Call-Center-Betrug – Polizei gelingt Schlag gegen kriminelles Netzwerk

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Nach knapp einem Jahr intensiver Ermittlungsarbeit der Polizei Osnabrück und Koblenz in enger Zusammenarbeit mit türkischen Sicherheitsbehörden gelang am Mittwochmorgen ein Schlag gegen ein kriminelles Netzwerk aus mehr als 70 Mitgliedern. Von Call-Centern in der Türkei aus wurden Rentner mit der Telefonmasche der falschen Polizisten betrogen. Insbesondere Rentner aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen waren betroffen. Der jetzige Erfolg gilt als wesentlicher Fortschritt in der Zusammenarbeit zwischen der deutschen und türkischen Polizei und Justiz.

Wer steckt hinter der Call-Center-Mafia?

Der Chef der kriminellen Bande ist der älteste von vier Brüdern der Großfamilie Ö. aus Datteln in Nordrhein-Westfalen. Das kriminelle Netzwerk wurde seit Jahren aus einer Villa in Istanbul geführt. Bereits seit 2017 liefen die Ermittlungen der Polizei Osnabrück, doch erst am Mittwochmorgen gelang der Polizei erstmals ein Schlag gegen die Hintermänner der Organisation.

Der Erfolg der Ermittler

Die betrügerischen Anrufe kamen aus Call-Centern in Istanbul und Antalya. Die türkische Polizei legte die entsprechenden Call-Center nun still. Zur gleichen Zeit wurden 22 Wohnungen, Geschäftsräume sowie Fahrzeuge von 100 Polizisten in Nordrhein-Westfalen durchsucht. Hierbei wurden die Ehefrau des Clanchefs sowie drei weitere Tatverdächtige festgenommen. Darüber hinaus wurden Fahrzeuge im Wert von 185 000 Euro sowie Bargeldbeträge im fünfstelligen Bereich, hochwertiger Schmuck und Munition sichergestellt. Dem kriminellen Netzwerk können mindestens 100 vollendete Betrugstaten mit einer Beute von mehr als drei Millionen Euro nachgewiesen werden. Auch in der Türkei gab es zeitgleich mehr als 20 Durchsuchungen. 24 Personen wurden festgenommen, unter diesen befinden sich auch die mutmaßlichen Köpfe des Netzwerks.

Die Kooperation mit der türkischen Polizei hat sich verbessert

Eine bundesweite Umfrage bei den Landeskriminalämtern von rbb Recherche hat ergeben, dass die Zahl dieser Betrugshandlungen durch verschiedene Tätergruppen seit 2016 enorm angestiegen ist. Da die Anrufer jedoch in türkischen Call-Centern sitzen, konnten zahlreiche Betrugsfälle bisher nicht aufgeklärt werden. Der aktuelle Erfolg der Ermittlungen kann unter anderem darauf zurückgeführt werden, dass das Bundeskriminalamt, das ein Verbindungsbüro in Istanbul hat, von Beginn an beteiligt war. Der BKA-Verbindungsbeamte konnte somit als wichtiger Ansprechpartner vor Ort fungieren. Der Präsident der Polizeidirektion Osnabrück Michael Maßmann äußert sich wie folgt zu dem Ermittlungserfolg:

„Dank der guten Zusammenarbeit von deutschen und türkischen Sicherheitsbehörden konnten wir die kriminellen Strukturen und Netzwerke zerschlagen und auch die Hintermänner festnehmen. Ein großer Erfolg für unsere Sondereinheit „Zentrale Ermittlungsgruppe Phänomene“ und ein klares Signal an alle, die auf perfide Art und Weise versuchen, ältere Menschen um ihr Erspartes zu bringen. Wir lassen nicht locker“.

Wie läuft die Telefonmasche mit den falschen Polizisten ab?

Die Betrüger riefen aus den Call-Centern in Istanbul und Antalya bei ahnungslosen Rentnern in Deutschland an und gaben sich als Polizisten aus. Den Rentnern wurde suggeriert, dass ihr Gold, ihr Schmuck, ihr Geld oder andere Wertsachen vor Einbrecherbanden in Sicherheit gebracht werden muss. Die falschen Polizisten gaben an, den Angerufenen dabei zu helfen. Bei dem Betrug machten sich die Kriminellen die Angst der Opfer zu Nutzen und setzten diese solange unter Druck, bis sie dazu bereit waren ihr Geld an den vermeintlichen Polizisten zu übergeben. Häufig wurden die Opfer hierzu über mehrere Tage hinweg immer wieder angerufen und bedrängt. Die ahnungslosen Rentner wurden dazu gebracht, große Beträge vor ihrer Haustüre oder in der Nähe ihres Wohnortes zu deponieren. Die Wertgegenstände oder das Geld wurden dann von Personen abgeholt, welche am unteren Hierarchieende der Bande stehen. Im Jahr 2018 gab es allein in Niedersachsen 4 235 Fälle von Betrug durch falsche Polizisten mit einem Schaden von 4,7 Millionen Euro.

Psychische Folgen für die Betroffenen

Für die Opfer der Call-Center-Mafia entsteht in den meisten Fällen jedoch nicht nur ein materieller Schaden. Die Betrogenen haben oft unter psychischen Folgen wie Angstzuständen zu leiden. Darüber hinaus wird insbesondere das Vertrauen in die Polizei und anderen Behörden und Amtsträgern geschädigt.

Wie sollte man sich bei einem Anruf Verhalten?

Durch Präventionsarbeit, die in den letzten Jahren deutlich verstärkt wurde, versucht die Polizei die Menschen zu sensibilisieren. Die Polizei gibt zudem Empfehlungen, wie man sich bei einem solchen Anruf verhalten soll. Wer einen verdächtigen Anruf bekommt, sollte auflegen und sich in keinem Fall unter Druck setzen lassen. Um herauszufinden, ob es sich um echte Polizisten handelt, sollte nicht die Nummer zurückgerufen werden, von der aus angerufen wurde. Die Nummer der örtlichen Polizei sollte selbst herausgesucht werden. Generell sollte man misstrauisch sein und in keinem Fall per Telefon private Angaben machen oder über finanzielle Verhältnisse berichten. Sollte ein vermeintlicher Polizist an der Haustüre klingeln, sollte man sich unbedingt den Dienstausweis zeigen lassen.

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