Mastercard – Ab 2023 werden keine neuen Maestro-Karten mehr ausgegeben

Mastercard – ab 2023 keine neuen Maestro-Karten mehr

Dreißig Jahre nach der Einführung, steht das Debitsystem von Mastercard in Europa vor dem Aus. Das US-Unternehmen gab bekannt, dass Sparkassen und Banken ab dem 1. Juli 2023 keine neuen Maestro-Karten mehr ausgeben. Der Grund hierfür ist der wachsende Trend zum E-Commerce.

Was steckt hinter der Maestro-Karte?

Im Jahr 1991 startete das US-Unternehmen Mastercard seine Debitkarten-Marke Maestro, die in fast ganz Europa akzeptiert wird. Kunden deutscher Banken und Sparkassen ist es mit dem Maestro-System möglich, auch im Ausland mit ihrer Girocard bargeldlos zu bezahlen oder Geld abzuheben, da es sich um ein internationales Zahlungsnetzwerk handelt. Wird in Deutschland Geld abgehoben oder bargeldlos bezahlt, läuft die Zahlungsabwicklung über das Girocard-System. Im Jahr 2007 wurde die Girocard eingeführt, der Vorgänger war die EC-Karte. Dieses Verfahren wird im Ausland allerdings nicht unterstützt. Daher befindet sich auf den meisten Girokarten ein Cobranding von Maestro oder auch des Konkurrenten V-Pay von Visa. Insgesamt gibt es deutschlandweit rund 100 Millionen Girokarten mit entsprechendem Cobranding. Die Verfügungssumme wird beim Maestro-System genau wie beim Girocard-System direkt von dem verknüpften Bankkonto abgebucht.

Weshalb wird die Maestro-Karte in den Ruhestand geschickt?

Grund für das Aus von Maestro ist der zunehmende Trend hin zu E-Commerce, also zu Kaufvorgängen, die online stattfinden. Das US-Unternehmen gibt an, dass im Vergleich zu vor 30 Jahren ein deutlich digitaleres Leben geführt wird. Nicht verwunderlich ist es daher, dass das Wachstum in Onlinehandel das Wachstum im Einzelhandel bedeutend übertrifft. Das alte Debitkartensystem soll nun einem moderneren System weichen. Denn ursprünglich seien die Maestro-Karten dafür konzipiert worden, um damit in der physischen Welt zu bezahlen. Aus diesem Grund eigne sich das Debitkartensystem nicht durchweg als Zahlungsmittel im digitalen Handel. Dass das Maestro-System nicht mehr ganz zeitgemäß ist, zeigt sich auch an den zurückgehenden Nutzerzahlen. Denn während vor fünf Jahren in Europa noch rund 650 Millionen entsprechende Karten im Umlauf waren, sind es nun nur noch 400 Millionen. Das US-Unternehmen Mastercard empfiehlt die Debit-Mastercard als Ersatz.

„Diese wird, genauso wie Ihre Maestro-Karte, mit Ihrem aktuellen Konto verknüpft sein und auch genauso funktionieren – nur mit deutlich mehr Funktionalitäten, um Ihr Einkaufs- und Reiseerlebnis problemlos zu gestalten“, so Mastercard-Managerin Valerie Nowak.

Müssen Kunden nun handeln?

Ab dem 1. Juli 2023 werden von den Banken und Sparkassen keine neuen Maestro-Karten ausgegeben. Karten, die auch über dieses Datum hinaus weiterhin gültig sind, werden auch noch bis zu ihrem Ablaufdatum unterstützt. Ist die Karte dann abgelaufen, müssen Bankkunden jedoch nichts tun. Die Sparkasse oder Bank schickt dem Kunden automatisch eine neue Debitkarte zu. Diese neue Debitkarte wird dann genauso mit dem entsprechenden Bankkonto verknüpft sein und gleich funktionieren. Es könnte allerdings passieren, dass einige Händler die Maestro-Karte in der Übergangsphase nicht mehr akzeptieren, sollte die Nutzerzahl zu klein werden. Alternativ steht den Verbrauchern zudem noch die Girocard mit dem V-Pay-System der Konkurrenz Visa zur Verfügung.

Ein Umbruch für die deutsche Kreditwirtschaft?

Die Abhängigkeit von den großen US-Unternehmen wie Visa oder Mastercard ist ein Problem in der deutschen Kreditwirtschaft. Um sich von den US-Riesen unabhängiger zu machen, haben sich im vergangenen Jahr Finanzinstitute aus sieben europäischen Ländern zur European Payments Initiative, kurz EPI, zusammengeschlossen. EPI soll in Konkurrenz zu den großen US-amerikanischen Konzernen treten und einen neuen europäischen Zahlungsstandard schaffen. Allerdings befindet sich die European Payments Initiative noch in ihrer Gründungsphase und soll erst in den Jahren 2025-2028 im Markt angekommen sei. Daher steht EPI nicht als kurzfristige Alternative zum Maestro-System zur Verfügung.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


vier × 5 =

Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
EuGH-Urteil – E-Mail Werbung nur mit Zustimmung des Nutzers

EuGH-Urteil

E-Mail Werbung nur mit Zustimmung des Nutzers

Der Europäische Gerichtshof hat festgelegt, dass Werbeanzeigen, die zwischen E-Mails im Posteingang geschaltet werden, nur dann zulässig sind, wenn zuvor eine ausdrückliche Zustimmung des Nutzers eingeholt wurde. Fehlt diese Einwilligung kann die Inbox-Werbung als „unerwünschtes Ansprechen“ eingestuft werden. […]

Digital Markets Act – EU begrenzt die Marktmacht von Online-Riesen

Digital Markets Act

EU begrenzt die Marktmacht von Online-Riesen

Mit dem Digital Markets Act will die EU die Marktmacht von Online-Giganten wie Facebook, Amazon, Google und Co. begrenzen. Hierdurch sollen zum einen die Verbraucherrechte gestärkt und zum anderen ein einheitlicher Rechtsrahmen für Online-Händler geschaffen werden. […]

Nebenkostenprivileg – BGH-Urteil: Mieter müssen sich bis 2024 gedulden

Nebenkostenprivileg

BGH-Urteil: Mieter müssen sich bis 2024 gedulden

Der Bundesgerichtshof hat heute klargemacht, dass die Gebühren für einen Kabelanschluss, der vom Vermieter zur Verfügung gestellt wird, bis 2024 weiterhin über die Nebenkosten abgerechnet werden darf. Geklagt hatte die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs gegen eine Wohnungsbaugesellschaft. […]