Neue Tarife von T-Com – Gericht stoppt Werbekampagne durch einstweilige Verfügung

Machtkampf

Vor einigen Tagen kündigte die Festnetz-Tochter der Deutschen Telekom die Einführung eines neuen Tarifsystems an. (Telespiegel-News vom 16.02.2005) T-Com wirbt unter anderem auf ihrer Homepage mit enormen Preissenkungen. Diese Werbung führe den Konsumenten in die Irre, sie sei plakativ und erfolge in pauschaler Form ohne jegliche Bezugnahme und Relativierung, hieß es von dem Wettbewerber Tele2. Der Verbraucher habe bei diesen stark vereinfachten Darstellungen keine Möglichkeit, objektiv zu vergleichen. Aus Sicht von Tele2 verstoßen die Werbeaussagen zu der neuen Tarifstruktur gegen das Wettbewerbsrecht. Jetzt erwirkte das Düsseldorfer Unternehmen Tele2 vor dem Landgericht Hamburg per Eilentscheidung eine einstweilige Verfügung und stoppte damit vorerst die Werbemaßnahmen in dem Internet. Bei einer Zuwiderhandlung droht der Deutschen Telekom die Verhängung eines Ordnungsgeldes in Höhe von 250.000,- €.

Stein des Anstoßes ist vor allem der Slogan „Preissenkungen um bis zu 75 Prozent„. Schließlich seien Citygespräche in dem Tarif T-Net Standard bisher in einem 4-Minuten-Takt abgerechnet worden, sodass auch für einminütige Telefonate der volle Preis eines vierminütigen Telefonats angefallen sei. In dem vergleichbaren neuen Tarif T-Net Call Plus gilt zukünftig eine 1-Minuten-Taktung, damit habe T-Com seine Taktung lediglich dem Standard angepasst, den andere Wettbewerber vorgeben. Ein objektiver Preisvergleich zwischen den beiden Tarifen sei aufgrund der veränderten Taktung nicht möglich. Zudem verschweige T-Com grundlegende Informationen wie eine Erhöhung der monatlichen Grundgebühr. Die ist in dem Verhältnis zu dem T-Net Standard-Tarif um 26 Cent gestiegen, jedoch beinhaltet der neue Tarif T-Net Call Plus vorher nicht enthaltene Leistungsmerkmale.

Ein weiterer Vorwurf des Telekommunikationsanbieters Tele2 ist die angeblich pauschale Behauptung, günstiger geworden zu sein. Diese führe zu einem verzerrten Bild und solle das tatsächliche Preisniveau verschleiern, das noch immer über dem Durchschnitt des Marktes liege. Durch die Nutzung eines Call-by-Call-Anbieters können Ortsgespräche für unter einem Cent pro Minute geführt werden, in den neuen T-Com-Tarifen fallen zwischen 3,9 und 1,5 Cent an. Ferngespräche per Call-by-Call kosten im günstigsten Fall ebenfalls nur etwa einen Cent pro Minute, T-Com berechnet zukünftig zwischen 4,9 und 2,6 Cent.

Die Deutsche Telekom operiere sogar mit falschen Zahlen, wirft Tele2 dem Bonner Unternehmen vor. Es werbe mit Tarifsenkungen, jedoch seien zum Beispiel die Preise für Gespräche in die Mobilfunk-Netze und in ausländische Festnetze gleich geblieben. Dem Verbraucher würde der Eindruck vermittelt, dass die Höhe der Einsparungen an ihm selbst liege, in dem Vergleich mit bisherigen T-Com-Tarifen sei es aber in vielen Fällen zu einschneidenden Verteuerungen gekommen.

Die Entscheidung des Landgerichts Hamburg kann angefochten werden. Gerüchten zufolge will die Deutsche Telekom die Werbekampagne nach der Änderung einiger Fußnoten fortführen, berichtet die Online-Ausgabe der FAZ.

Weitere Informationen

Anschluss und Tarife von T-Com
Call-by-Call im Festnetz

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