Aus!? – Web-Urgestein Lycos beendet kostenlose Mail-Dienste

Aus!? - Web-Urgestein Lycos beendet kostenlose Mail-Dienste

Lycos! Dieser Name hat das Internet zur Startzeit ab Ende der 1990er-Jahre stark geprägt. Nachdem in Europa die Tochterunternehmen bereits abgewickelt wurden, stellt am 15. Mai 2018 auch das amerikanische Unternehmen wesentliche Dienste ein. Zuletzt fungierte Lycos in erster Linie als Mailprovider. Da die Einnahmen über Werbung für die Freemail-Sparte nicht ausreichend waren, ziehen die Verantwortlichen nun die Reißleine. Lycos zieht sich aus dem ehemals lukrativen Geschäftsfeld zurück und verlagert die Angebote auf reine Premium-E-Mail-Accounts. Ebenfalls bleibt Lycos Publish erhalten. Dabei handelt es sich um eine Art Blogsystem wie WordPress. Ob diese Angebote ausreichend sind, um das Unternehmen dauerhaft am Leben zu halten, bleibt abzuwarten.

Wie müssen Nutzer von Lycos Mail reagieren?

Lycos hat noch immer eine beachtliche Anzahl von Nutzern seines kostenlosen Mail-Angebotes. Diese müssen handeln, wollen sie ihre E-Mails nicht verlieren. Denn am 15. Mai schaltet Lycos alle Accounts ab, deren Nutzer nicht das Premium-Angebot angenommen haben. Das bedeutet: Wer weiterhin Zugriff seine Lycos-Mails haben möchte, muss entweder dafür bezahlen oder diese vorher sichern.

Ein Update auf das Premium-Angebot ist sehr einfach und fast auf Knopfdruck erledigt. Lediglich Zahlungsinformationen sind zu hinterlegen. Das Premium-Angebot kostet im Monat 4,95 US-Dollar. Wer ein Jahr bucht, zahlt nur 19,95 US-Dollar. Das Premium-Angebot enthält 5 GB Speicher sowie Zugriff mit einem Mail-Client wie zum Beispiel Thunderbird, Outlook, MacMail oder Windows Mail.

Wer seine E-Mails sichern möchte, findet auf der Webseite von Lycos eine Anleitung dazu. In diesem Fall können die E-Mails sowie das Adressbuch ausnahmsweise per E-Mail-Client heruntergeladen werden.

Lycos nur noch ein Schatten vergangener Größe

Das Unternehmen ist inzwischen nur noch ein Schatten seiner großen Vergangenheit. In Europa war das vom deutschen Medien-Konzern geführte Lycos Europe maßgeblicher Internetplayer, der damals Yahoo, AOL und anderen die Stirn bot. Zu Lycos gehörten unter anderem die Suchmaschinen Paperball und Fireball sowie der Mail-Anbieter Firemail. Auch als Domainanbieter war Lycos aktiv, ebenso gehörte der bekannte Webhoster Tripod sowie der Webseite-Anbieter Angelfire zum Konzern. 2008 beschloss die Gesellschafterversammlung, zu der auch der spanische Telefonica-Konzern gehörte, die Auflösung von Lycos in Europa. Seitdem läuft das größtenteils entkernte Geschäft ausschließlich über die USA. Mit dem Abschied von Lycos Mail könnte ein weiterer großer Schritt zum Ende der ehemals wichtigen Internetmarke begonnen worden sein. Angelfire und Tripod sind heute zwei der wenigen Angebote, die das Unternehmen noch führt.

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