Katastrophenschutz – Warnung der Bevölkerung per Cell Broadcast geplant

Katastrophenschutz – Warnung der Bevölkerung per Cell Broadcast geplant

Nach der zerstörerischen Flutkatastrophe im Westen Deutschlands, ist das Thema der Bevölkerungswarnung aktueller denn je. Bundesinnenminister Horst Seehofer geht davon aus, dass die Bevölkerung in Zukunft vor entsprechenden Gefahren wie verheerenden Unwettern oder Hochwasser zusätzlich per SMS gewarnt wird. Der Bund will hierzu künftig auf das Warnsystem Cell Broadcasting setzen. Bereits ab Mitte nächsten Jahres soll die Funkzellen-Warnung, die von Experten bereits seit längerer Zeit gefordert wird, einsatzbereit sein.

Warnsystem Cell Broadcast soll schon nächstes Jahr einsatzbereit sein

Einige Tage nach dem extremen Hochwasser werden die Vorwürfe der Menschen in den betroffenen Gebieten darüber, dass sie nicht ausreichend vor der Flut gewarnt wurden, immer lauter. Bereits im Frühjahr dieses Jahres gab der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, kurz BBK, Armin Schuster eine Machbarkeitsstudie zum Thema Warnung per Cell Broadcasting in Auftrag. Nach seiner Aussage wird ein positives Ergebnis noch vor den Bundestagswahlen im Herbst erwartet. Um eine bessere Warnung im Katastrophenfall zu ermöglichen, sollen laut Seehofer die Ressourcen des BBK in Zukunft besser genutzt werden. Hierzu seien im Herbst wohl auch kleine Gesetzesänderungen notwendig.

Was ist Cell Broadcasting?

Bei dem Warnsystem Cell Broadcast wird an alle Handy-Nutzern, die sich zum entsprechenden Zeitpunkt innerhalb einer Funkzelle des von der Gefahr betroffenen Ortes befinden, versendet. Das Warnsystem sendet demnach regional spezifisch eine Direktnachricht auf die Geräte, um die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten zu warnen. Durch Cell Broadcasting können wesentlich mehr Menschen erreicht werden, da das Warnsystem keiner Vorbereitung bedarf und keine spezielle App installiert werden muss. Sogar dann, wenn das Handy auf lautlos geschaltet ist, wird durch die Direktnachricht ein Signalton abgegeben. Um die Warnung zu erhalten, muss das Gerät lediglich eingeschaltet sein. Einen Vorteil, den Cell Broadcast gegenüber Warn-Apps bietet: Die Empfänger benötigen kein Smartphone, sondern lediglich ein normales Mobiltelefon. Die EU will Cell Broadcasting bis zum Jahr 2022 als verpflichtendes Warnsystem für alle Mitgliedstaaten einführen. In Deutschland war die Einführung bisher an einer Gesetzeslage gescheitert, wodurch sich Deutschland aus dem Deal herauswinden konnte. In zahlreichen anderen Ländern weltweit wie beispielsweise in den USA, Japan oder Großbritannien wird ein solches Warnsystem bereits eingesetzt. Datenschützer schätzen das Cell Broadcasting als relativ unbedenklich ein.

Welche Warnmöglichkeiten gibt es aktuell in Deutschland?

Bisher steht den Smartphone-Nutzern beispielsweise die Warn-App des Bundesamtes NINA, die am 1. Juni 2015 veröffentlicht wurde, zur Verfügung. Beim ersten bundesweiten Warntag 2020 zeigte sich allerdings, dass die Warn-App nicht zuverlässig funktioniert, denn die Warnmeldungen kam teilweise nur verspätet oder sogar gar nicht an. Zudem wird die App des Bundesamtes lediglich von neun Millionen Personen genutzt. Vom Frauenhofer-Institut wurde die alternative Warn-App mit dem Namen KatWarn bereits 2011 ins Leben gerufen. Über die App erhalten die Nutzer Meldungen aus offiziellen Quellen. Allerdings kann es auch hier bei Unwettern und anderen Katastrophen zu Verzögerungen der Benachrichtigungen kommen, da in entsprechenden Situationen häufig das Mobilfunknetz überlastet ist. Cell Broad bietet hier eine sichere und zuverlässige Alternative. Denn durch die geringe Datenlast, funktioniert die Warnung auch bei einer Überlastung des Netzes noch am wahrscheinlichsten.

„Gerade dann, wenn die Mobilfunknetze völlig überlastet sind und Daten an Apps wie NINA nicht mehr durchkommen, funktionieren Cell Broadcasts aufgrund der sehr geringen Datenlast noch am wahrscheinlichsten“, so eine Gruppe von IT-Fachleuten (AG Kritis) nach dem Warn-Tag im letzten Jahr.

Eine Warnung der Bevölkerung ist auch über analoge Sirenen möglich. Allerdings sind von den 80 000 Sirenen, die es Anfang der 1990er Jahre gab, nur noch 15 000 verfügbar. In sehr vielen Teilen ist demnach gar keine Warnung per Sirene möglich. Spätestens der Warntag 2020 Jahr zeigte auch hier deutlich, dass das Frühwarnsystem in Deutschland noch mehr als ausbaufähig ist.

Katastrophenschutz: Mischung aus analogen und digitalen Methoden notwendig

Bundesinnenminister Seehofer betonte, dass eine Mischung aus digitalen und analogen Methoden notwendig sein, um die Bevölkerung bei Gefahren zuverlässig zu warnen. Hierzu seien demnach sowohl Sirenen als auch High-Tech-Lösungen nötig. Eine akustische Warnung durch Sirenen sei zwar sinnvoll, allerdings müsse die Bevölkerung auch erfahren, wie sie in den entsprechenden Situationen handeln sollten. Die Installation von Cell Broadcasting kann wesentlich schneller erfolgen, als der Ausbau eines wirklich flächendeckenden Netzes mit den analogen Sirenen.

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