Kontaktlos bezahlen – Deutsche nach wie vor skeptisch

Bezahlsystem

Jeder Supermarktkunde kennt das Dilemma an der Kasse: Die Schlange ist lang, und die Leute kramen noch nach dem passenden Kleingeld. So wird das Bezahlen zu einem zeitaufwendigen und umständlichen Verfahren. Auch die Zahlung mit einer gewöhnlichen Girokarte erfordert die Eingabe der PIN oder eine Unterschrift des Kunden. Um diese Alltagssituation zu verbessern, wurde bereits 2002 an einem neuen Zahlungssystem gearbeitet, das den Zahlungsvorgang revolutionieren sollte – dem kontaktosen Bezahlen. So wurden im Lauf der Zeit immer mehr Kreditkarten mit einem Chip ausgestattet, der die Bezahlung mittels Datenübertragung ermöglicht. Trotz der hohen Bequemlichkeit nutzen laut einer Bitkom-Studie nur rund 13 Prozent der Deutschen die kontaktlosen Bezahlmöglichkeiten via Karte oder Smartphone. Woher kommt diese Zurückhaltung?

Wie funktioniert die Zahlung mit NFC?

NFC ist auf dem Vormarsch. Die Abkürzung steht für „Near Field Communication“, also „Nahfeldkommunikation“ und ermöglicht das kontaktlose Bezahlen. Die Bankinstitute fördern diese Entwicklung, indem sie sukzessiv alle ihrer Kartenprodukte mit der notwendigen Technik ausstatten. Kreditkarten, die Zahlungen via NFC ermöglichen, sind mit einem Mikrochip auf der Karte ausgestattet. Zusätzlich befindet sich darin eine unsichtbare Funkantenne, welche die Datenübertragung ermöglicht. Sobald das Kassenterminal den fälligen Betrag anzeigt, kann die Kreditkarte an das Lesegerät gehalten werden. Hierbei ist es wichtig, eine Entfernung von vier Zentimetern nicht zu überschreiten. Ein Kontakt der beiden Einheiten ist dafür jedoch nicht vonnöten. Das Lesegerät entschlüsselt schließlich durch spezielle Funktechnik (RFID) die übertragenen Daten. Übermittelt werden Informationen wie die Kartennummer, ein zufälliger Sicherheitscode, das Gültigkeitsdatum sowie der zu zahlende Betrag.

„NFC ermöglicht die kontaktlose Bezahlung von Kleinbeträgen bis zu 25 Euro. Größere Beträge müssen durch die PIN oder Unterschrift bestätigt werden.“

Durch ein kurzes Piepen oder ein optisches Signal signalisiert die Kasse die Bestätigung des Zahlungseingangs. Der weitere Ablauf ähnelt dem einer Zahlung mit Girokarte. Der Bank des Kunden wird die Zahlung gemeldet, sein Konto belastet und dem Händler gutgeschrieben. Das Konzept solcher Geldtransfers ist auf kleine Beträge bis zu 25 Euro ausgelegt. Bis zu diesem Betrag können Kunden quasi im Vorbeigehen bezahlen, ohne weitere Angaben wie eine Unterschrift zu hinterlegen. Das bedeutet aber nicht, dass ausschließlich kleine Beträge mit NFC Karten getätigt werden können. Generell kann jede beliebige Summe bis zum Kartenlimit der Kreditkarte mit NFC-Technik übertragen werden. Größere Beträge erfordern allerdings eine Identifikation des Kunden in Form einer PIN-Eingabe oder einer Unterschrift.

Mittlerweile können Zahlungen auch kontaktlos über das Smartphone abgewickelt werden. Über die beiden Services Apple Pay und Google Pay können Verbraucher bequem über das Handy bezahlen. Allerdings braucht man dafür eine für diese Dienste freigeschaltete Kreditkarte. Ein aktuellen Anbieter-Vergleich ist hier zu finden.

Wo kann ich mit NFC Kreditkarten bezahlen?

Zunächst einmal muss die Kreditkarte in der Lage sein, Zahlungen via NFC abzuwickeln. Dies ist in der Regel am Symbol für kontaktloses Bezahlen ersichtlich, das sich auf der Vorderseite der Karten befindet. Mit seinen vier aneinander liegenden Bögen erinnert es an das W-LAN Zeichen. Diese Bögen sollen jedoch die Funkwellen der Übertragung darstellen und so die Funktionsweise des Systems illustrieren. Bezahlt werden kann mittlerweile bei einem Großteil der Supermärkte. Vorreiter war ALDI Süd, doch auch viele weitere Discounter und Supermärkte haben das Potential der Zahlungsart erkannt. Ob Sie an der Kasse kontaktlos bezahlen können, erkennen Sie wiederum am NFC-Symbol, das sich in der Regel am Terminal befindet. Doch nicht nur Supermärkte ermöglichen die Bezahlung via NFC, auch in Bars, Gasthäusern und Bekleidungsgeschäften wird das kontaktlose Bezahlen unterstützt.

Wie ist es um die Sicherheit der NFC-Zahlungen bestellt?

Trotz der hohen Flexibilität, scheint das kontaktlose Bezahlen in Deutschland nur schleppend Fuß zu fassen. Dies ist vor allem auf die Sicherheitsbedenken der Kunden zurückzuführen, die der kontaktlosen Datenübertragung skeptisch gegenüberstehen. Doch sind diese Sicherheitsbedenken gerechtfertigt? Banken und Kreditinstitute verweisen darauf, dass kontaktloses Bezahlen genauso sicher ist, wie eine Zahlung mit PIN-Eingabe. Nur unter Laborbedingungen, das heißt ganz ohne störende Einflüsse, reichen die Funkwellen des Informationsaustauschs bis zu einem Meter. Eine derartige Situation kann im Alltag jedoch nicht eintreten. Um einen erfolgreichen Datenaustausch zu gewährleisten, muss die Kreditkarte in unmittelbare Nähe des Lesegeräts gehalten werden. Nur im Bereich dieser drei bis vier Zentimeter Distanz funktioniert die Datenübertragung. So wird der Kunde in der Supermarktschlange vor falschen Abbuchungen geschützt. Es kann also nicht passieren, dass ein Betrag fälschlicherweise beim einfachen Vorbeigehen an einem Kartenlesegerät abgebucht wird.

Im Internet ist außerdem immer wieder die Rede von Apps, welche Funkwellen abfangen und so sensible Daten wie Kreditkartennummer und Ablaufdatum auslesen können. Demzufolge wäre es Kriminellen möglich, Online-Bestellungen auf Kosten anderer abzuwickeln. Doch in Deutschland wird sicherheitshalber meist noch eine Prüfziffer oder die zusätzliche Bestätigung mit einer TAN verlangt. Die Prüfziffer befindet sich auf der Rückseite der Kreditkarte und ist somit für Fremde nicht ersichtlich. Überdies kann sich der unsichere NFC-Nutzer mit einer speziell beschichteten Hülle mit RFID-Schutz vor Datendiebstahl schützen. Diese sind bereits ab fünf Euro im Internet frei erhältlich. Die Sicherheitsbedenken in Bezug auf das kontaktlose Bezahlen sind also unbegründet. Im Normalfall bietet der Zahlungsvorgag denselben Schutz wie herkömmliche Verfahren. Achtet der Nutzer zusätzlich auf seine Privatsphäre, kann das Risiko eines illegalen Datenabgriffs minimiert werden.

Doppelt sicher: Prepaid

Hat der Kunde die Möglichkeit kleine Zahlungen ohne Kontakt und ohne Bargeld zu tätigen, besteht schnell die Gefahr, die Übersicht über seine Ausgaben zu verlieren. Hier eine neue Hose, da ein schnelles Mittagessen und zu guter Letzt der Wocheneinkauf – Schnell sammelt sich eine beachtliche Summe an. So wird die monatliche Kreditkartenabrechnung für viele Kunden zu einer bösen Überraschung.
Um sich vor dieser Gefahr zu schützen, empfiehlt sich die Anschaffung einer Prepaid Kreditkarte. Diese sind nämlich vor allem in puncto Sicherheit unschlagbar. Prepaid Kreditkarten funktionieren auf Guthabenbasis, können daher nicht überzogen werden. Der Nutzer muss die Kreditkarte vor Gebrauch mit einem beliebigen Geldbetrag aufladen. Dem Besitzer einer aufladbaren Kreditkarte fällt es folglich leichter, den Überblick über seine Zahlungen zu behalten. Sollte es tatsächlich zu einem Datenklau kommen, geht außerdem „nur“ das Guthaben verloren, das sich aktuell auf der Karte befindet. Somit ist die Prepaid Kreditkarte gleich doppelt sicher: Sie sorgt für eine volle Kostenkontrolle und schützt im Missbrauchsfall vor Überziehung.

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