Verzögerte Anschlussbereitstellung – Arcor beantragt Missbrauchsverfahren gegen Dt. Telekom

Verzögerte Anschlussbereitstellung - Arcor beantragt Missbrauchsverfahren gegen Dt. Telekom

Die meisten Wettbewerber der Dt. Telekom sind auf die Dienste des Marktführers angewiesen, wenn sie ihren Kunden einen Telefonanschluss oder DSL-Anschluss zur Verfügung stellen möchten. Denn obwohl einige von ihnen über ein eigenes Netz verfügen, das letzte Stück Leitung von dem Verteiler vor dem Haus bis zu der Buchse im Wohnzimmer des Kunden gehört meistens der Dt. Telekom. Die ist Eigner der sogenannten `letzten Meile´, der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) und vermietet sie an ihre Wettbewerber, wenn die einen Anschluss bei dem Kunden schalten möchten. Beauftragt der Kunde also zum Beispiel einen DSL-Anschluss bei Arcor, kann Arcor zur Versorgung des Kunden seine Infrastruktur nutzen. Doch für die Bereitstellung des letzten Stücks Leitung zum Kunden muss Arcor die Dt. Telekom bemühen. Ohne das kann er seinem Kunden keinen DSL-Anschluss anbieten.

Eigentlich soll die Dt. Telekom die Bearbeitung der Anträge für die Bereitstellung einer TAL für die Kunden des Wettbewerbers innerhalb von fünf Tagen erledigt haben. Diese Frist ist zumindest vereinbart. Die Dt. Telekom habe die Zeitspanne jedoch dauerhaft überschritten, wirft Arcor dem Unternehmen nun vor. Seit Jahresanfang sei durchschnittlich jeder vierte Antrag auf Überlassung der Teilnehmeranschlussleitung 15 Tage lang unbearbeitet geblieben.

Entsprechen diese Angaben der Wahrheit, erhalten einige Kunden der Wettbewerber ihre Anschlüsse mit entsprechenden Verzögerungen. Jedoch wissen viele Kunden nichts von diesen internen Abläufen und machen den Wettbewerber, in diesem Beispiel Arcor, für die Verzögerung verantwortlich. Das hat für die Wettbewerber sogar manchmal zur Folge, dass die Kunden ihre Verträge mit ihnen wieder auflösen. Solche Vorfälle sind dem telespiegel aus seiner Beratungstätigkeit bekannt.

Arcor hat nun die Bundesnetzagentur eingeschaltet und ein Missbrauchsverfahren gegen die Dt. Telekom beantragt. Die Dt. Telekom habe die Freischaltung der `letzten Meile´ erheblich verzögert, klagte das Unternehmen. Auch der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) hatte der Dt. Telekom vor einigen Tagen vorgeworfen, dass Fremdkunden bis zu dreimal länger auf ihre Anschlüsse warten zu lassen als eigene Kunden. Auch werden Kundenanfragen der Wettbewerber nur an wenigen Stunden pro Woche bearbeitet, während es für die eigenen Kunden ausgeweitete Servicezeiten gebe (telespiegel-News vom 26.10.2007). Und auch werde in zunehmenden Maße an bestimmten Hauptverteilern keine Anschlüsse für die Kunden der Wettbewerber mehr freigegeben. Das Verhalten der Dt. Telekom führe zu einem Imageschaden der Wettbewerber. Die Sanierung der Dt. Telekom werde auf dem Rücken der Wettbewerber ausgetragen.

Die Bundesnetzagentur habe die Dt. Telekom um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen seines Wettbewerbers gebeten, sagte ein Sprecher der Behörde. Das Unternehmen wies diese, ebenso wie die des BREKO zurück. Die vertraglich begrenzte Anzahl für den Wettbewerber anzuschaltenden Anschlüsse werde eingehalten, allerdings halte sich nicht jeder Wettbewerber daran. Es seien sogar zusätzliche Mittel bereit gestellt worden. Es sei auch nicht im Interesse der Dt. Telekom, eigene oder Fremdkunden zu diskriminieren. Engpässe bei den Kapazitäten könne es theoretisch auch bei Kunden der Dt. Telekom geben. Der Vorwurf gegen die Dt. Telekom, ihre Wettbewerber absichtlich auszubremsen, um sie zu schädigen und selbst besser dazustehen, ist damit allerdings noch nicht vom Tisch.

Update vom 13.12.2007

Die Telefónica Deutschland GmbH kündigte an, ebenfalls einen Antrag auf Missbrauchsverfahren gegen die Dt. Telekom zu stellen. (siehe telespiegel-News vom 13.12.2007)

Weitere Informationen

DSL-Angebote
DSL-Wechsler-Angebote
DSL ohne Telefonanschluss
DSL-Neuanschluss ohne Einrichtungsgebühr
DSL-Flatrate

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
FRITZ!Box 7630 gestartet

FRITZ!Box 7630

Neuer Wi-Fi-7-Router für DSL startet

Wi-Fi 7 hält Einzug in die DSL-Welt: Die neue FRITZ!Box 7630 ist ab sofort erhältlich. Der kompakte Router bietet moderne Technik, sorgt aber wegen seines Preises für Diskussionen. Denn das leistungsstärkere Schwestermodell ist teilweise günstiger zu haben. […]

„Vinted“-Falle endet vor Gericht – Versicherung muss nicht zahlen

„Vinted“-Falle endet vor Gericht

Versicherung muss nicht zahlen

Eine Verkäuferin hat durch eine raffinierte Betrugsmasche auf „Vinted“ mehr als 1 900 Euro verloren. Sie forderte Ersatz von ihrer Versicherung. Ein Gericht hat jetzt allerdings entschieden, dass die Versicherung nicht für den entstandenen Schaden aufkommen muss. […]

Internetnutzung sinkt deutlich - Warum Menschen bewusster online sind

Internetnutzung sinkt erstmals deutlich

Warum viele Menschen bewusster online sind

Weniger Smartphone, weniger Social Media, weniger Zeit im Netz: Eine aktuelle Studie zeigt einen überraschenden Trend. Immer mehr Menschen reduzieren ihre Internetnutzung bewusst – und suchen nach mehr Konzentration, Ruhe und digitaler Balance im Alltag. […]

Neue Strom-Regeln ab Juni – Nachbarn dürfen ihre Energie teilen

Neue Strom-Regeln ab Juni

Nachbarn dürfen ihre Energie teilen

Eine Gesetzesänderung macht Energy Sharing in Deutschland möglich. Haushalte, Vereine und Unternehmen dürfen selbst erzeugten Strom künftig lokal teilen. Doch trotz großer Chancen gibt es noch offene Fragen bei der Umsetzung. […]