Hausbesuch durch Inkassounternehmen – Schuldner kann das ablehnen

Hausbesuch durch Inkassounternehmen - Schuldner kann das ablehnen

Kann ein Kunde seine Rechnung nicht bezahlen, erfolgt in der Regel im ersten Schritt eine Mahnung. Folgt daraufhin weiter keine Zahlung, können Unternehmen ein Inkassounternehmen mit dem Forderungseinzug beauftragen. Ist die Forderung rechtens muss der Gläubiger deren Kosten übernehmen, jedoch gibt es dafür Grenzen.

Aggressives Schuldeneintreiben

Der Deutsche Inkasso Dienst DID kündigt Schuldnern auch in der Corona-Pandemie Hausbesuche an. Ein Verbraucher aus Hamburg erhielt ein Schreiben, in dem das Unternehmen mitteilte, ein Außendienstmitarbeiter wolle mit dem Verbraucher über den Ausgleich einer noch ausstehenden Forderung von rund 900 Euro sprechen. Sollte der Verbraucher die Schuld jedoch zeitnah begleichen, würde der DID von einem Hausbesuch absehen.

„Mit diesen Schreiben werden Schuldner massiv unter Druck gesetzt“, kritisiert Kerstin Föller von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Unter der Last der offenen Forderung fühlen sich Schuldner häufig verpflichtet, solchen Hausbesuchen zuzustimmen. Das Unternehmen riskiert damit sowohl die Gesundheit des Schuldners als auch der eigenen Mitarbeiter. Das ist unverantwortlich.“

Schuldner müssen Hausbesuchen nicht zustimmen

Betroffene sollten sich von Schreiben, in denen Inkassounternehmen einen Besuch androhen, nicht erschrecken lassen. Diese entbehren jeglicher gesetzlichen Grundlage. Schuldner sind nicht verpflichtet, Mitarbeiter von Inkassounternehmen in das Haus oder ihre Wohnung zu lassen. Das Recht, die Zuhause eines Schuldners zu betreten, haben grundsätzlich nur Gerichtsvollzieher aufgrund eines gesonderten Gerichtsbeschlusses.

Keine Extra-Gebühren für Hausbesuch

Andere Unternehmen versuchen sogar Schuldnern Hausbesuche in Rechnung zu stellen. Offene Forderungen werden auf diese Weise weiter aufgebläht. Dabei muss das Inkassounternehmen für die Kosten eines Hausbesuches grundsätzlich selbst aufkommen. Diese sind keine notwendigen Kosten der Rechtsverfolgung und damit auch nicht vom Schuldner zu ersetzen.

Schuldnerberaterin Föller rät dazu, finanzielle Probleme offensiv anzugehen und nicht auf die lange Bank zu schieben:

„Schulden regulieren sich in der Regel nicht von selbst. Handeln ist gefragt. Gerade
im Umgang mit Inkasso-Diensten ist es wichtig, seine Rechte als Schuldner zu kennen und durchzusetzen. Die Unternehmen spekulieren häufig darauf, dass säumige Kunden ihren Forderungen einfach nachgeben, um diese möglichst schnell aus der Welt zu schaffen.“

Urteil Bundesgerichtshof

Verbot überhöhter Pauschale für Inkassokosten

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Zahlungsaufforderung per SMS – Urteil: Forderungen können zulässig sein

Zahlungsaufforderung per SMS

Urteil: Forderungen können zulässig sein

Nicht jede Zahlungsaufforderung per SMS ist Spam. Das OLG Hamm hat entschieden, dass Mahnungen per SMS zulässig sein können. Dies ist dann der Fall, wenn die Forderung berechtigt ist und die Nachricht tagsüber beim Empfänger eingeht. Geklagt hatte der vzbv gegen ein Inkassounternehmen. […]

Die Brille der Zukunft - Weit mehr als nur eine Sehhilfe?

Die Brille der Zukunft

Weit mehr als nur eine Sehhilfe?

Zu vielen Zukunftsvisionen gehören auch Brillen. Was bislang nur eine praktische Sehhilfe oder ein modisches Accessoire darstellt, könnte schon bald ebenfalls mit einigen technischen Gadgets aufwarten. […]

Privater Investor schlägt zu – FRITZ!Box-Hersteller AVM ist verkauft

Privater Investor schlägt zu

FRITZ!Box-Hersteller AVM ist verkauft

Das bekannte Berliner Tech-Unternehmen AVM hat offiziell einen neuen Investor. Durch den Einstieg des europäischen Family Office Imker Capital Partners soll auch in Zukunft der Erfolg des Unternehmens gesichert werden. Die Gründer ziehen sich jedoch nicht vollständig aus der Firma zurück. […]

Trotz Legitimierungspflicht – illegale Anonymisierung von SIM-Karten

Trotz Legitimierungspflicht

Illegale Anonymisierung von SIM-Karten

Obwohl es seit Jahren die Pflicht zur Legitimierung bei Prepaid-Karten gibt, reichen die Sicherheitsvorkehrungen einiger Anbieter, um Missbrauch zu verhindern, nicht aus. Insbesondere ein Anbieter sticht laut Bundesnetzagentur negativ hervor. […]