Coronavirus – Das dubiose Geschäft mit Klopapier und Atemschutzmasken

onlineshopping

Da die Regale bestimmter Produkte in den Supermärkten vor Ort oftmals leergeräumt sind, entscheiden sich viele Verbraucher derzeit für den Kauf im Internet. In den Onlineshops werden momentan Produkte wie Atemschutzmasken, Toilettenpapier, Desinfektionsmittel und Co. von dubiosen Händlern zu überzogenen Preisen angeboten. Die virtuellen Marktplätze haben bereits Maßnahmen ergriffen, scheinen in vielen Fällen jedoch machtlos zu sein.

Der Irrsinn um das Toilettenpapier

Seit einigen Wochen sind in vielen Geschäften die Regale mit Toilettenpapier häufig vollständig leergeräumt. Ebenso sollen soziale Kontakte weitestgehend reduziert werden, weshalb der tägliche Gang in den Supermarkt, um die Klopapiervorräte zu überprüfen, für viele ebenfalls keine Lösung ist. Schon lange geht es nicht mehr darum, das Klopapier zu finden, das normalerweise bevorzugt wird, sondern darum, überhaupt eine Packung ergattern zu können. Aus diesem Grund versuchen Verbraucher online fündig zu werden. Die Preise, die derzeit im Internet für das begehrte Papier verlangt werden, machen jedoch teilweise sprachlos. Der Preis pro Rolle liegt bei vielen Onlineshops derzeit bei über einem Euro. Im Supermarkt liegt der Preis für eine Rolle lediglich bei einem Drittel.

Auch andere Produkte sind heiß begehrt

Doch nicht nur Toilettenpapier ist heiß begehrt, auch haltbare Lebensmittel wie verschiedene Dosengerichte, Nudeln oder beispielsweise Hefe sind häufig ausverkauft. Auch sie werden zu einem Vielfachen des üblichen Ladenpreises im Internet angeboten. Selbst Produkte, die medizinisch relevant sind, und von vielen Personen dringend benötigt werden, die beispielsweise Pflegebedürftige oder chronisch Kranke Personen im Haushalt haben, werden zu horrenden Preisen und mit sehr langen Lieferzeiten angeboten. Auf eBay kostet das Desinfektionsmittel Sterilium momentan zum Beispiel 140 Euro pro Liter. Problematisch hierbei ist, dass für die meisten Personen, normale Handseife vollkommen ausreicht. Sowohl die Desinfektionsmittel als auch die Atemschutzmasken, die ebenfalls zu überhöhten Preisen im Internet angeboten werden, fehlen in vielen Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern.

Wie sieht die gesetzliche Lage in Deutschland aus?

Der überteuerte Weiterverkauf von Produkten, wird in Deutschland als Wucher bezeichnet und ist in § 138 BGB zu finden:

„Nichtig ist insbesondere ein Rechtsgeschäft, durch das jemand unter Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen oder der erheblichen Willensschwäche eines anderen sich oder einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zu der Leistung stehen.“ §138 Abs. 2 BGB.

Der Bundesgerichtshof hat festgelegt, dass Wucher betrieben wird, sobald das Doppelte als normalerweise verlangt wird. Allerdings handelt es sich bei fehlendem Klopapier nicht um eine Zwangslage. Aus diesem Grund ist bei den horrenden Preisen für das Toilettenpapier vielmehr lediglich von einem wucherähnlichen Geschäft auszugehen. Insbesondere im Onlinehandel ist es schwer, die dubiosen Händler aufzuspüren. Einige große Onlinemarktplätze haben bereits auf die aktuelle Situation reagiert. Aber auch Verbraucher können mithelfen, indem sie überlegen, ob die Produkte wirklich benötigt werden und die horrenden Angebote nicht annehmen.

Die Reaktionen von eBay, Amazon und anderen Marktplätzen

Der beliebte Onlinemarktplatz eBay erlaubt den Verkauf von Klopapier, Desinfektionsmitteln und Atemschutzmasken nur noch durch gewerbliche Verkäufer. Angebote mit überteuerten Preisen sollen verboten sein. Auch der Versandhandel-Riese Amazon hat angegeben, bereits mehrere Zehntausend Angebote entfernt zu haben. Allerdings sind auf beiden Marktplätzen weiterhin Wucher-Angebote zu finden. Bei real.de ist mittlerweile die Suchwort-Kombination aus „Corona“ und Produkten wie Atemschutzmasken gesperrt.

Wie hat Facebook reagiert?

Sämtliche Werbung für Atemschutzmasken, Desinfektionsmittel oder vermeintliche Coronavirus-Tests, sind bereits seit knapp zwei Wochen auf dem beliebten sozialen Netzwerk verboten. Gleichzeitig räumt das soziale Netzwerk seriösen Quellen wie der WHO und anderen Gesundheitsbehörden kostenlose Werbeanzeigen ein. Bei der Facebook-Tochter Instagram gilt Ähnliches. Die Fake-News werden jedoch nicht gelöscht, sondern lediglich in der Reichweite eingeschränkt und mit einem Hinweis versehen. Der Pressesprecher von real.de gibt allerdings ebenfalls an, dass in vielen Fällen keine Handhabe gegenüber einzelnen Händlern bestehe, in deren Preisgestaltung direkt einzugreifen.

Die Reaktion von Google

Wer auf Google nach Behandlungen oder Symptomen des Coronavirus sucht, sieht eine eingeblendete Warnung. Seriöse Seiten und Informationen der WHO werden den anderen Suchergebnissen vorangestellt. So werden beispielsweise auf Google Ads Anzeigen blockiert, mit denen versucht wird, Kapital aus dem Virus zu schlagen.

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