
Eine SIM-Karte aus dem Smartphone zu nehmen, schützt nicht zwangsläufig vor hohen Roaming-Kosten. Das zeigt ein aktueller Fall der Verbraucherzentrale Niedersachsen besonders deutlich: Trotz entfernter SIM-Karte entstanden während einer Auslandsreise Mobilfunkkosten von mehr als 900 Euro. Ursache war eine weiterhin aktive eSIM.
Smartphone überträgt Daten auch ohne aktive Nutzung
Besonders tückisch: Um hohe Kosten zu verursachen, muss das Smartphone nicht einmal bewusst zum Surfen genutzt werden. Apps aktualisieren sich im Hintergrund, E-Mails werden abgerufen, Messenger synchronisiert oder Fotos und Videos automatisch in einen Cloud-Speicher übertragen.
Außerhalb des regulierten EU-Roamings können solche Datenverbindungen teuer werden. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät deshalb dazu, vor Auslandsreisen nicht nur die physische SIM-Karte zu beachten, sondern sämtliche auf dem Smartphone eingerichteten SIM- und eSIM-Profile zu kontrollieren.
EU-Roaming schützt nicht überall
Innerhalb der 27 EU-Staaten gilt grundsätzlich „Roam like at Home“. Hinzu kommen Island, Liechtenstein und Norwegen. Seit Januar 2026 sind auch Moldau und die Ukraine in das EU-Roaming einbezogen. Telefonate, SMS und mobile Daten können dort prinzipiell entsprechend den Konditionen des heimischen Tarifs genutzt werden.
Doch selbst bei einer Reise innerhalb Europas gibt es Ausnahmen. Großbritannien und Nordirland fallen seit dem Brexit nicht mehr unter die EU-Roaming-Verordnung. Einige deutsche Mobilfunkanbieter behandeln sie zwar weiterhin wie EU-Länder, verpflichtet sind sie dazu jedoch nicht.
Auch die Schweiz gehört nicht zum EU-Roaming. Gleiches gilt beispielsweise für Andorra, Monaco sowie verschiedene Balkanländer. In Grenzregionen kann zudem die automatische Netzwahl zum Problem werden: Das Smartphone kann sich unbemerkt in das Netz eines Nicht-EU-Landes einbuchen.
| Reisesituation | EU-Roaming? | Mögliche Kostenfalle |
|---|---|---|
| EU-Mitgliedstaaten | grundsätzlich ja | Fair-Use-Regeln und Sondertarife beachten |
| Norwegen, Island, Liechtenstein | ja | generell Nutzung wie im Heimattarif |
| Moldau und Ukraine | seit 2026 ja | Tarifbedingungen beachten |
| Schweiz | nein | Daten, Telefonate und SMS können teuer werden |
| Großbritannien/Nordirland | nicht gesetzlich vorgeschrieben | abhängig vom Mobilfunkanbieter |
| Nicht-EU-Länder auf dem Balkan | nein | insbesondere beim Transit und in Grenzregionen |
| Kreuzfahrtschiff/Fähre | häufig nein | teure Satelliten- oder Schiffsnetze |
| Flugzeug | häufig nein | Bord- und Satellitennetze können hohe Kosten verursachen |
Automatische Netzwahl kann teuer werden
Eine weitere Kostenfalle besteht in Grenzregionen. Bei aktivierter automatischer Netzwahl verbindet sich das Smartphone in der Regel mit einem verfügbaren geeigneten Netz. Dabei spielen Staatsgrenzen technisch keine Rolle. So kann sich ein Smartphone beispielsweise in der Nähe der Schweizer Grenze mit einem Schweizer Mobilfunknetz verbinden. Ähnliche Situationen sind an EU-Außengrenzen auf dem Balkan möglich. Deshalb kann es sinnvoll sein, die automatische Netzwahl dort abzuschalten und den gewünschten Netzbetreiber manuell auszuwählen.
Besondere Vorsicht auf Schiffen und im Flugzeug
Noch größer kann das Risiko auf Kreuzfahrtschiffen, Fähren und in Flugzeugen sein. Dort kommen teilweise spezielle Bordnetze zum Einsatz, die über Satelliten angebunden sind. Diese unterliegen nicht den üblichen EU-Roaming-Regeln – selbst dann nicht, wenn sich das Schiff innerhalb europäischer Gewässer befindet.
Seit 2022 gibt es zwar grundsätzlich einen Schutzmechanismus gegen extrem hohe Datenkosten. Bei Verbindungen über Satelliten- oder Nicht-EU-Netze soll bei 59,50 Euro beziehungsweise einem individuell festgelegten Limit die Datenverbindung unterbrochen werden. Dieser sogenannte Kostenairbag greift allerdings nicht immer, insbesondere wenn Nutzungsdaten technisch nicht in Echtzeit übermittelt werden können.
Vor der Reise auch eSIM kontrollieren
Der aktuelle 900-Euro-Fall zeigt damit eine vergleichsweise neue Variante einer bekannten Roaming-Kostenfalle. Bei Smartphones mit Dual-SIM- oder eSIM-Unterstützung reicht es nicht mehr aus, einfach die Plastikkarte aus dem Gerät zu nehmen. Vor Reisen außerhalb des EU-Roaming-Gebiets sollten daher alle installierten Mobilfunktarife kontrolliert werden. Nicht benötigte eSIM-Profile lassen sich in den Mobilfunkeinstellungen deaktivieren. Zusätzlich kann Datenroaming ausgeschaltet werden. Wer jegliche Mobilfunkverbindung ausschließen möchte, kann den Flugmodus aktivieren und anschließend bei Bedarf ausschließlich WLAN einschalten.
Was tun bei einer unerwartet hohen Rechnung?
Wer nach einer Reise mit einer außergewöhnlich hohen Mobilfunkrechnung konfrontiert wird, sollte diese nicht ungeprüft hinnehmen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Rechnung innerhalb von acht Wochen zu beanstanden sowie einen Einzelentgeltnachweis und eine technische Prüfung zu verlangen. Hilfreich können zudem Screenshots der SIM- und eSIM-Einstellungen sowie gespeicherte Kostenwarnungen des Mobilfunkanbieters sein.
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