Urteil – ISDN ist kein angemessener Ersatz für DSL

Urteil - ISDN ist kein angemessener Ersatz für DSL

Wenn man es leid ist, im Schneckentempo über die Datenautobahn zu kriechen, wird es Zeit sich um einen DSL-Anschluss zu kümmern. Dieser Zugang in das Internet ermöglicht Datenübertragungen wesentlich höheren Geschwindigkeiten als ein Zugang über den analogen oder ISDN-Telefonanschluss. Während per Modem an einem analogen Telefonanschluss eine maximale Downloadgeschwindigkeit von 56 kbit/Sek. zu erreichen ist, sind es an einem DSL-Anschluss, der zusätzlich zum Telefonanschluss gebucht werden kann, mit der geringsten DSL-Geschwindigkeit DSL 1000 bereits maximal 1064 kbit/Sekunde. Und dieser gewaltige Unterschied vervielfacht die Freude am surfen um einiges. So dachte wahrscheinlich auch der Telefonkunde, der sich im Jahr 2002 für einen DSL-Anschluss mit einer DSL Flatrate entschied. Der mit der Einrichtung des schnellen Internet-Zugangs beauftragte Anbieter gab ihm die Auskunft, dieser sei bei dem Unternehmen nur in Verbindung mit einem ISDN-Telefonanschluss erhältlich. Es stellte sich jedoch heraus, dass der Kunde aufgrund der technischen Gegebenheiten keinen DSL-Anschluss erhalten konnte. Schade, aber nicht zu ändern, dann wird der Kunde vermutlich seinen bisherigen Telefonanschluss behalten und von dem Unternehmen keinen neuen Anschluss erhalten haben, möchte man nun denken.

Man kann sich die Überraschung und den Ärger des Kunden vorstellen, den er empfunden haben muss, als ihm das Unternehmen ohne ihn vorher zu informieren, dass DSL in seinem Telefonanschluss nicht verfügbar ist, einen ISDN-Telefonanschluss mit einer ISDN-Flatrate bereitstellte. Denn schließlich wollte der Kunde einen DSL-Anschluss und hatte die Einrichtung des ISDN-Telefonanschlusses nur als notwendiges Übel in Kauf genommen. Doch der Anbieter hatte eine Klausel in seinem Auftrag. Darin war zu lesen, dass er Kunden in Anschlussgebieten, in den DSL nicht verfügbar ist, einen Internet-Zugang auf Basis eines ISDN-Telefonanschlusses zur Verfügung stellt, bis auch dort die DSL-Technik verfügbar ist.

Für den Internetzugang mit der ISDN Flatrate verlangte das Unternehmen von dem Kunden 324,32 €, die in einem Zeitraum von sieben Monaten angefallen waren. Der Kunde weigerte sich, diesen Betrag zu zahlen, weil er nicht den in Auftrag gegeben DSL-Anschluss, sondern einen ISDN-Telefonanschluss erhalten habe und das Unternehmen auch innerhalb mehrere Monate nicht in der Lage gewesen sei, die DSL-Technik zur Verfügung zu stellen. Der Fall wurde vor dem Amtsgericht in Frankfurt am Main verhandelt.

Die Richter erklärten die Klage des Telekommunikationsanbieters als unbegründet und wiesen die Forderung des Anbieters als ungerechtfertigt zurück. (Az. 31 C 3695/04 – 83) Das Unternehmen hätte den Kunden auf die Tatsache, dass er aus technischen Gründen derzeit keinen DSL-Anschluss erhalten konnte, bereits bei Vertragsabschluss hinweisen müssen. Wenn dem Unternehmen diese Gegebenheit zu dem Zeitpunkt nicht bekannt war, hätte der Anbieter den Kunden auch darauf hinweisen müssen. Da dieses nicht geschehen sei, habe der Anbieter gegen seine Aufklärungs- und Beratungspflicht verstoßen.

Die in dem Auftrag enthaltene Klausel, in der bei einer Nichtverfügbarkeit der DSL-Technik auf ISDN verwiesen wurde, sei unwirksam, denn es handele sich um eine überraschende Klausel. Schließlich rechne ein Kunde, der einen DSL-Anschluss beantragt, nicht damit, lediglich einen Internetanschluss über ISDN zur Verfügung gestellt zu bekommen. Der sei nämlich kein angemessener Ersatz für den DSL-Anschluss. Generell solle der Anbieter Verträge über DSL-Anschlüsse nur abschließen, wenn er das versprochene Produkt auch liefern könne, rieten die Richter und ließen keine Berufung gegen das Urteil zu.

Amtsgericht Frankfurt Az. 31 C 3695/04 – 83

Weitere Informationen

Fragen und Antworten zu DSL
Gerichtsurteile – Internet
DSL Preisvergleich

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Freude schlägt Herzen - die beliebtesten Emojis der Deutschen

Freude schlägt Herzen

Das sind die beliebtesten Emojis der Deutschen

Lachen statt Herzen: Die Deutschen setzen in ihren Chats vor allem auf gute Laune. Eine aktuelle Bitkom-Umfrage zum World Emoji Day zeigt außerdem, wie selbstverständlich Emojis inzwischen zum digitalen Alltag gehören – und warum sie trotzdem manchmal für Missverständnisse sorgen. […]

Das Smartphone ersetzt fast alles – darauf achten Nutzer wirklich

Das Smartphone ersetzt fast alles

Darauf achten Nutzer wirklich

Eine gute Kamera gehört heute zu den wichtigsten Kaufkriterien für Smartphones. Gleichzeitig ersetzt das Gerät immer mehr Alltagshelfer, nutzt KI für Fotos und speichert zahlreiche sensible Daten, die besonders geschützt werden sollten. […]

OLG stoppt Telefónica – Urteil stärkt Kunden bei Handyverträgen

OLG stoppt Telefónica

Urteil stärkt Kunden bei Handyverträgen

Verbraucherschützer konnten vor Gericht einen Erfolg erzielen. Denn Telefónica wurde eine AGB-Klausel untersagt, mit der Mobilfunkverträge trotz Mindestlaufzeit einseitig durch das Unternehmen gekündigt werden konnten. Das Urteil stärkt die Rechte von Kunden und sorgt für mehr Vertragssicherheit. […]

KI in der App-Entwicklung: Chancen, Risiken und Trends 2026

KI in der App-Entwicklung

Chancen, Risiken und Trends 2026

Künstliche Intelligenz verändert die App-Entwicklung grundlegend. Von automatischer Codegenerierung über intelligentes UI-Design bis hin zu neuen Geschäftsmodellen: Der Ratgeber zeigt, welche Möglichkeiten KI heute bietet, wo ihre Grenzen liegen und worauf Unternehmen und Entwickler beim Einsatz achten sollten. […]

Kinder schützen durch Chats prüfen? – das hat die EU jetzt entschieden

Kinder schützen durch Chats prüfen?

Das hat die EU jetzt entschieden

Das EU-Parlament hat einer neuen Übergangsregelung zur Chatkontrolle zugestimmt. Die Maßnahme bleibt dennoch umstritten und innerhalb der EU wird weiter an einer langfristigen gesetzlichen Lösung für den Kinderschutz gearbeitet. […]

Messwoche liefert Millionen Daten – wie gut ist der Mobilfunk wirklich?

Messwoche liefert Millionen Daten

Wie gut ist der Mobilfunk wirklich

Fast 20 Millionen Messpunkte liefern ein aktuelles Bild der Mobilfunkversorgung in Deutschland. Die Ergebnisse der zweiten Mobilfunkmesswoche zeigen den Fortschritt beim 5G-Ausbau und helfen dabei, Versorgungslücken zu erkennen und künftig zu schließen. […]