
Wer abhörsicher telefonieren möchte, muss nicht unbedingt ein teures Sicherheitshandy kaufen. Auch ein gewöhnliches Smartphone kann Telefongespräche durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vor dem Mithören durch Dritte schützen. Dafür werden spezielle Apps oder Messenger mit verschlüsselter Sprachübertragung verwendet.
Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen einem verschlüsselten Gespräch und einem vollständig abhörsicheren Handy. Während moderne Verschlüsselungsverfahren die Übertragung der Gesprächsinhalte wirksam schützen können, bleiben Sicherheitsrisiken durch Schadsoftware, manipulierte Smartphones oder unbefugten Zugriff auf das Gerät bestehen.
Was bedeutet abhörsicher telefonieren?
Beim abhörsicheren Telefonieren sollen Unbefugte daran gehindert werden, den Inhalt eines Telefongesprächs mitzuhören. Technisch wird dies insbesondere durch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (End-to-End Encryption, E2EE) erreicht. Die Sprachdaten werden bereits auf dem Smartphone des Anrufers verschlüsselt und erst auf dem Gerät des Gesprächspartners wieder entschlüsselt. Personen oder Systeme, die den Datenverkehr unterwegs abfangen, können daraus normalerweise keine verständlichen Gesprächsinhalte gewinnen.
Auch der Anbieter des Kommunikationsdienstes soll bei korrekt implementierter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung keinen Zugriff auf die unverschlüsselten Gesprächsinhalte besitzen. Allerdings schützt die Verschlüsselung nicht automatisch sämtliche Verbindungsdaten. Je nach Dienst können insbesondere Informationen über Verbindungszeitpunkte, IP-Adressen oder beteiligte Nutzer anfallen.
Handy abhörsicher machen: Welche Möglichkeiten gibt es?
Wer sein Handy abhörsicher machen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Für die meisten Privatnutzer ist eine App mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung die einfachste Lösung.
- Verschlüsselte Telefonie-Apps: Dienste wie Signal, Threema oder WhatsApp ermöglichen verschlüsselte Sprach- und Videoanrufe.
- Sichere Smartphones: Regelmäßige Sicherheitsupdates, eine sichere Bildschirmsperre und vertrauenswürdige Apps erschweren unbefugte Zugriffe.
- Spezielle Sicherheitshandys: Für besondere Sicherheitsanforderungen existieren Smartphones mit zusätzlichen Schutzmechanismen und speziell abgesicherter Kommunikation.
- Verschlüsselte Unternehmenskommunikation: Unternehmen und Behörden können spezielle Kommunikationssysteme einsetzen, die zusätzliche Anforderungen an Authentifizierung, Geräteverwaltung und Datenschutz erfüllen.
Wichtig ist, dass die gewählte Anwendung tatsächlich eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Sprachgespräche unterstützt. Eine verschlüsselte Internetverbindung allein bedeutet noch nicht, dass ein Telefonat durchgehend geschützt ist.
Welche Apps ermöglichen abhörsicheres Telefonieren?
Mehrere verbreitete Messenger bieten verschlüsselte Telefonate an. Sie unterscheiden sich insbesondere bei Datenschutz, Registrierung und zusätzlichen Sicherheitsfunktionen.
| App | Ende-zu-Ende-verschlüsselte Anrufe | Besonderheiten | Kosten |
|---|---|---|---|
| Signal | Ja, Sprach- und Videoanrufe | Open Source, Sicherheitsnummern zur Kontaktprüfung, datenschutzorientiert | Kostenlos |
| Threema | Ja, Sprach- und Videoanrufe | Nutzung ohne Angabe einer Telefonnummer möglich, Kontaktverifizierung | Kostenpflichtig |
| Ja, Sprach- und Videoanrufe | Weit verbreitet, einfache Bedienung, Telefonnummer für Registrierung erforderlich | Kostenlos | |
| FaceTime | Ja, Sprach- und Videoanrufe | In Apple-Geräte integriert, Kommunikation über den Apple-Dienst | Ohne zusätzliche App-Kosten |
Die Angaben beziehen sich auf reguläre Anrufe innerhalb der jeweiligen Anwendung. Ein herkömmlicher Anruf zu einer Mobilfunk- oder Festnetznummer ist dadurch nicht automatisch Ende-zu-Ende-verschlüsselt.
Signal: Verschlüsselt telefonieren mit einer kostenlosen App
Signal gehört zu den bekanntesten Anwendungen für vertrauliche Kommunikation. Der Messenger ermöglicht Ende-zu-Ende-verschlüsselte Nachrichten sowie Sprach- und Videoanrufe.
Ein besonderes Merkmal ist die Möglichkeit, die Identität eines Kontakts anhand von Sicherheitsnummern zu überprüfen. Damit lässt sich das Risiko verringern, dass ein Angreifer unbemerkt die Kommunikation zwischen zwei Gesprächspartnern manipuliert.
Signal ist kostenlos und verwendet öffentlich einsehbare Software. Für die Registrierung wird eine Telefonnummer benötigt. Die weitere Kommunikation kann über Signal-Nutzernamen erfolgen, ohne jedem Gesprächspartner die eigene Telefonnummer mitteilen zu müssen.
Weitere Informationen: Signal – offizielle Webseite.
Threema: Sicher telefonieren ohne Telefonnummer
Threema legt besonderen Wert auf Datenschutz und die sparsame Verwendung personenbezogener Informationen. Die Anwendung kann ohne Angabe einer Telefonnummer oder E-Mail-Adresse genutzt werden. Stattdessen erhält der Nutzer eine eigene Threema-ID.
Sprach- und Videoanrufe sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Kontakte können zusätzlich überprüft werden, um die Identität des Gesprächspartners abzusichern.
Threema ist insbesondere für Nutzer interessant, die ihre private Telefonnummer nicht mit jedem Kommunikationspartner teilen möchten.
Weitere Informationen: Threema – offizielle Webseite.
WhatsApp: Sind Telefonate abhörsicher?
Auch WhatsApp bietet Ende-zu-Ende-verschlüsselte Sprach- und Videoanrufe. Die Verschlüsselung ist bei regulären WhatsApp-Anrufen grundsätzlich aktiviert und muss nicht gesondert eingeschaltet werden.
Der Vorteil liegt in der großen Verbreitung. Viele Nutzer können mit ihren bestehenden Kontakten telefonieren, ohne eine zusätzliche Anwendung installieren zu müssen.
Bei der Bewertung des Datenschutzes muss jedoch zwischen den verschlüsselten Gesprächsinhalten und weiteren Daten unterschieden werden, die im Rahmen der Nutzung verarbeitet werden können. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verhindert nicht grundsätzlich die Verarbeitung von Metadaten.
Weitere Informationen: WhatsApp – Sprach- und Videoanrufe.
FaceTime: verschlüsselte Telefonate auf Apple-Geräten
Apple bietet mit FaceTime eine integrierte Möglichkeit für verschlüsselte Sprach- und Videoanrufe. Die Gesprächsinhalte werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. FaceTime ist vor allem für Nutzer von iPhone, iPad und Mac interessant. Über unterstützte Einladungslinks können unter bestimmten Voraussetzungen auch Nutzer anderer Betriebssysteme an einem FaceTime-Gespräch teilnehmen.
Wie kann ich mein Smartphone gegen Abhören schützen?
Eine verschlüsselte Telefonie-App ist nur ein Teil des Sicherheitskonzepts. Wer sein Smartphone möglichst gut gegen Abhörversuche absichern möchte, sollte zusätzlich einige grundlegende Maßnahmen beachten.
- System aktuell halten: Sicherheitsupdates für Android oder iOS zeitnah installieren.
- Apps regelmäßig aktualisieren: Sicherheitslücken in veralteten Anwendungen können Angriffe erleichtern.
- Apps aus vertrauenswürdigen Quellen installieren: Unbekannte Installationsdateien und zweifelhafte App-Angebote vermeiden.
- Bildschirmsperre verwenden: Eine ausreichend starke PIN oder ein langes Passwort schützt vor unbefugtem Zugriff.
- App-Berechtigungen kontrollieren: Mikrofon-, Kamera- und andere Berechtigungen nur Anwendungen erteilen, die diese tatsächlich benötigen.
- Kontakte verifizieren: Bei besonders vertraulichen Gesprächen angebotene Sicherheitsnummern oder vergleichbare Verfahren zur Identitätsprüfung verwenden.
- Gerätezugriff begrenzen: Smartphones nicht entsperrt weitergeben und auf Anzeichen unbekannter Software achten.
- Keine unbekannten Links öffnen: Schadsoftware kann über manipulierte Webseiten, Nachrichten oder Anwendungen verbreitet werden.
Weitere Hinweise finden sich im telespiegel-Ratgeber zur Sicherheit im Internet. Geht ein Smartphone verloren, sind außerdem die Maßnahmen bei einem verlorenen oder gestohlenen Handy wichtig.
Kann man normale Handygespräche abhören?
Gewöhnliche Mobilfunkgespräche werden über das Netz des Mobilfunkanbieters übertragen. Moderne Mobilfunkstandards verwenden Verschlüsselungsverfahren zum Schutz der Funkverbindung. Diese sind jedoch nicht mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen den beiden Gesprächspartnern gleichzusetzen. Die Verschlüsselung einer Mobilfunkverbindung schützt insbesondere den jeweiligen Übertragungsabschnitt. Innerhalb der beteiligten Netzinfrastruktur werden Sprachdaten gegebenenfalls verarbeitet oder in andere Netze weitergeleitet. Technisch und rechtlich ist daher zwischen dem Schutz vor unbefugtem Mithören und einer gesetzlich vorgesehenen Telekommunikationsüberwachung zu unterscheiden.
Wer auch gegenüber beteiligten Netzbetreibern einen zusätzlichen Schutz der Gesprächsinhalte erreichen möchte, sollte für vertrauliche Telefonate einen Dienst mit überprüfbarer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verwenden.
Ist Telefonieren über WLAN automatisch abhörsicher?
Nein. Eine WLAN-Verbindung allein garantiert keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eines Telefongesprächs. Auch beim sogenannten WiFi-Calling werden herkömmliche Mobilfunkgespräche über einen WLAN-Internetzugang zum Mobilfunkanbieter übertragen. Dabei kommen zwar Sicherheitsmechanismen zur Absicherung der Verbindung zum Mobilfunknetz zum Einsatz. Eine durchgehende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen den Gesprächspartnern ist damit jedoch nicht automatisch gegeben. Anders sieht es bei einer App wie Signal aus. Hier erfolgt die Verschlüsselung der Gesprächsinhalte, unabhängig davon, ob das Smartphone über WLAN, LTE oder 5G mit dem Internet verbunden ist.
Mehr über die Unterschiede erklärt der Ratgeber WiFi Calling: Telefonieren über WLAN.
Kann man auch über das Festnetz abhörsicher telefonieren?
Auch im Festnetz ist verschlüsselte Sprachkommunikation grundsätzlich möglich. Ein gewöhnliches Telefonat über einen Festnetzanschluss bietet jedoch normalerweise keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen den Endgeräten. Wer vertrauliche Gespräche führen möchte, kann stattdessen einen Computer oder ein geeignetes Smartphone mit einer verschlüsselten Kommunikationsanwendung verwenden. Voraussetzung ist, dass beide Gesprächspartner denselben beziehungsweise einen kompatiblen sicheren Dienst nutzen.
Für Unternehmen kommen außerdem speziell abgesicherte Systeme für die IP-Telefonie infrage. Dabei muss geprüft werden, welche Übertragungsabschnitte tatsächlich verschlüsselt werden und ob die Gesprächsinhalte auf zwischengeschalteten Servern entschlüsselt werden können.
Sind Satellitentelefone abhörsicher?
Ein Satellitentelefon ist nicht automatisch abhörsicher. Die Übertragung über einen Satelliten bedeutet lediglich, dass ein anderer Kommunikationsweg verwendet wird. Auch Satellitenkommunikation benötigt geeignete Verschlüsselungsverfahren. Bei einigen älteren Satellitenfunksystemen wurden in der Vergangenheit Sicherheitslücken nachgewiesen. Für den Schutz vertraulicher Gespräche kommt es deshalb auf das jeweilige Gerät, das Satellitennetz und die eingesetzten Verschlüsselungsverfahren an.
Weitere Informationen bietet unser Ratgeber Satellitentelefon: Funktion, Anbieter und Sicherheit.
Welche Grenzen hat ein abhörsicheres Handy?
Eine hundertprozentige Abhörsicherheit lässt sich bei einem Smartphone nicht garantieren. Selbst eine sehr gute Verschlüsselung schützt nicht vor jeder Form der Überwachung.
Besonders wichtig sind folgende Einschränkungen:
- Schadsoftware: Ist ein Smartphone kompromittiert, können Gesprächsinhalte unter Umständen bereits vor der Verschlüsselung oder nach der Entschlüsselung abgegriffen werden.
- Unsichere Endgeräte: Ein Angreifer mit Zugriff auf ein entsperrtes Smartphone kann Nachrichten lesen oder andere Informationen einsehen.
- Gesprächspartner: Der andere Teilnehmer kann ein Gespräch beispielsweise mit einem zweiten Gerät aufzeichnen.
- Metadaten: Auch bei verschlüsselter Kommunikation können bestimmte Verbindungsinformationen sichtbar bleiben.
- Identitätstäuschung: Verschlüsselung allein verhindert nicht, dass sich jemand als eine andere Person ausgibt.
Bei besonders vertraulichen Gesprächen sollten daher sowohl die eingesetzte App als auch die Sicherheit beider Geräte berücksichtigt werden.
Ein weiteres Sicherheitsproblem ist das sogenannte Call-ID-Spoofing. Dabei täuschen Anrufer eine fremde Telefonnummer vor. Eine angezeigte Rufnummer ist daher kein verlässlicher Identitätsnachweis.
Häufige Fragen zum abhörsicheren Telefonieren
Wie kann ich mein Handy abhörsicher machen?
Für vertrauliche Telefonate sollte eine App mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wie Signal oder Threema verwendet werden. Zusätzlich sind regelmäßige Sicherheitsupdates, sichere Gerätesperren und ein sorgfältiger Umgang mit App-Berechtigungen wichtig. Eine vollständige Abhörsicherheit lässt sich dadurch allerdings nicht garantieren.
Welche App eignet sich zum abhörsicheren Telefonieren?
Signal, Threema, WhatsApp und FaceTime bieten Ende-zu-Ende-verschlüsselte Sprach- und Videoanrufe. Signal ist eine kostenlose und datenschutzorientierte Lösung. Threema ermöglicht die Nutzung ohne Angabe einer Telefonnummer. WhatsApp zeichnet sich vor allem durch seine weite Verbreitung aus.
Kann ich mit einem normalen Smartphone verschlüsselt telefonieren?
Ja. Ein gewöhnliches Android-Smartphone oder iPhone reicht grundsätzlich aus. Benötigt wird eine geeignete App, die Ende-zu-Ende-verschlüsselte Telefonate unterstützt. Auch der Gesprächspartner muss über einen kompatiblen Zugang verfügen.
Ist ein iPhone abhörsicherer als ein Android-Handy?
Eine pauschale Aussage ist nicht möglich. Beide Plattformen bieten verschiedene Sicherheitsmechanismen. Für den tatsächlichen Schutz sind insbesondere der Update-Stand, die Gerätekonfiguration, die installierten Apps und die verwendete Verschlüsselung entscheidend.
Kann die Polizei verschlüsselte Telefonate abhören?
Eine korrekt implementierte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erschwert das Mithören während der Übertragung erheblich. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Überwachung unter allen Umständen technisch ausgeschlossen ist. Unter bestimmten rechtlichen Voraussetzungen können Behörden andere Ermittlungsmaßnahmen einsetzen, etwa den Zugriff auf Kommunikationsinhalte an einem Endgerät.
Kann man mit einem abhörsicheren Handy normale Telefonnummern anrufen?
Ein normales Gespräch zu einer Mobilfunk- oder Festnetznummer ist nicht allein deshalb Ende-zu-Ende-verschlüsselt, weil auf dem Smartphone eine sichere Telefonie-App installiert ist. Für eine durchgehend verschlüsselte Verbindung müssen beide Seiten einen entsprechend abgesicherten Kommunikationsdienst verwenden.
Kann mein Handy auch im ausgeschalteten Zustand abgehört werden?
Ein tatsächlich vollständig ausgeschaltetes Smartphone kann normalerweise keine laufenden Gespräche übertragen. Allerdings muss zwischen einem vollständigen Ausschalten, dem Stand-by-Betrieb und gerätespezifischen Funktionen unterschieden werden, die auch nach dem Ausschalten noch eingeschränkt aktiv sein können. Wer einen konkreten Verdacht auf eine Manipulation hat, sollte das Gerät fachkundig überprüfen lassen.
Für die meisten Nutzer sind Signal, Threema oder vergleichbare Anwendungen eine praktikable Lösung. Entscheidend bleibt jedoch, dass auch die verwendeten Smartphones ausreichend gegen unbefugten Zugriff geschützt sind. Eine verschlüsselte Verbindung allein macht ein Handy weiterhin nicht vollständig abhörsicher.