WeChat – der „Horror-Messenger“ kommt nach Europa

WeChat - der "Horror-Messenger" kommt nach Europa

Orwell hatte mit seinem Roman 1984 große Weitsicht bewiesen. Er hatte darin den totalen Überwachungsstaat skizziert. Offenbar gibt es immer mehr Unternehmen, die im privatwirtschaftlichen Rahmen diese Vorlage in die Tat umsetzen wollen. Nun kommen aus China aber verstörende Nachrichten. Denn der Messenger Weixin oder auf Englisch WeChat sammelt nicht nur Daten, sondern enthält eine Abfrage, mit der die chinesische Regierung sämtliche Inhalte, Kommunikationswege und Aktionen nachverfolgen kann. Nun kommt WeChat nach Europa. Die Horror-Vorstellung der totalen Überwachung könnte wahr werden. Denn WeChat ist weit mehr als nur ein einfacher Messenger – und fast eine Milliarde Menschen nutzen das Programm.

WeChat – eine App für alles

Die chinesische Bezeichnung Weixin für WeChat bedeutet übersetzt so etwas wie „kleine Nachricht“. Der Name ist jedoch sehr missverständlich. Zwar lässt sich das Programm als Messenger ähnlich wie WhatsApp nutzen. Es kann aber sehr viel mehr. Denn das modulare System erlaubt Apps in der App. Mit diesen vereinbaren die Nutzer Arzttermine, bestellen Eintrittskarten, kaufen online ein oder wechseln den Energieversorger oder Telefonanbieter. Das Leben ist mit WeChat extrem einfach.

China hört mit
Es gibt nur einen Haken: Die Software enthält offiziell bestätigt eine Schnittstelle für die chinesische Regierung. Über diese können die Behörden per Knopfdruck alle Aktivitäten bis ins kleinste Detail auslesen. Der gläserne Mensch ist Realität. Das klingt zunächst harmlos, ist aber ein ernster Eingriff in die persönliche Freiheit. Denn auch staatskritische Nachrichten werden nach dem Absenden zensiert, der gesellschaftliche Wert von Nutzern kann sogar ermittelt werden. China ist hier ein ganzes Stück näher am Totalüberwachungsstaat. Denn dort gibt es erste Versuche mit dem dortigen Social Credibility System. Dabei werden die Bürger und ihre Aktionen vom Kauf einer Zahnbürste bis zur Geldüberweisung bewertet und durchleuchtet. Wer einen schlechten Wert erreicht, könnte zukünftig Repressalien erleiden. Möglich macht diese Bewertung das Auslesen der Daten von WeChat.

WeChat unbedingt meiden
Deutsche Sicherheitsexperten schlagen Alarm. Denn WeChat soll nun die westliche Welt für sich einnehmen. Auf der Webseite der Spezialisten von intersoft consulting services AG heißt es dazu deutlich:

„Wem seine Privatsphäre auch nur einen Pfifferling wert ist, sollte um die App und ihren nicht zu leugnenden praktischen Nutzen einen großen Bogen machen.“

Wie ernst es den Chinesen ist, zeigt außerdem ein Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dieser zitiert WeChat-Direktor Gu Haijun mit den Worten: „Die Regierung ist nicht unser Feind“.“ Diese schätze es, dass sie sich über WeChat über die Nutzer „sofort informieren“ könne.

Die Verzahnung von WeChat und Regierung geht sogar so weit, dass der Messenger inzwischen regional bereits offiziell ein Ersatz für den chinesischen Pass ist und natürlich auch die Gesichtserkennung beherrscht. Spätestens hier sollte jedem Interessierten klar sein, dass WeChat kein einfacher Messenger wie WhatsApp und seine Alternativen ist, sondern ein staatlich gefördertes Programm. Kurz: Eine App, die offenbar die totale Transparenz der Bürger und damit die totale Überwachung zum Ziel hat.

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