Tele2 missachtet Urteil – Zwei mal 100.000 Euro Ordnungsgeld

Tele2 missachtet Urteil - Zwei mal 100.000 Euro Ordnungsgeld

Sie stehen vor dem Supermarkt, vor Baumärkten und manchmal sogar ungebeten vor der Haustür. Nicht selten rufen sie auch an, die Werber mit ihren Angeboten für noch günstigeres telefonieren mit noch mehr Service und Konditionen, zu denen angeblich kein Verbraucher `Nein´ sagen kann. Das ist lästig. Und es ist verboten. Kein Verbraucher darf unerwünschte Werbeanrufe bekommen. Doch einige Unternehmen halten sich nicht daran. Sogar dann nicht, wenn ihnen bereits klar zu erkennen gegeben wurde, dass ihr Vorgehen nicht akzeptabel ist.

Der Telekommunikationsanbieter Tele2 ist anscheinend so ein Fall. Die Verbraucherzentralen haben eine Vielzahl Beschwerden bekommen, weil das Unternehmen Telefonkunden mit Werbeanrufen belästigte. Zweck der Anrufe war, die Verbraucher zu Kunden des Anbieters Tele2 zu machen. Doch die Verbraucher wandten sich an die Verbraucherschützer und beschwerten sich. Im Februar erwirkte die Verbraucherzentrale Bayern dann ein Urteil, das Tele2 Werbeanrufe ohne vorherige Einwilligung des Angerufenen untersagte.

Wenig einschüchternd muss dieses Urteil des Landgericht Düsseldorf auf Tele2 gewirkt haben, denn die Verbraucherschützer erhielten weitere Beschwerden über unerwünschte Werbeanrufe. Und dabei handelte es sich durchaus nicht um Einzelfälle. Die Verbraucherschützer zogen mit den Aussagen von mehr als 70 seitdem angerufenen Telefonkunden vor Gericht. Für keinen einzigen der Fälle konnte Tele2 eine ausreichende Einwilligung der Telefonkunden vorlegen, die ihre Anrufe legitimiert hätte.

Das selbe Gericht, nämlich das Landgericht Düsseldorf strafte Tele2 nun auf Antrag der Verbraucherzentrale Bayern mit einem Ordnungsgeld. (Landgericht Düsseldorf, Aktz.: 38 O 145/06 vom 27.06.2007) Auch die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs e. V., kurz Wettbewerbszentrale, meldet einen Erfolg vor Gericht gegen den Anbieter Tele2 und dessen Verurteilung zu einem Ordnungsgeld aus dem selben Grund. (Landgericht Düsseldorf, Aktz.: 38.O.188/04 vom 29.06.2007) In beiden Fällen soll der Anbieter 100.000,- Euro zahlen. Ob die Höhe der Geldstrafen ausreichend ist, um den Anbieter Tele2 von weiteren Werbeanrufen bei Telefonkunden ohne deren vorheriges Einverständnis abzuhalten, wird sich herausstellen.

Update vom 26.11.2007

Tele2 legte gegen das von der Verbraucherzentrale erstrittene Ordnungsgeld Widerspruch ein. Doch es wurden neue Fälle der unerlaubten Telefonwerbung bekannt und die Verbraucherzentralen klagten wieder gegen Tele2. Die Parteien einigten sich außergerichtlich. Tele2 zahlt eine Vertragsstrafe in Höhe von 240.000,- €. Im Gegenzug nehmen die Verbraucherzentrale die bestehenden Vollstreckungsanträge zurück, die wegen bisheriger unerlaubter Telefonwerbung angefallen sind.

Update vom 20.12.2007

Die Wettbewerbszentrale hatte mit Beschluss vom 29.06.2007 eine Ordnungsstrafe in Höhe von 100.000,- € gegen Tele2 erwirkt. In der Zeit von Mai bis September 2007 gingen bei der Wettbewerbszentrale weitere Beschwerden gegen das Unternehmen ein. Auf erneuten Antrag der Wettbewerbszentrale hat das Gericht deshalb das weitere Ordnungsgeld verhängt, das sich aufgrund des aktuellen Beschlusses vom 12.12.2007 (Az. 38 O 188/04, noch nicht rechtskräftig) auf zusätzlich 200.000,- € beläuft.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Messenger-Betrug 2026: KI macht WhatsApp- und SMS-Betrug gefährlicher

Messenger-Betrug 2026

KI macht WhatsApp- und SMS-Betrug gefährlicher

Eine aktuelle Kaspersky-Studie zeigt: Betrüger verlagern ihre Angriffe immer stärker auf WhatsApp, Telegram und andere Messenger. Künstliche Intelligenz macht die Nachrichten dabei täuschend echt – mit teils erheblichen finanziellen Folgen für die Opfer. […]

Silent Calls

Silent Calls

Warum stumme Anrufe ein Warnsignal sein können

Das Telefon klingelt, doch am anderen Ende meldet sich niemand. Was wie ein harmloser Fehlanruf wirkt, kann Teil einer professionellen Betrugsmasche sein. Kriminelle nutzen sogenannte Silent Calls, um aktive Telefonnummern zu identifizieren und gezielt für spätere Betrugsversuche auszuwählen. […]

Kampf um Router-Freiheit – Verbraucherschützer klagen gegen Vodafone

Kampf um Router-Freiheit

Verbraucherschützer klagen gegen Vodafone

Darf Vodafone Kunden bei Glasfaseranschlüssen bestimmte Modems vorschreiben? Genau diese Frage soll nun ein Gericht klären. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz sieht die gesetzlich verankerte Endgerätefreiheit in Gefahr und zieht vor das Oberlandesgericht Hamm. […]

De-Mail Ende

De-Mail endgültig eingestellt

Das Digitalprojekt, das zum Flop wurde

Als sichere Alternative zur E-Mail, startete der De-Mail-Dienst. Jetzt ist nach 15 Jahren allerdings Schluss. Denn das Projekt war nie wirklich erfolgreich und hatte mit Sicherheitsbedenken zu kämpfen, weshalb es nur wenige Bürger nutzten. […]

Karte nie erhalten, Konto geplündert – Bank muss Rückzahlung leisten

Karte nie erhalten, Konto geplündert

Bank muss Rückzahlung leisten

Das Oberlandesgericht Frankfurt stärkt jüngst in einem Urteil das Recht von Bankkunden. Geht eine Debitkarte auf dem Postweg verloren, haftet die Bank für missbräuchliche Abhebungen. Damit widerspricht das OLG dem Urteil der Vorinstanz. […]

Polizei-Einsatzfahrzeuge

Großrazzia gegen Darknet-Drogenhandel und Geldwäsche

Acht Festnahmen und Millionen-Ermittlungen

Bei einer bundesweiten Großrazzia gegen Darknet-Drogenhandel und internationale Geldwäsche haben Ermittler acht Personen festgenommen. Im Fokus stehen Millionenbeträge, Kryptowährungen und ein mutmaßliches Underground-Banking-Netzwerk zwischen Deutschland und Vietnam. […]