
Auch im Urlaub und auf Reisen ist das Smartphone ständiger Begleiter und wird genutzt. Doch nicht jedes Netz kennt die Grenzen der EU, innerhalb derer das sogenannte „Roam like at Home“ gilt. Wer an der falschen Grenze landet oder sich auf dem Schiff oder im Flugzeug automatisch verbindet, kann schnell mit unerwarteten Gebühren konfrontiert werden.
Was steckt überhaupt hinter „Roam like at Home“?
Der Grundsatz „Roam like at Home“ sorgt dafür, dass Reisende ihr Smartphone in den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein grundsätzlich zu den gleichen Konditionen nutzen können wie zu Hause. Telefonate, SMS und mobile Daten verursachen dort normalerweise keine zusätzlichen Roaming-Gebühren. 2022 wurde die Regelung um weitere zehn Jahre verlängert. Seit Januar dieses Jahres gehören außerdem Moldau und die Ukraine zum EU-Roaming.
Warum kann das Smartphone trotzdem zur Kostenfalle werden?
„Kostenfallen lauern allerdings in EU-Grenzregionen, beim Transit durch Nicht-EU-Länder sowie bei der Mobilfunknutzung auf Schiffen und in Flugzeugen“, betont der Jurist und Experte für Telekommunikation bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Erol Burak Tergek.
Der Grund liegt häufig in der automatischen Netzwahl. Ist diese aktiviert, sucht sich das Smartphone selbstständig das verfügbare Netz mit dem stärksten Signal. Befindet sich dieses Netz dann außerhalb des EU-Roamings, gelten dessen eigene Preise. Besonders gefährlich ist, dass das passieren kann, ohne dass Reisende bewusst einen Anbieterwechsel vorgenommen haben.
Wo lauern die teuersten Überraschungen?
Besonders aufmerksam sollten Urlauber in Grenzregionen sein. In der Nähe der Schweiz kann sich ein deutsches Smartphone beispielsweise in das Schweizer Netz einwählen. Ähnliche Risiken bestehen unter anderem an den Grenzen zu Bosnien und Herzegowina, Montenegro oder anderen Nicht-EU-Staaten auf dem Balkan. Auch über den Wolken oder auf dem Wasser gelten besondere Regeln. Die Verbraucherschützer klären darüber auf, dass sowohl Kreuzfahrtschiffe als auch Fluggesellschaften häufig WLAN-Pakete anbieten, doch bei schwacher Verbindung kann es passieren, dass das Smartphone auf ein teures Mobilfunk-Bordnetz wechselt. Schon deshalb empfiehlt es sich, mobile Daten auf Reisen gezielt zu kontrollieren und ggf. zu deaktivieren.
Welche Reiseziele verdienen besondere Aufmerksamkeit?
Wer unterwegs ist, sollte insbesondere diese Situationen genau im Blick behalten:
- Grenzregionen zur Schweiz und zu anderen Nicht-EU-Staaten
- Transitfahren durch Länder außerhalb der EU
- Reisen nach Großbritannien und Nordirland
- Aufenthalte in Andorra, Monaco, San Marino, Vatikanstadt oder Gibraltar
- Kreuzfahrten und Flüge
Seit dem Brexit gilt die EU-Roaming-Verordnung in Großbritannien und Nordirland nicht mehr. Viele Anbieter verzichten dort zwar weiterhin auf zusätzliche Gebühren, garantieren müssen sie das jedoch nicht. Auch für Jersey, Guernsey und die Isle of Man sowie weitere europäische Kleinstaaten sollten Reisende die Bedingungen ihres eigenen Vertrags vor Antritt unbedingt prüfen.
Wie kann man das Risiko unterwegs minimieren?
Dich Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass die sicherste Lösung ist, die automatische Netzwahl vor der Reise zu deaktivieren. In Grenzregionen sollte regelmäßig kontrolliert werden, mit welchem Netz das Gerät verbunden ist. Auf Schiffen und im Flugzeug können Flugmodus oder deaktivierte mobile Daten zusätzliche Sicherheit schaffen. Hilfreich ist außerdem der sogenannte „Kostenairbag“. Seit 2022 warnt dieser grundsätzlich vor zu hohen Kosten bei Verbindungen über Satellitennetze oder Nicht-EU-Netze. Wird ein Betrag von 59,50 Euro oder ein individuell festgelegtes Limit erreicht, soll die Datenverbindung automatisch unterbrochen werden. Allerdings funktioniert diese Sperre nicht, wenn die Nutzung technisch nicht in Echtzeit erfasst werden kann. In solchen Fällen werden Reisende darüber informiert.
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