Mobilfunk auf Reisen – Im Ausland mit dem Handy telefonieren und surfen

Handy im Ausland

Mobiltelefon, Tablet und Notebook sind für viele zu einem ständigen Begleiter geworden. Für Telefonate, SMS und Datendienste gelten im Ausland andere Preise und Voraussetzungen, als es bei der Nutzung innerhalb Deutschlands. Denn kurze Zeit nach dem Grenzübertritt ist das Mobilfunknetz des deutschen Mobilfunkanbieters nicht mehr verfügbar. Ein ausländisches Fremdnetz muss für alle Handyverbindungen genutzt werden (International Roaming) und dessen Betreiber verlangt dafür Gebühren, die gewöhnlich an den Kunden weitergereicht werden.

Handy im Ausland – Kooperation der Mobilfunkanbieter

Die Mobilfunkanbieter haben Roamingverträge mit ausländischen Anbietern in vielen anderen Ländern abgeschlossen. Dadurch können ihre Kunden bei einem Aufenthalt in dem Ausland ausländische Mobilfunknetze verwenden. Welches Fremdnetz in dem Ausland verfügbar ist, kann bei dem deutschen Mobilfunk-Anbieter erfragt werden. Eventuell ist zuvor eine Anmeldung für das International Roaming nötig.

Ausländische Mobilfunknetze nutzen

Das Mobiltelefon bucht sich bei Grenzübertritt automatisch in das ausländische Mobilfunknetz mit der stärksten Funkverbindung ein, wenn dieses in dem Gerät so eingestellt ist (automatische Netzwahl). In dem Handy oder Smartphone kann aber auch eine Liste von Netzen eigener Wahl gespeichert werden. Ist das an erste Stelle gesetzte Netz nicht verfügbar, wird automatisch das nächste Netz gewählt. Eine manuelle Einbuchung ist ebenfalls möglich und meist empfehlenswert. Per Tastatur kann aus einer Liste der momentan verfügbaren Netze gewählt werden.

Alle Mobilfunkdienste auch im Ausland verfügbar

Nicht nur telefonieren, auch die Nutzung von SMS und MMS sowie der Datenübertragung per GPRS, UMTS und LTE (siehe unten) sind über die meisten Roamingpartner möglich. Netzdienste wie die Leistungsmerkmale Anklopfen, Rufumleitung und Anrufsperre sind ebenfalls in vielen ausländischen Mobilfunknetzen verfügbar.

Wichtige Hinweise beachten

  • Vor Reiseantritt sollten Informationen über Mobilfunk Roaming-Preise und Bedingungen der Handyverbindungen über Roamingpartner eingeholt werden. Das ist beispielsweise auf den Internetseiten oder über die Kundenhotline des Mobilfunkanbieters möglich.
  • Es sollte auch sichergestellt sein, dass der Mobilfunk-Anschluss für das Roaming-Verfahren angemeldet ist.
  • Die meisten Mobilfunk-Anbieter offerieren auf Anfrage Tarifoptionen, die statt der voreingestellten Roaming-Tarife gewählt werden können. Häufig versprechen sie weitaus günstigere Telefonate, Kurznachrichten und Datenverbindungen in bestimmten Ländern, oft ohne zusätzliche Grundgebühr.
  • Es ist auch zu beachten, dass eine eventuell gebuchte Handy Flatrate oder ein Inklusivtarif normalerweise nicht außerhalb Deutschlands gilt.
  • Das zuletzt gewählte ausländische Mobilfunknetz wird bei manueller Netzwahl so lange genutzt, bis der Kunde sein Mobiltelefon in ein anderes einbuchen lässt. Deshalb sollte nicht vergessen werden, die Einstellung sofort nach der Rückkehr nach Deutschland wieder zu ändern.
  • Möchten der Kunde seine Mailbox aus dem Ausland abrufen, wird beim Roaming eventuell die Telefonnummer und die Geheimnummer erfragt. Falls diese vergessen wurde, sollten vor der Abreise aus Deutschland die Hotline des Netzbetreibers oder Mobilfunk-Providers kontaktiert werden.

Nummern im internationalen Format mit Vorwahl angeben

Jedes Land hat eine andere Kennzahl. Diese wird statt der Null der Netz- oder Ortsvorwahl angegeben. Für Telefonate im Ausland wird die Ländervorwahl in Verbindung mit 00 verwendet. Die Landeskennung für Deutschland lautet 49. Möchten ein Anrufer die deutsche Vodafone-Nummer 0172 1234567 aus dem Ausland erreichen, sollte diese also folgendermaßen gespeichert werden: 0049 172 1234567 (oder +49 172 1234567). Für den Versand einer SMS muss auch die Nummern der Kurzmitteilungszentrale in dem internationalen Format eingestellt sein.

Handy im Ausland

Roaming-Preise für Verbindungen aus dem Ausland nach Deutschland und in andere Länder

Die Preise sind von dem Roaming-Vertrag mit dem ausländischen Anbieter abhängig. Die Roaming-Preise unterscheiden sich in Minutenpreisen und oft auch der Taktung von den innerdeutschen Telefonaten.
Der Auslandreisende entrichtet durch erhöhte Preise ein Entgelt für die Nutzung des ausländischen Anbieter-Netzes. Die maximale Höhe der Kosten innerhalb der EU wurden durch den am 30. Juli 2007 eingeführten sogenannten Eurotarif der EU-Roamingverordnung festgelegt und stufenweise gesenkt. Die Erweiterung der EU-Roaming-Verordnung vom 30. Juni 2010 ergänzt diese Verordnung. Für Aufenthalte in Ländern außerhalb der EU gilt der Eurotarif jedoch nicht. Vor Antritt der Reise sollte sich der Kunde über die Roaming-Preise, also über die anfallenden Kosten für Telefonate in und aus dem Zielland informieren.

Roaming-Preise für ankommende Verbindungen im Ausland

Wenn ein Kunde während eines Auslandsaufenthalts angerufen wird, zahlt der Anrufer nur die Gebühren für eine Verbindung in das heimatliche Mobilfunknetz. Er kann schließlich nicht wissen, dass sich der Kunde gerade in dem Ausland aufhält. Der Angerufene trägt die zusätzlichen Kosten für die Weiterleitung in das ausländische Mobilfunknetz. Dabei gelten die Taktung und die Nutzungsbedingungen des deutschen Mobilfunkanbieters. Von manchen ausländischen Netzbetreibern werden für ankommende Verbindungen zusätzliche, oft nicht unerhebliche Entgelte erhoben (Airtime).

Kostenfalle Mailbox im International Roaming

Ein Anrufer weiß eventuell nicht, wo sich der Kunde gerade aufhält und zahlt deshalb nur den Preis für die Verbindung zu dem deutschen Mobilfunknetz. Die Kosten für die Weiterleitung über das International Roaming muss der in Ausland befindliche Kunde übernehmen. Teuer wird ein solcher Anruf für den Urlauber, wenn das Handy nicht erreichbar aber die Mailbox aktiviert ist. Dann bezahlt er fast ausnahmslos die Weiterleitung in das ausländische Mobilfunknetz und zusätzlich die Umleitung des Anrufs auf seine Mailbox in Deutschland.
Das Problem kann umgangen werden, indem die Mailbox vor der Abreise deaktiviert oder die automatische Rufumleitung aller eingehenden Anrufe auf die Mailbox bereits in Deutschland (!) aktiviert wird. Ein ankommender Anruf wird dann innerhalb des deutschen Mobilfunknetzes auf die Mailbox des Kunden geleitet. So ist der Nutzer im Ausland zwar nicht direkt erreichbar, kann aber Nachrichten auf seiner Mailbox speichern ohne die Weiterleitung in das ausländische Netz zahlen zu müssen.

SMS und MMS im Ausland

SMS und MMS werden ebenfalls von den ausländischen Mobilfunknetzen und die deutschen Telefonnetze weitergeleitet. Die Verwendung dieser Dienste kostet allerdings ebenfalls mehr als innerdeutsch genutzte Leistungen. Wenn sich der Kunde im Ausland aufhält und dort eine aus Deutschland verschickte SMS oder MMS erhält, hat der Versender den Preis einer innerdeutsch zu der Mobilfunknummer des Empfängers übermittelten Nachricht bezahlt. Der Empfang der Kurzmitteilung im Ausland ist bis auf wenige Ausnahmen kostenfrei.

Tipps zum Geldbeutel und Nerven schonen

  • Es ist zu beachten, dass in den meisten Ländern während des Telefonierens im Straßenverkehr ebenso wie in Deutschland eine Freisprecheinrichtung genutzt werden muss oder das Telefonieren am Steuer gar verboten ist.
  • Je nach Reiseziel wird zum Laden des Mobiltelefons ein Adapter für die Steckdosen benötigen. Auch die unterschiedlichen Netzspannungen in den Stromnetzen der Länder sind zu beachten. Wenn während einer Reise ein KFZ-Ladekabel benutzt wird, ist die Nutzung von Steckdosen hinfällig.
  • USA-Reisende sollten unbedingt mindestens ein Triband-Handy für das Roaming mitnehmen, das auch auf den in den USA üblichen 1.900 MHz-Frequenzen funkt. Moderne Mobiltelefone sind meistens Triband-Handys, die neben den in Deutschland üblichen 900- und 1800-MHz Frequenzen für die D-Netze und E-Netze auch in dem 1900-MHz-Bereich arbeiten.
  • Eine vor Ort gekaufte und beispielsweise mit der Hoteladresse registrierte Prepaidkarte bietet oft Vorteile. Aus Deutschland ist man ohne Roamingkosten erreichbar (z.B. per Call-by-Call Ausland Mobilfunk). Für Telefonate innerhalb des Urlaubslandes fallen ebenfalls keine Roamingkosten an und auch das mobile Internet kann meistens günstiger genutzt werden. Zum Beispiel der Anbieter Travelsim bietet ausländische Prepaidkarten für viele Länder an.
  • Bei einem Aufenthalt mit dem Handy im Ausland, können auch SMS- und MMS-Nachrichten über die Kurzmitteilungszentrale des Mobilfunkanbieters verschickt werden. Doch das ist verhältnismäßig teuer. Eine Alternative ist der Besuch eines Internet-Cafés. Dort können SMS per Internet zum Beispiel über einen der Gratis-SMS-Anbieter versendet werden.

Internet im Ausland

Datenverbindungen im Ausland

Nicht nur das Handy oder Smartphone, auch der Laptop oder der Tablet-Computer begleitet manchen Reisenden in das Ausland. In dem Zielland können Emails abgerufen oder mal eben Neuigkeiten aus der Heimat gelesen werden. Doch der gebuchte Datentarif und die Daten Flatrate gelten bei einem Auslandsaufenthalt normalerweise nicht. Es fallen andere, teilweise wesentlich höhere Preise für das Datenroaming an.

Wegfall der Roaminggebühren innerhalb der EU

Seit dem 15. Juni 2017 gibt es keine Roaminggebühren innerhalb der EU mehr. Damit können Urlauber und andre Reisende aus dem Urlaub so günstig telefonieren wie zu Hause. Allerdings gibt es wichtige Einschränkungen:

  • Gespräche im Ausland ins Ausland (auch innerhalb des Reiselandes)
    Telefoniert ein Nutzer im EU-Ausland nicht nach Deutschland, berechnen die Anbieter Auslandskosten für die Telefonate. Das sind Gespräche innerhalb des Reiselandes oder in ein Drittland.
  • Gespräche aus Deutschland ins EU-Ausland
    Telefoniert ein Nutzer aus Deutschland ins EU-Ausland, fallen Gebühren für Auslandsgespräche an. Die Kosten richten sich nach den Tarifen des jeweiligen Vertrages.
  • Communityregeln entfallen im Ausland
    Enthält der Tarif sogenannte Communityregeln, entfallen diese im Ausland. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn in Deutschland zwei Teilnehmer beim gleichen Anbieter sind und Gespräche zwischen diesen im Anbieternetz kostenlos sind. Im EU-Ausland gilt dies nicht, es fallen dann regulären Telefongebühren (Inlandskosten) an.
  • Datenkosten nach Verbrauch des Datenvolumens
    Häufig unterschätzt gilt eine wichtige Einschränkung bei den Datentarifen. Ist das Datenvolumen aufgebraucht, dürfen die Anbieter für alle weiteren verbrauchten Datenmengen Zusatzkosten berechnen und zwar auch dann, wenn dies in Deutschland nicht der Fall wäre. Die Höhe ist gesetzlich geregelt (s. Maximalkosten).

Einschränkung durch Fair-Use-Regelung

Der Wegfall der Roamingkosten innerhalb der EU ist jedoch an das Fair-Use-Prinzip gebunden. Je nach Anbieter gibt es ggf. Bestimmungen, die Dauertelefonierern und Power-Surfern zum finanziellen Nachteil gereichen. Erreichen diese durch ihre Aktivitäten bestimmte Höchstgrenzen, dürfen die Anbieter anschließend Zusatzgebühren berechnen.

Maximalkosten für Telefonie/Surfen im Ausland

Ob bei einem aufgebrauchten Datenvolumen oder einem Verstoß gegen die Fair-Use-Regel. Anbieter dürfen von ihren Kunden Zusatzgebühren verlangen. Diese sind jedoch gesetzlich gedeckelt. Es gelten folgende Höchstsätze:

  • Anrufe dürfen maximal mit 3,2 Cent/Anruf berechnet werden.
  • SMS dürfen mit maximal 1 Cent/SMS berechnet werden.
  • Surfen darf maximal pro GB Datenvolumen mit 7,70 Euro (ab 1.01.2022 2,50 Euro) berechnet werden.

Tarife prüfen!
Ebenfalls wichtig: Mit der Einführung des Tarifdetails EU-Roaming haben viele Anbieter zwar die Regelungen des Gesetzgebers umgesetzt. Jedoch gibt es dadurch Tarife, die gar kein Roaming mehr zulassen. Das heißt: Mit einem solchen Tarif kann der Kunde nicht im Ausland telefonieren. Daher sollten Nutzer vor Reiseantritt prüfen, ob die eigene SIM-Karte überhaupt Telefonate und SMS sowie die mobile Internetnutzung im Ausland ermöglicht.