Online-Versandhandel – Vernichtung von Retouren soll erschwert werden

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Die Bundesregierung plant eine Gesetzesänderung, damit in Zukunft weniger Waren, die online bestellt und anschließend an den Händler zurückgeschickt wurden, vernichtet werden. Denn einer Studie der Universität Bamberg zufolge, landen jährlich bis zu 20 Millionen zurückgesendete Artikel auf dem Müll.

Welche Gesetzesänderung ist geplant?

Dass eine Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetztes geplant sei, wurde am Freitag von Sprechern des Umwelt- und Wirtschaftsministeriums bekannt gegeben. Laut NDR will die Bundesregierung im kommenden Jahr eine so genannte Obhutspflicht für den Umgang mit Retouren und nicht verkaufter Neuware einführen. Die Obhutspflicht soll unter anderem dazu beitragen, dass sich die Produktion stärker an der Nachfrage ausrichtet. Hierzu zählt insbesondere, dass Produkte künftig länger nutzbar bleiben und die Vernichtung zum allerletzten Mittel wird. Laut Umweltministerin Svenja Schulze würden viele Waren vernichtet werden, die eigentlich noch funktionsfähig seien. Aus diesem Grund ist auch eine höhere Transparenz bezüglich der Vernichtung von unbenutzten Waren seitens der Händler gefordert.

Warum landen Rücksendungen überhaupt auf dem Müll?

Wenn ein Paket bestellt wird und anschließend in Retoure geht, macht der Händler keinen Umsatz damit. Zu dem ausbleibenden Umsatz kommen jedoch noch Lager- sowie Personalkosten hinzu. Eine zurückgeschickte Sendung muss zunächst überprüft und anschließend wieder in das entsprechende Lager zurückgeführt werden. Insbesondere für kleine Unternehmen rechnet es sich oft nicht, die retournierten Artikel wiederaufzubereiten, um sie erneut in den Handel zu bringen. Allerdings geben die großen Online-Versandhändler wie Amazon, Otto und Zalando an, dass es eine absolute Ausnahme sei, dass Rücksendungen vernichtet würden. Zalando gibt den Anteil beispielsweise mit weniger als 0,05 Prozent an. Laut der Studie der Universität Bamberg werden insgesamt 3,9 Prozent der Rücksendungen entsorgt oder verschrottet. Amazon kritisiert das deutsche Steuergesetz, welches dazu verleite, Waren zu entsorgen, statt sie zu spenden. Das Spenden würde erschwert werden, da die Unternehmen die Mehrwertsteuer auf den Wert von gespendeten Waren entrichten müssten. Dieser Umstand mache es für die Unternehmen wirtschaftlich wenig sinnvoll, Waren zu spenden.

Der Rücksende-Wahnsinn

Der Online-Versandhandel boomt seit vielen Jahren. Doch jedes sechste Paket wird in Deutschland retourniert, dies entspricht nahezu 280 Millionen Paketen und 487 einzelnen Artikeln. Die hohe Zahl der Rücksendung ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass viele Versandhändler eine kostenlose Rücksendung anbieten. Darüber hinaus ist die Rückgabefrist oftmals sehr lange. Statt der gesetzlich vorgeschriebenen 14 Tagen, liegt diese oftmals bei 30 Tagen und mehr. Zalando bietet seinen Kunden sogar eine 100-tägige Rückgabefrist. Viele Verbraucher bestellen insbesondere beim Klamotten-Kauf verschiedene Größen zur Anprobe, da die Größen bei den unterschiedlichen Versandhäusern oft variieren. Hinzu kommt, dass einige Produkte auf den Bildern im Internet ganz anders aussehen als in der Realität.

Was können Verbraucher und Online-Händler tun?

Verbraucher sollten sich vor dem Online-Kauf so genau wie möglich über den entsprechenden Artikel informieren. Hierzu ist es oftmals bereits hilfreich die genauen Größenangaben und Maße zu studieren. Auch Erfahrungen von anderen Kunden können dabei helfen, herauszufinden, ob das Produkt den eigenen Vorstellungen entspricht. Online-Händler sollten hingegen die kostenlose Rücksendung überdenken, da viele Verbraucher hierdurch dazu verleitet werden, mehrere Artikel „zur Auswahl“ zu bestellen. Denn müssen die Rücksendekosten selbst übernommen werden, überlegt sich der ein oder andere Verbraucher bestimmt genauer, ob er sich beispielsweise eine Hose in drei verschiedenen Größen oder vier verschiedene Hemden in unterschiedlichen Farben bestellt.

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