Fake-Flirts – Die Masche mit bezahlten Chat-Schreibern beim Onlinedating

Fake-Flirts – Die Masche mit bezahlten Chat-Schreibern beim Onlinedating

Endlich den perfekten Partner oder die perfekte Partnerin zu finden, ist der Wunsch von vielen. Immer mehr Menschen versuchen ihr Glück online zu finden. Hierfür steht ihnen eine nahezu unzählige Auswahl an verschiedenen Dating-Portalen zur Verfügung. Eine Reporterin des NDR-Rechercheformats STRG_F hat sich undercover bei zwei Singlebörsen als sogenannte Chat-Schreiberin eingeschleust.

Was sind professionelle Chat-Schreiber?

Die Chat-Schreiber werden als IKM-Schreiber bezeichnet. IKM steht für Internet-Kontaktmarkt. Ein solcher Schreiber ist jemand, der in Dating-Portalen in die Rolle einer virtuellen Identität schlüpft. Im Internet finden sich zahlreiche solcher Stellenangebote. Die professionellen Schreiber spielen nicht selten mit der Hoffnung der Nutzer, endlich die große Liebe zu finden.

Was steckt hinter der Masche?

Die Reporterin findet heraus, dass für jeden Nutzer des Portals ein eigenes Profil angelegt wird. Es handelt sich hierbei um ein detailliertes Protokoll darüber, was mit dem Nutzer bereits geschrieben wurde. Weiterhin sind alle möglichen Informationen wie der Verdienst, die sexuellen Vorlieben, mögliche Schicksalsschläge sowie persönliche Daten hinterlegt. Ist die Schicht eines Chat-Schreibers beendet, übernimmt ein anderer IKM-Schreiber den Chat, ohne, dass der betroffene Nutzer etwas davon merkt. Besonders perfid ist, dass der Dating-Portal-Nutzer die Informationen seinem Gegenüber im Vertrauen erzählt hat. Die persönlichen Angaben sind jedoch für alle Mitarbeiter der Singlebörse einsehbar. Zeitweise schreibt die Reporterin mit acht verschiedenen Nutzern gleichzeitig.

Was ist das Ziel der Masche?

Das Ziel ist es ein immer größeres Vertrauen zu dem Nutzer aufzubauen und diesen so lange wie möglich an die Singlebörse zu binden. So heißt es in den Schulungsunterlagen, die die Reporterin von einem Portal erhält: „In unseren Chats geht es darum, die Kunden lange bei Laune zu halten“. Das einzige Ziel der Masche ist es Geld zu verdienen. Denn obwohl die Anmeldung oftmals noch kostenlos ist, muss später für jede versendete Nachricht bezahlt werden. Bei einer Singlebörse, in die sich die Reporterin undercover eingeschleust hat, kostet ab der dritten Nachricht jede Nachricht einen Euro.

Die Erfahrungen der Reporterin

Von einer Singlebörse bekommt die Reporterin eine Ansage, dass es wichtig ist keinen Small Talk zu führen, sondern Wert auf persönliches Interesse, Leidenschaft, Witz und Esprit zu legen. Aus diesem Grund sollen interessante und offene Fragen gestellt werden, um den Kunden möglichst lange zu unterhalten. In den Schulungsunterlagen sind sogar Vorschläge für Fragen enthalten, die den Nutzern gestellt werden können. Es gibt auch eine Anleitung, wie sich der bezahlte Chat-Schreiber verhalten soll, wenn ein Kunde misstrauisch wird. Wichtig ist es, die direkte Frage zu umgehen, diese aber nicht konkret zu verneinen, sondern einen Witz darauf zu machen. Auch, wenn ein Kunde nach der Handynummer oder einem Treffen fragt, muss dieser mit Ausreden und Tricks hingehalten werden.

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Ist der Einsatz von professionellen Chat-Schreibern legal?

In den AGB der meisten Singlebörsen ist eine Klausel zu finden, in der darauf hingewiesen wird, dass Gespräche mit professionellen Chat-Partnern bereitgestellt werden. Diese werden als Bestandteil der Leistung des Dating-Portals bezeichnet. Die AGB werden jedoch kaum vollständig und aufmerksam durchgelesen, weshalb die meisten Nutzer sich nicht im Klaren darüber sind, dass sie möglicherweise mit einem Chat-Schreiber kommunizieren. Die meisten sind „(…) mehr von der Hoffnung getrieben als jetzt wirklich von der Vorsicht“, erklärt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern. Da die meisten Nutzer davon ausgehen, dass sie mit einem potenziellen Partner oder einer potenziellen Partnerin chatten, werden sie getäuscht und in die Irre geführt. Zu der Frage, ob das legal ist, hat Tatjana Halm eine klare Meinung: „(…) das ist keine rechtliche Grauzone mehr, das ist rechtswidrig“. Sie weist darüber hinaus darauf hin, dass nicht alles, was im Kleingedruckten steht, auch automatisch wirksam ist. Die Verbraucherzentrale Bayern hat 187 Dating-Portale identifiziert, bei denen professionelle Chat-Schreiber zum Einsatz kommen und dies auch in den AGB steht.

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