Stromsperren – versäumte Zahlungen sind teuer

Es klingt wie ein Thema, das nur Menschen in prekären finanziellen Situationen betrifft. Allerdings drohen die Energieversorger Stromsperren überraschend häufig an. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat ermittelt, dass die Unternehmen allein in diesem Bundesland im Jahr 2013 zwei Millionen Androhungen und 400.000 Ankündigungen einer Sperre der Energiezufuhr verschickt haben. Statistisch ist somit jeder neunte Mensch von dem Problem betroffen. Die Zahlen basieren auf Angaben von 79 der 106 Grundversorger in Nordrhein-Westfalen. Damit ergibt sich eine mögliche Dunkelziffer, die höhere tatsächliche Zahlen bedeuten könnte.

Aussetzen der Energielieferung wird zur zusätzlichen Kostenfalle

Zu unterscheiden sind Androhungen und Ankündigungen. Beides sind Mittel, um Kunden zum Zahlen zu bewegen.

Androhungen einer Energiesperre müssen die Versorger vier Wochen vorher versenden. Kommt der Kunde dann der Zahlungsaufforderung für Abschläge oder Differenzen in der Turnusrechnung nicht nach, folgt eine Ankündigung. Diese muss dem Kunden drei bis vier Tage vor dem Abschalten von Strom bzw. Gas zugehen.

Das Problem ist, dass die Zahlung selten jemand einfach nur vergisst. Häufig stecken hinter dieser Eskalationsstufe einer Gas- oder Stromsperre Menschen in einer existenzbedrohenden finanziellen Situation. Diese könnten handeln, indem sie sich auf eine Ratenzahlung mit dem Versorger verständigen oder eine monatliche Abrechnung anfordern. Leider nehmen für beide Varianten die Versorger erhebliche Aufschläge. Daher gilt: Wer in einer solchen Lage ist, die Gas- oder Stromrechnung nicht zahlen zu können, sollte eine Schuldnerberatungsstelle aufsuchen. Denn kommt es zu einer Umsetzung der Ankündigung, entstehen weitere Kosten.

Die Versorger berechnen nämlich für den Aufwand, die Energieversorgung abzustellen oder wieder einzurichten eine Gebühr. Diese schwankt von Unternehmen zu Unternehmen und ist nicht immer leicht in den Nutzungsbedingungen oder in den Tarifbeschreibungen zu finden. Mit Mahngebühren und Berechnung des Aufwands entstehen schnell Zusatzkosten in dreistelliger Höhe. Spätestens dann verschlimmert sich die Situation der betroffenen Kunden weiter.

Stromsperren: Verbraucherschützer fordern transparente Kostenstrukturen

Die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen fordert aus diesen Gründen eine transparente Kostenstruktur. Die Zusatzkosten für das Mahnwesen sowie das Sperren und Entsperren der Energieversorgung müssten leicht auffindbar, transparent und möglichst einheitlich geregelt sein. Denn die Unterschiede je nach Wohnort sind enorm. Zudem fordern die Verbraucherschützer die Sozialleistungsträger auf, die Regelsätze anzuheben. Diese beinhalten zu geringe Energiekosten, sodass die Betroffenen davon ihre Strom- und Gasrechnung häufig nicht mehr zahlen können.

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