Whisper – Community des Geheimnisverrats

Willkommen bei den anonymen Geheimnisverrätern. So könnte das Motto für die App Whisper lauten. Denn über die Plattform kommunizieren Menschen anonym und offen miteinander. Es gibt keine Geheimnisse, denn genau die sollen hier ausposaunt werden. Unter dem Deckmantel der Anonymität finden sich in diversen Gruppen immer mehr Nutzer, um mal richtig loszupoltern.

Was ist die App Whisper?

Herausgeber der App ist die WhisperText Inc. in Santa Monica, USA. Unter der Webadresse whisper.sh bietet das Unternehmen die App sowie wichtige Browserfunktionen für den Service. Die Domainendung gehört eigentlich zur südatlantischen Insel St. Helena, ist aber als „sh“ im Sinne von „Pssst“ zu verstehen.

Die App ist Basis für eine Community, ein soziales Netzwerk. Der wesentliche Unterschied zu anderen Plattformen wie Facebook ist, dass hier jeder Nutzer anonym bleibt. Genau das ist Konzept der App. Denn über den Weg der Anonymität kommunizieren die User offen miteinander und geben selbst intimste Geheimnisse preis. Meistens findet dieser Austausch in geeigneten Gruppen statt. Unter „Love & Relationship“ verraten Nutzer ihre größten Sexgeheimnisse. Wer hier eine Gruppe für Voyeure erwartet, wird aber enttäuscht. Die Geheimnisse haben eher das Niveau von mäßigen Schlagzeilen verschiedener Boulevardmedien oder Männermagazine. Ähnlich geht es in thematisch völlig anderen Gruppen wie die der Kriegsveteranen oder Studenten zu. Zwischen viel Belanglosem gibt es aber immerhin ab und zu sinnvolle Statements oder gar Tipps.

Zum Teil ist dieses eher harmlose Geplänkel der amerikanischen Kultur geschuldet. Zum Teil zieht diese Machart aber auch andere Nutzer an. Spannend wird es allerdings, wenn sich Gleichgesinnte über „gemeinsame“ Erlebnisse austauschen können. Da sind Stewardessen, die kräftig über Passagiere herziehen, Hotelangestellte, die ihr Vorgehen gegen unliebsame Gäste erläutern, und Angestellte, die ihre Vorgesetzten lauthals diffamieren.

Unsicheres anonymes Ablästern unter Gleichgesinnten

All das funktioniert vor allem deshalb, weil Whisper anonym ist. Die Hürde für brisante oder zumindest brisant empfundene Äußerungen ist entsprechend niedrig. In Expertenkreisen gilt Whisper daher schon als nächstes ganz großes Ding in Sachen Social Media. In den Bewertungen bei Google Play und iTunes wimmelt es jedoch nur so von Kritik an den vielen, offenbar jungen US-Nutzern und einem entsprechendem Niveau.

Kritik gibt es aber auch an den App-Einstellungen. Zum einen ist das Programm ein richtiger Ressourcenfresser. Der Akku hält spürbar kürzer. Zum anderen gräbt sich die Whisper-App tief in das System ein und erlaubt vielen Bots den Besuch des Geräts und untergräbt damit ein Stück der Anonymität. Geheimnisse sind ein wertvolles Gut. Bei 30 Millionen aktiven Nutzern im Monat liegt hier eben der Schlüssel zum Geschäftsmodell des Herausgebers.

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