Privatsphärentod – hört Facebook Gespräche ab?

Facebook hört Gespräche ab

Es gibt seit Monaten Gerüchte, die Facebook immer wieder von sich weist. Allerdings mehren sich die Anzeichen dafür, dass doch etwas dran ist. Facebook soll per App private Gespräche mithören, die Smartphone-Nutzer führen. Fallen dabei bestimmte Stichworte, blendet der Konzern passende Werbung auf der Timeline des Nutzers ein. Sollte sich dieses Vorgehen bestätigen, wäre das ein eklatantes Missachten der Privatsphäre.

Vorgeschichte: Experten weisen auf stichpunktbezogene Werbeanzeigen hin

Die Entwicklung ist bereits etwas älter. Bereits vor einiger Zeit hat eine Social-Media-Expertin in den USA auf überraschende Werbeanzeigen hingewiesen. Sie hatte in der App Facebook Messenger die Mikrofon-Funktion aktiviert. Nachdem sie mit einem Bekannten – im direkten Gespräch bei angeschaltetem Handy – über den Wunsch nach einem Safariurlaub sprach, blendete Facebook Safari-Werbung ein. Als sie das Stichwort Jeep fallen ließ, bekam sie Autowerbung zu sehen. Diese Beobachtung ist kein Einzelfall. Denn Nutzer der Plattform reddit berichteten ebenfalls über scheinbar passende Werbung zu nicht beim Chat oder Telefonieren ausgesprochenen Zusammenhängen.

Abhören: Facebook bestreitet die Vorwürfe

Facebook bestreitet die Vorwürfe bisher. Angeblich höre der Konzern keine Gespräche über das Smartphone-Mikrofon ab. Dieses treffe nur für ein Feature zu, mit dem Musik und Videofilme per Mikrofon identifiziert werden. Zudem sei das Feature nur in den USA aktiviert.

Allerdings räumte ein App-Entwickler von Facebook ein, dass eine solche Funktion angedacht war oder ist. Würde diese umgesetzt, könnte Werbung bei mitgehörten passenden Stichpunkten themengenau eingeblendet werden. Als Beispiel nannte er eine Werbung für Konzerttermine eines Künstlers, wenn ein Nutzer gerade einen Song von diesem hört. Die technischen Möglichkeiten und der Wille zur Umsetzung scheinen also vorhanden zu sein.

Neue Entwicklung: Deutsche Nutzer berichten von passgenauer Werbung

Seit Kurzem erhält das Gerücht, Facebook würde dauerhaft die Umgebung von Smartphones abhören, neue Nahrung. Deutsche Nutzer berichten, dass sie sich privat über eine Urlaubsreise unterhalten und auf Facebook plötzlich passende Werbung eingeblendet wurde bzw. Werbung von Unternehmen in der Timeline erschienen, über die sie gesprochen, diese aber online nie gesucht hatten.

Der Verdacht bleibt also. Es können viele Zufälle sein, dass bestimmte Werbeanzeigen zu bestimmten Zeiten auf bestimmten Timelines erscheinen. Die Menge an Indizien ist inzwischen jedoch wachsend. Wenn Facebook tatsächlich das Smartphone-Mikrofon nutzt, um die Umgebung algorithmisch nach bestimmten Schlagwörtern abzuhören, ist das rechtlich zweifelhaft. Selbst bei einer Zustimmung zu den AGB müsste das Vorgehen dort verständlich und klar nachlesbar sein. Bis dahin wäre das Abhören ein ahndungswürdiger Eingriff in die Privatsphäre. Der eigentliche Skandal wäre aber nicht, dass Facebook seine Nutzer belauscht, sondern dass sich niemand darüber beschwert.

Wer sich unsicher fühlt, kann die Mikrofonfunktion im Smartphone generell unterbinden oder bestimmten Apps das jeweilige Recht entziehen. Möglich ist das je nach Gerät unter den Einstellungen des Betriebssystems.

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