.

Landgericht Köln, Aktz.: 9 S 195/07 vom 05.12.2007

Weitere Informationen

Gerichtsurteile – Internet
Tipps und Tricks – Internet
Im Internet einkaufen

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Neuer Schufa-Score – ab morgen erhalten Verbraucher mehr Transparenz

Neuer Schufa-Score

Ab morgen erhalten Verbraucher mehr Transparenz

Die Schufa stellt ihr Bonitätssystem um. Statt Prozentwerten gibt es ab morgen einen Score bis zu 999 Punkten. Hintergrund sind Urteile des Europäischen Gerichtshofs und Forderungen nach mehr Transparenz. Verbraucherschützer warnen jedoch weiterhin vor möglichen Benachteiligungen. […]

„Treuestrafe“ – loyale Stromanbieter-Kunden zahlen Milliarden zu viel

„Treuestrafe“

Loyale Stromanbieter-Kunden zahlen Milliarden zu viel

Viele Stromkunden bleiben ihrem Anbieter treu und zahlen dafür oft deutlich höhere Preise. Eine Studie der RWTH Aachen zeigt, dass viele Bestandskunden jährlich Milliarden zu viel zahlen. Wer regelmäßig Tarife vergleicht oder den Anbieter wechselt, kann mehrere hundert Euro im Jahr sparen. […]

WhatsApp-News – Eltern-Konto für Kinder ab 10 Jahren geplant

WhatsApp-News

Eltern-Konto für Kinder ab 10 Jahren geplant

Der beliebte Messenger WhatsApp plant, ein spezielles Kinder-Konto einzuführen. Kinder ab zehn Jahren sollen den Dienst künftig nutzen können. Allerdings nur mit Zustimmung und Kontrolle der Eltern. Diese können Kontakte und Datenschutz-Einstellungen festlegen. […]

OLG Frankfurt – Zimmeranfrage ist noch keine Hotelbuchung

OLG Frankfurt

Zimmeranfrage ist noch keine Hotelbuchung

Eine scheinbar harmlose Zimmeranfrage kann teuer werden – oder eben nicht. Das Oberlandesgericht Frankfurt hat entschieden, wann eine Hotelreservierung rechtlich verbindlich ist und wann nicht. Im konkreten Fall ging es um rund 10.000 Euro – und um die Frage, ob eine einfache E-Mail bereits einen Vertrag begründet. […]

Internet zu langsam? Wenn versprochene Bandbreite nicht ankommt

Internet zu langsam

Wenn versprochene Bandbreite nicht ankommt

Hohe Geschwindigkeiten stehen in vielen Internetverträgen – doch im Alltag kämpfen Nutzer oft mit schwankender Bandbreite und instabilen Verbindungen. Woran das liegt und wann technische Probleme sogar zum Streitfall werden können. […]