Neuer Internet-Standard – Erster weltweiter IPv6-Testlauf geplant

Internetzugang

Wegen des rasanten Wachstums des World Wide Web innerhalb weniger Jahre werden nun die IP-Adressen knapp. Die Internetadressen sorgen dafür, dass die Geräte innerhalb dieses riesigen Netzwerks identifiziert werden und Daten ohne umständliches Umetikettieren zwischen ihnen transportiert werden können. Bereits Ende dieses Jahres werden keine freien IP-Adressen mehr vergeben werden können, prophezeit die Internet Assigned Numbers Authority (IANA), die weltweit für die Vergabe der IP-Adressen zuständig ist. Der neue Internet-Standard IPv6 soll Abhilfe schaffen. Dieser erweiterte Internet-Standard kann dafür sorgen, dass künftig wieder ausreichend IP-Adressen zur Verfügung stehen. Die werden wahrscheinlich einige Zeit reichen. Während auf Basis des im Jahr 1980 eingeführten alten Internet-Standard IPv4 4,3 Millionen Internetadressen vergeben werden können, sind es mit dem neuen Standard IPv6 340 Sextillionen IP-Adressen. Das ist übrigens eine Zahl mit 39 Nullen.

Der Internetstandard IPv6, der 128- statt 32-stellige Binärzahladressen verwendet, wird bereits in einigen regionalen und lokalen Netzen genutzt. Am 08. Juni 2011 wird es jedoch den ersten weltweiten Feldtest geben. Der 24-stündige Probelauf soll Engpässe aufdecken und Schwachstellen der Teilnehmernetze aufzeigen. Internetprovider, Hardwarehersteller, Betriebssystemproduzenten und andere Unternehmen sollen motiviert werden, ihre Dienste von IPv4 auf IPv6 umzustellen. Ob die eigene Internetverbindung und der eigene Webserver bereits IPv6-fähig ist kann mit einem IPv6-Test überprüft werden.

Während des Tests werden alle Teilnehmer alle ihre Webinhalte zusätzlich nach dem neuen Internetstandard IPv6 anbieten. Auch in Deutschland nehmen einige Internetseiten an dem Testlauf teil. Zu den Teilnehmern des „World IPv6 Day„ gehören Unternehmen wie die Dt. Telekom, die Strato AG, o2, die Deutsche Bank, der Branchenverband Bitkom und das Bundesministerium des Inneren (BMI). Internationale Teilnehmer sind unter anderem Google, Facebook, Cisco und Akamai.

Weil die teilnehmenden Unternehmen ihre Internetinhalte während des Testlaufs parallel nach dem alten und den neuen Internetstandard anbieten, werden die Internetnutzer von dem Probelauf wahrscheinlich nicht beeinträchtigt werden und das Internet wie gewohnt nutzen können. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass an diesem Tag dennoch Verbindungsprobleme auftreten, können die Nutzer an ihrem Router IPv6 deaktivieren und ihren Internetserviceprovider über den Fehler informieren.

Update vom 10.06.2011
Die Branche verkündete, der Testlauf sei in Deutschland ohne Probleme verlaufen.

Update vom 06.06.2012
Heute wurde der IPv6-Standard offiziell weltweit eingeführt. Der bisherige IPv4-Standard wird zunächst weiterhin unterstützt. Nicht kompatible oder noch nicht aktualisierte Infrastruktur der Anwender kann also voraussichtlich auch noch in den nächsten Jahren verwendet werden. Welche Internetunternehmen und Routerhersteller den neuen Standard offiziell unterstützen, ist auf der Webseite WorldIPv6launch.org zu lesen.

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