Adblock Plus – Werbeblocker verkauft Werbung

Adblock Plus - Werbeblocker verkauft Werbung

Es klingt wie ein ganz schlechter Gag aus der digitalen Mottenkiste. Und doch ist es wahr. Der Betreiber des Werbeblockers Adblock Plus, die Eyeo GmbH, verkauft nun Werbung. Nutzer von Adblock Plus bekommen damit zukünftig „akzeptable Werbung“ angezeigt. Und zwar auch dann, wenn sie den Werbefilter aktiviert haben. Wäre das nicht schon verrückt genug, fordert der Betreiber von seinen Werbepartnern auch noch einen Anteil an den Erlösen. Damit wird aus dem Werbeblocker endgültig ein Tool, das seinen eigentlichen Zweck ins Gegenteil verkehrt. Es ist der Versuch, sowohl Nutzer als auch Werbepartner durch ein ausgeklügeltes Geschäftsmodell zu übervorteilen.

Adblock Plus – so funktioniert das perfide System

Adblock Plus sollen rund 100 Millionen Nutzer auf ihren Geräten installiert haben. Bisher ist es so, dass diese keine Werbung sehen. Eine Ausnahme ist die zu explizit zu aktivierende „Whitelist“ bzw. Positivliste. Damit werden Werbemittel eingeblendet, die durch die Community als akzeptable eingeordnet sind. Die Eyeo GmbH lässt sich schon jetzt angeblich einen Platz auf dieser Liste teuer bezahlen.

Zukünftig gibt es wichtige Änderungen. So bekommen die Nutzer die akzeptable Werbung in der Basiseinstellung eingeblendet. Da nach eigenen Aussagen des Anbieters ca. 90 Prozent der Nutzer nur die Basiseinstellung nutzen, wird Adblock Plus zu einem regelrechten Werbeeinblendungstool. Der Werbeblocker ist kein Blocker mehr. Sogar schlimmer: Es handelt sich um einen Filter, der die auf der Webseite eigentlich eingeblendete Werbung ausblendet oder dafür andere Werbung aus dem eigenen Netzwerk einblendet. Damit können Webseitenbetreiber nur dann verdienen, wenn sie einen schmutzigen Deal mit dem Adblocker-Netzwerk abschließen. Dieser bringt ihnen dann statt 100 Prozent ihrer vom Tool verhinderten Einnahmen nur noch 80 Prozent. Der Rest geht an die Eyeo GmbH und ihre Partner. Erforderlich ist dabei ein Codeschnipsel, der auf der Webseite eingebaut wird. Ohne diesen gehen die Webmaster leer aus. Ihre Anzeigen werden weiter geblockt.

Damit spielt sich Adblock Plus als Wächter der erlaubten Anzeigen auf einer Webseite auf. Der Webmaster kann nicht mehr selbst bestimmen, wie er seine Arbeit monetarisiert. Er hat nur die Wahl zwischen geblockter Werbung durch Adblock Plus oder einer Beteiligung des Betreibers. In anderen Geschäftsfeldern würde man das Verhalten der Eyeo GmbH vermutlich Erpressung oder Wegelagerei nennen. Bei der großen Nutzerzahl wartet auf diese durch dieses Modell ein Millionengeschäft.

Nutzer machen sich mitschuldig

Spätestens jetzt sollten Nutzer aufwachen. Sie verhindern mit dem Einsatz von Werbeblockern ohnehin, dass Webmaster der von ihnen besuchten Seiten ihre Arbeit durch das von diesen gewählte Ertragsmodell refinanzieren können. Indem die Nutzer aber ein Tool wie Adblock Plus unterstützen, verhelfen Sie ausgerechnet einem Werbenetzwerk mit einem extrem umstrittenen Geschäftsmodell zu Einnahmen – auf Kosten der von ihnen besuchten Webseiten. Dabei gibt es eine ganz einfache Alternative, um ungewünschte Werbung zu umgehen: Von diesen Seiten wegbleiben! Das schädigt nicht den Webmaster und schützt vor subjektiv als nicht akzeptable empfundener Werbung.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
KI-Phone – Telekom präsentiert Smartphone-Konzept ganz ohne Apps

KI-Phone

Telekom präsentiert Smartphone-Konzept ganz ohne Apps

Smartphones ohne Apps könnten die Zukunft sein. Auf der weltweit größten Mobilfunkmesse stellte die Telekom jetzt ein KI-Telefonkonzept vor, das über einen KI-Copiloten verfügt. Der sogenannte „magenta Concierge“ kann Befehle App-übergreifend ausführen, wodurch keine verschiedenen Apps mehr notwendig wären. […]

Digitale Medizin: Sind Patienten bereit für den Online-Termin beim Zahnarzt?

Digitale Medizin

Sind Patienten bereit für den Online-Termin beim Zahnarzt?

Die Digitalisierung in der Medizin kann ein sensibles Thema sein, insbesondere wenn Patienten unmittelbar von den Veränderungen betroffen sind. Anstelle des traditionellen Zahnarztbesuchs wird zunehmend die Videosprechstunde eingeführt. Doch stellt sich die Frage, ob Patienten schon bereit sind für den Online-Termin beim Arzt. […]

Digital Services Act – EU-Regelwerk nun vollständig in Kraft getreten

Digital Services Act

EU-Regelwerk nun vollständig in Kraft getreten

Seit wenigen Tagen ist der Digital Services Act vollständig rechtsverbindlich geworden. Das bedeutet, dass jetzt auch „kleinere“ Onlinedienste wie eBay, Vinted, Kleinanzeigen und Co. dem EU-Regelwerk unterliegen. Ziel ist es, innerhalb der Europäischen Union ein sichereres Online-Umfeld zu schaffen. […]