Türkei sperrt Twitter – Tweets per SMS möglich

Türkei sperrt Twitter - Tweets per SMS möglich

Twitter-User in der Türkei sind erbost. Premierminister Erdogan hat die Webseite von Twitter gesperrt. Der Dienst ist in dem Land auf normalen Weg seit heute Nacht nicht mehr erreichbar. Offiziell begründet der Regierungschef dies mit dem Schutz der Privatsphäre. Basis ist ein Gesetz, das es der Regierung ermöglicht, Internetdienste ohne Gerichtsbeschluss sperren zu lassen. Gegen Erdogan gibt es aber auch immer wieder den Vorwurfe, er würde aus persönlichen Gründen gegen den Dienst vorgehen. Denn dort sind angeblich echte Ausschnitte aus Telefongesprächen von ihm zu finden, die den Verdacht der Korruption nahe legen könnten.

Der türkische Staatspräsident Gül hat auf eine ungewöhnliche Art gegen die Sperre protestiert. Er bekundet sein ausdrückliches Missfallen per Tweet über Twitter und nannte den Bann inakzeptabel. Der Staatspräsident hat damit überraschend scharf Stellung bezogen und zugleich gezeigt, dass die Sperre technisch nicht ausgereift ist. Denn wer sich in der Türkei befindet und weiter twittern möchte, hat Alternativen zur Webseite: Tweets per SMS und den Einsatz eines anderen DNS-Servers.

Twitter selbst bietet Tweets per SMS schon seit Langem an. Wer seine Mobilfunknummer in seinem Account hinterlegt hat, kann eine SMS direkt in sein Profil schicken. Für die Nutzer in der Türkei geht es aber auch ohne hinterlegte Mobilfunknummer. Eine Anleitung findet sich auf der Twitter-Webseite. Die türkischen Nutzer können eine Freischaltung per SMS bekommen. Dazu senden sie im Netz von Avea und Vodafone den Text „START„ an die Nummer 2444. Im Netz von Turkcell senden sie „START„ an 2555. Anschließend bestätigt Twitter die Anmeldung und fragt erst den vollen Namen und dann den Accountnamen ab. Anschließend sind die Tweets per SMS freigeschaltet.

Noch einfacher geht es mit einer Änderung des DNS-Eintrags des Browsers auf einem Computer. Diese lassen sich in der Regel unter Einstellungen oder Interneteinstellungen finden. Dort kann jeder Nutzer einen ausländischen Server wie zum Beispiel einen von Google eintragen (u. a. IP 8.8.8.8 oder 8.8.4.4). Der Server liefert dann die internationale Twitterseite. Der Nutzer kann dann wieder ganz normal Tweets lesen und schreiben.

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