Statt Geld nur Werbung – Marktwächter warnen vor Micro-Job-Apps

Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Mit dem Smartphone oder Tablet leicht Geld verdienen – damit werben Micro-Job-Apps, wie beispielsweise die App „Goldesel“. Doch dieses Versprechen wird offensichtlich nicht immer eingelöst, wie das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz auf der Basis einer Verbraucherbeschwerde und einer eigenen Überprüfung festgestellt hat. Statt der versprochenen Geldbeträge erhalten Verbraucher nach der Registrierung Werbeanrufe und tausende Spam-Mails innerhalb kürzester Zeit.

Das Angebot klingt verlockend: Durch Teilnahme an Umfragen, Herunterladen von Apps und Anschauen von Werbung werden in Micro-Job-Apps Punkte gesammelt und später in Gutscheine oder Gutschriften umgewandelt. Doch Beschwerden im Frühwarnnetzwerk der Verbraucherzentralen zeigen: Nicht alle Micro-Job-Apps scheinen seriös zu sein. Vor diesem Hintergrund haben die Marktwächter-Experten der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz drei Micro-Job-Apps auf den Prüfstand gestellt:

  • Goldesel
  • Cash Pirate
  • Gift Wallet

Alle drei Apps wurden jeweils mehr als eine Million Mal im Google Play Store heruntergeladen.

Punkte sammeln ist mit groẞem Zeitaufwand verbunden

Die Überprüfung zeigte, dass das Sammeln von genügend Punkten für einen Gutschein oder eine Gutschrift sehr zeitaufwendig ist. So sind bei der App „Goldesel“ mindestens 5.000 Punkte für eine Auszahlung von fünf Euro notwendig. Die meisten Aufgaben bringen jedoch nur Punkte im ein- oder zweistelligen Bereich. Für das Herunterladen einer vorgegebenen App beispielsweise bekommen Nutzer oft nur etwa 30 Punkte. Hinzukommt, dass die Punkte für durchgeführte Aufgaben nicht immer gutgeschrieben wurden – die Gründe dafür bleiben für Verbraucher unklar.

Ähnlich ist es auch bei den anderen beiden überprüften Micro-Job-Apps „Cash Pirate“ und „Gift Wallet“: Hier ist das Sammeln der Punkte sogar noch mühsamer. Im Testzeitraum von mehreren Wochen war es nicht möglich auf eine Punktzahl zu kommen, mit der man einen Gutschein hätte einlösen können.

Verdiente Punkte werden nicht ausgezahlt

Der Betreiber der App „Goldesel“ zahlt die verdienten Punkte nicht aus: Dies bestätigte sich in der Überprüfung durch das Marktwächter-Team. Im Mai 2019 beantragte das Team einen Fünf-Euro-Gutschein. Doch selbst nach mehreren Monaten Wartezeit blieb der Gutschein aus. Auf Nachfrage antwortete der Kundenservice von „Goldesel“, dass die Zustellung eines Gutscheins einige Zeit in Anspruch nehmen könne – alle weiteren Anfragen blieben bis heute unbeantwortet. Dies ist offenbar kein Einzelfall: Die negativen Kommentare im Google Play Store lassen vermuten, dass andere Nutzer bereits ähnliche Erfahrungen gesammelt haben.

Daten der Verbraucher für aggressive Werbung genutzt

Für viele Aufgaben bei der Nutzung der Apps müssen Nutzer ihre Daten preisgeben. So sind E-Mail-Adresse und Telefonnummer oftmals Pflichtangaben. Bereits kurz nach der Teilnahme an Gewinnspielen oder Umfragen in der „Goldesel“-App erhielt das Marktwächter-Team aggressive Werbeanrufe. Außerdem liefen innerhalb von vier Wochen über 10.000 Werbemails in einem einzigen E-Mail-Konto auf, das eigens dafür eingerichtet worden war.

Dazu sagt Manfred Schwarzenberg, Teamleiter Marktwächter Digitale Welt der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz:

„Die Werbemails kommen von E-Mail-Marketing-Firmen, denen die Verbraucher keine Einwilligung in die Nutzung ihrer Daten gegeben haben. Denn eine Datenweitergabe an Werbepartner ist ohne aktive Einwilligung des Verbrauchers unzulässig. Auch wenn in den Datenschutzerklärungen etwas anderes stehen sollte.“

Vorsicht vor dubiosen micro-job-Apps

„Wer mit Micro-Job-Apps Geld oder Gutscheine verdienen will, sollte sich vorher gut informieren, ob die Apps seriös sind oder nicht“, warnt Schwarzenberg. Ein guter Hinweis darauf können die kritischen Kommentare und Bewertungen von anderen Nutzern in den App-Shops sein. Ansonsten riskieren Verbraucher, dass ihre persönlichen Daten bei Firmen landen, die diese für Werbezwecke missbrauchen.

Verbraucher, die ebenfalls negative Erfahrungen mit Micro-Job-Apps gemacht haben, können ihre Beschwerden über dieses Beschwerdeformular den Marktwächtern melden.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
„Vinted“-Falle endet vor Gericht – Versicherung muss nicht zahlen

„Vinted“-Falle endet vor Gericht

Versicherung muss nicht zahlen

Eine Verkäuferin hat durch eine raffinierte Betrugsmasche auf „Vinted“ mehr als 1 900 Euro verloren. Sie forderte Ersatz von ihrer Versicherung. Ein Gericht hat jetzt allerdings entschieden, dass die Versicherung nicht für den entstandenen Schaden aufkommen muss. […]

Internetnutzung sinkt deutlich - Warum Menschen bewusster online sind

Internetnutzung sinkt erstmals deutlich

Warum viele Menschen bewusster online sind

Weniger Smartphone, weniger Social Media, weniger Zeit im Netz: Eine aktuelle Studie zeigt einen überraschenden Trend. Immer mehr Menschen reduzieren ihre Internetnutzung bewusst – und suchen nach mehr Konzentration, Ruhe und digitaler Balance im Alltag. […]

Neue Strom-Regeln ab Juni – Nachbarn dürfen ihre Energie teilen

Neue Strom-Regeln ab Juni

Nachbarn dürfen ihre Energie teilen

Eine Gesetzesänderung macht Energy Sharing in Deutschland möglich. Haushalte, Vereine und Unternehmen dürfen selbst erzeugten Strom künftig lokal teilen. Doch trotz großer Chancen gibt es noch offene Fragen bei der Umsetzung. […]

Messenger-Betrug 2026: KI macht WhatsApp- und SMS-Betrug gefährlicher

Messenger-Betrug 2026

KI macht WhatsApp- und SMS-Betrug gefährlicher

Eine aktuelle Kaspersky-Studie zeigt: Betrüger verlagern ihre Angriffe immer stärker auf WhatsApp, Telegram und andere Messenger. Künstliche Intelligenz macht die Nachrichten dabei täuschend echt – mit teils erheblichen finanziellen Folgen für die Opfer. […]

Silent Calls

Silent Calls

Warum stumme Anrufe ein Warnsignal sein können

Das Telefon klingelt, doch am anderen Ende meldet sich niemand. Was wie ein harmloser Fehlanruf wirkt, kann Teil einer professionellen Betrugsmasche sein. Kriminelle nutzen sogenannte Silent Calls, um aktive Telefonnummern zu identifizieren und gezielt für spätere Betrugsversuche auszuwählen. […]