E-Books – Adobe überwacht Nutzerverhalten

E-Books - Adobe überwacht Nutzerverhalten

Der Softwaregigant Adobe nimmt in der Welt der E-Book-Reader eine besonders wichtige Rolle ein. Denn die Software Adobe Digital Editions ist praktisch auf der Mehrzahl der Geräte zwingend, um E-Books zu lesen, die nicht vom Hersteller des jeweiligen Readers angeboten werden. Vor wenigen Tagen musste Adobe eingestehen, dass der Konzern die Software dazu nutzt, Nutzerdaten vom Gerät auszulesen. Nicht nur das: Die Daten werden unverschlüsselt an den Adobe-Server übertragen.

Den Stein ins Rollen brachte ein Bericht des Online-Magazins The Digital Reader. Darin deckte das Magazin auf, dass Adobe Daten ausliest. Betroffen sind demnach die Softwareversionen 3 und 4 von Digital Editions. Eine Reaktion von Adobe lies nicht lange auf sich warten. Darin erklärte der Konzern kurz gesagt, dass der Datentransfer mit den Geschäfts- und Datenschutzbestimmungen von Adobe abgedeckt sei und nur für Zwecke rund um die Lizenz von E-Books genutzt werde. Auch ein Update ist angekündigt, nach dem der Datentransfer verschlüsselt stattfinden soll. Welche Daten ausgelesen werden, ist auf digitalworldbook.com nachzulesen. Demnach sendet die Software Adobe Digital Editions unter anderem die IP-Adresse, eine Nutzer-ID, die Gerätekennung, die App-ID der Software, die bisher gelesene Seitenzahl und die dafür benötigte Dauer sowie weitere Daten wie Metadaten des E-Books und die Verkäufer-ID.

Allein die Sammelwut ist schon bedenklich und die Software grenzt damit an Funktionen eines Trojaners. Denn die Daten lassen tief gehende Analysen des Nutzerverhaltens zu, die in der Werbebranche gut bezahlt wären. Fast schon unglaublich ist, dass ein Weltkonzern wie Adobe die Daten unverschlüsselt überträgt. Damit ist es möglich, dass Dritte Zugriff auf diese Informationen erhalten. Auch wenn Adobe betont, nur Daten aus dem jeweiligen E-Book auszulesen, bleiben Zweifel, ob Adobe Digital Editions nicht auch weitere Informationen aus dem E-Book-Reader bzw. Gerät nutzt.

Nutzern sollte dieser Fall zu denken geben. Denn während immer mehr Menschen sich des Ausspähens durch Social-Media-Plattformen, Webseiten und Smartphones bewusst sind, erwarten die wenigsten Nutzer dieses von einer Software wie Adobe Digital Editions. Die unverschlüsselte Datenübertragung steht damit sinnbildlich für ein großes Defizit im globalen Datenschutz insgesamt. Menschen, die sich in die virtuelle Welt begeben, müssen damit rechnen, dass Konzerne zum Teil sehr personenbezogene Daten ausspähen. Mehr noch: Sie müssen damit rechnen, dass die Unternehmen diese Daten auch nutzen und letztlich direkt oder indirekt zu Geld machen.

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