
Ein deutscher Shop-Name und eine seriös wirkende Website schaffen bei vielen Verbrauchern, die online einkaufen, Vertrauen. Doch jetzt warnt der Handelsverband Deutschland vor Shops, hinter denen sich ein Geschäftsmodell verbirgt, bei dem der Kunde erst nach der Bestellung merkt, dass sein vermeintliches Schnäppchen teuer werden kann.
Vor welchen Online-Shops warnt der Handelsverband?
Der Handelsverband Deutschland, kurz HDE, warnt nicht etwa vor klassischen Fake-Shops, bei denen die Ware gar nicht ankommt. Stattdessen handelt es sich um Shops, die den Verbrauchern gezielt den Eindruck eines deutschen oder europäischen Händlers vermitteln. In Wahrheit steckt dahinter jedoch ein Anbieter aus China. Anders als bei klassischen Fake-Shops, wird die Ware hier tatsächlich geliefert. Allerdings sind die Produkte oft minderwertig und die Ware entspricht teilweise nicht den Versprechungen oder Erwartungen, die der professionell gestaltete Online-Shop zuvor geweckt hat. Die problematischen Shops treten unter deutschem Namen, unter deutscher Domain und zum Teil nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland sogar mit europäischer Anschrift auf.
Welches Problem kann bei der Rücksendung auftreten?
Problematisch wird es, sobald ein Kunde die bestellte Ware retournieren will. Denn obwohl grundsätzlich ein Widerrufsrecht bestehen kann, kann die Rücksendung nach China je nach Größe und Gewicht des Pakets erheblich ins Geld gehen. Nach Angaben des HDE übersteigen die Rücksendekosten im schlimmsten Fall sogar den Wert der bestellten Ware.
„Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher werden bewusst in die Irre geführt und bestellen bei einem vermeintlich deutschen Shop. Das böse Erwachen folgt häufig erst, wenn die gelieferte Ware nicht dem entspricht, was auf der Internetseite versprochen wurde. Eine Rücksendung ist dann oft mit erheblichem Aufwand und hohen Kosten verbunden“, erklärt Stephan Tromp, stellvertretender HDE-Hauptgeschäftsführer.
Welche Masche steckt hinter dem Geschäftsmodell?
Genau diese Hürde kann zum entscheidenden Teil des Geschäftsmodells werden. Denn ist die Rücksendung kompliziert oder unverhältnismäßig teuer, behalten die Kunden die Ware häufig trotz schlechter Qualität oder falscher Erwartungen. Für viele wird die Reklamation dadurch unattraktiv. Besonders schwer zu erkennen ist diese Masche, da die Shops in den meisten Fällen äußerst professionell gestaltet sind und auf den ersten Blick kaum von einem deutschen Händler zu unterscheiden sind. Das Risiko beim Onlinekauf besteht, laut HDE, damit nicht mehr nur darin, gar keine Ware zu erhalten.
Wie kann man sich bestmöglich schützen?
Um keine schlechten Erfahrungen beim Onlineshopping zu machen, lässt sich das Risiko bereits vor dem Kauf mit wenigen Schritten deutlich reduzieren:
- Gründliche Überprüfung des Impressums: wo befindet sich der Unternehmenssitz? Was ist die tatsächliche Anbieteradresse?
- Kontrolle der Rücksendeadresse: ist China als Rücksendeadresse angegeben? Welche Kosten entstehen im Widerrufsfall?
- Recherche des Shop-Namens: Gibt es bereits Erfahrungsberichte oder mögliche Beschwerden von anderen Kunden?
- Vergleich von Bewertungen: gibt es unabhängige Erfahrungsberichte über den Shop?
- Hinterfragen der Produkte: sind die Bilder auffällig professionell oder sind die Preise extrem günstig? Dabei handelt es ggf. um Warnsignale
- Zahlungsart bewusst wählen: gibt es die Möglichkeit einer Zahlungsmethode mit Käuferschutz?
- Lesen der Widerrufsbedingungen: wohin wird die Ware tatsächlich zurückgeschickt? Wer muss die Kosten übernehmen?
„Wer den Namen des Shops zusammen mit Begriffen wie ,Erfahrungen‘ oder ,Rücksendung‘ in eine Suchmaschine eingibt, erhält häufig schnell Hinweise darauf, ob der Anbieter seriös ist“, sagt Tromp.
Warum wird dadurch das Vertrauen der Kunden geschädigt?
Der Handelsverband Deutschland sieht in den entsprechenden Online-Shops unter deutscher Tarnung nicht nur ein Problem für den einzelnen Käufer, sondern auch für den fairen Onlinehandel. Denn wenn Anbieter mit einem deutschen Erscheinungsbild werben, obwohl die zentralen Teile des Geschäfts tatsächlich in China liegen, können Verbraucher die tatsächlichen Bedingungen nur schwer einschätzen. Wer deshalb vor einer Bestellung genau hinsieht, schützt nicht nur sein Geld, sondern kann auch vermeiden, am Ende auf einer Ware sitzen zu bleiben, die ihm eigentlich nicht gefällt, deren Rückgabe jedoch kaum praktikabel ist.
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