Verbot – Telekom muss Stream On zwingend nachbessern

Netzverfügbarkeit

Erst vor wenigen Wochen hatte die Bundesnetzagentur einzelne Vertragsbestandteile der Telekom-Tarife mit Stream On bemängelt. Das Unternehmen hatte Zeit zur Umsetzung, kam dem aber nicht ausreichend nach. Daher hat die Behörde einzelne Teilbereiche der Mobilfunktarife nun verboten. Bis 31. März 2018 hat die Telekom nun Zeit, die Tarife nach Vorgaben der Bundesnetzagentur zu ändern. Ansonsten droht ein größeres Zwangsgeld.

Die noch nicht rechtskräftige Entscheidung ist vor der Hintergrund der Netzneutralität getroffen. Diese ist von der Europäischen Union garantiert und darf nur in sehr eng ausgelegten Ausnahmen umgangen werden. Nach Meinung von Experten verstoßen die Telekom-Tarife mit Stream On gegen die Netzneutralität. Denn die Kunden können einige Streaming-Dienste nutzen, ohne dass der Datenverbrauch dabei auf das im Vertrag beinhaltete Datenvolumen angerechnet wird. Es gibt also eine Bevorzugung. Die Bundesnetzagentur hatte im Oktober die Kritik weitgehend zurückgewiesen, jedoch einzelne Bereiche der Vertragsgestaltung bemängelt.

Bundesnetzagentur bemängelt drei Aspekte bei Stream On

Stream On widerspricht nach Auffassung der Wettbewerbshüter in drei wichtigen Punkten der Netzneutralität. Diese Punkte sind:

  • Anrechnung der bei Stream on freien Datentransfers, wenn sich der Kunde im EU-Ausland aufhält,
  • Drosselung der Videoqualität bei Angeboten über Stream On,
  • private Streaming-Anbieter und Anbieter mit zusätzlichen Downloadangebot sind bei Stream On ausgesperrt.

Die Telekom hat inzwischen den Zugang für Partner zu Stream On geändert, sodass der dritte Punkt ab März 2018 nicht mehr zutrifft. Das Verbot der anderen beiden Punkte ist jedoch für die Telekom ein Schlag. Denn zukünftig müssen die eingeschlossenen freien Streamings nach dem „Roam-like-at-Home-Prinzip“ auch im EU-Ausland ohne Anrechnung auf das Datenvolumen bleiben. Das bedeutet für die Telekom Mehrkosten durch Roaming-Vereinbarungen mit anderen Netzbetreibern.

Zugleich muss die Telekom die bisher absichtlich reduzierte Streaming-Qualität bei Videos aufheben. Bisher war bei Stream On die Videoqualität auf das SD-Format heruntergerechnet, während andere Angebote in normaler Qualität abrufbar waren. Kunden müssen die Dienste zukünftig in der bestmöglichen verfügbaren Qualität in Anspruch nehmen können – wie alle anderen Angebote auch. Dieser Punkt wiegt besonders schwer, da der Datentransfer im Telekomnetz so tendenziell wächst. Die Bundesnetzagentur sieht jedoch einen klaren Verstoß gegen Netzneutralität durch die bisher fehlende Gleichberechtigung der Dienste im Sinne der gelieferten Qualität bzw. bereitgestellten Bandbreite.

Ausgehend von einem Bestand der Entscheidung muss die Telekom die Änderungen in den nächsten Wochen umsetzen. Ob das zu einer kurzfristigen Tarifsteigerung bei Stream On führt, bleibt abzuwarten. Die internen Kosten dürften jedoch steigen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


9 + 5 =

Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
urteile-internet

Urteil – Posten von Fotos einer Ausstellung in Facebook-Gruppe

Ein Facebook-Nutzer nahm Fotos von Exponaten einer Ausstellung auf und postete sie in einer geschlossenen Facebook-Gruppe. Die Exponate seinen Teil eines Sammelwerkes und die Fotos der Öffentlichkeit zugänglich gemacht word... mehr
Telekom Speedbox

Die neue Speedbox – Mobiler Hotspot der Telekom

Die neue Speedbox ist ein mobiler Hotspot der Telekom, den es mit zwei unterschiedlichen Tarifen gibt. Sie bietet Kunden LTE-Geschwindigkeiten und den Anschluss von Endgeräten per LAN oder WLAN. Die Akkulaufzeit beträgt bis... mehr
geld

Verbotene Internet-Casinos – Deutsche Banken verdienen mit

Online-Casinos sind in Deutschland illegal. Doch die Betreiber argumentieren, das Verbot verstoße gegen EU-Recht. Dass dies nicht so ist, ist in einem Urteil nachzulesen. Doch die Behörden setzen das Verbot nicht ausreichen... mehr
Bundeskartellamt

Facebook – Bundeskartellamt beschränkt Datenzusammenführung

Das Bundeskartellamt hat Facebook eine Zusammenführung der Nutzerdaten aus seinen Diensten und Webseiten Dritter verboten. Erst wenn der Nutzer dem explizit zustimmt, dürfen die Daten miteinander zu einem Datensatz verfloch... mehr
Bitcoin

Gründer von Kryptogeldbörse tot – Kein Passwort für Kundenguthaben

Es wurde der plötzliche Tod des 30-jährigen Gründers der Kryptogeldbörse Quadriga CX gemeldet. Es heißt, er habe als einziger das Passwort, den Private Key, für den Bereich gekannt, in dem die Kundengelder liegen. Nun s... mehr
o2 my All in One XL

o2 my All in One XL – Neuer Tarif für Mobilfunk und Festnetz

Das neue Tarifpaket o2 my All in One XL beinhaltet, ebenso wie der seit längerem erhältliche o2 my All in One, einen Daten- und Telefonietarif für das Smartphone und am DSL-Anschluss. Der Unterschied liegt im Preis und der... mehr