Microsoft Store offener – Mit Windows 11 startet Software-Offensive

Microsoft Store offener - Mit Windows 11 startet Software-Offensive

Schon länger war eine Erweiterung des Angebotes im Microsoft Store im Gespräch. Nutzer hatten immer wieder das eingeschränkte Portfolio an Anwendungen kritisiert und den Wunsch geäußert, auch unternehmensfremde App-Stores über den Microsoft Store erreichen zu können. Pünktlich zum Start von Windows 11 im Oktober 2021 hat Microsoft nun reagiert und kündigte an, den Store künftig offener und damit vielfältiger zu gestalten.

Blogpost weckt große Erwartungen

Gerade erst war der lang ersehnte Stichtag erreicht. Am 05. Oktober begann Microsoft mit der schrittweisen Ausbreitung von Windows 11. Doch schon Monate zuvor warfen große Ereignisse ihre Schatten voraus. Nach der Präsentation des neuen Microsoft Store im Juni legte das Unternehmen Ende September noch einmal mit einem Blogpost nach, in dem es ankündigte, den Store künftig auch für externe Anbieter stärker zu öffnen.

Zu den Neuankömmlingen im Microsoft Store sollen unter anderem beliebte Kommunikationsanwendungen wie Zoom Cloud Meetings, Discord und der koreanische Mitbewerber KakaoTalk gehören. Aber auch kreative Mediensoftware wie Music Maker, VLC und Luminar Al sollen ihren Weg in den Store finden. Und wenn es schon um praktische Erweiterungen des Portfolios geht, dürfen natürlich beliebte Desktop Productivity Applications wie TeamViewer, Adobe Acrobat Reader DC und LibreOffice, die kostenlose Office-Suite, nicht fehlen.Auch die unternehmenseigenen Anwendungen werden um einige interessante Tools ergänzt. Microsoft PowerToys, Visual Studio Code und Visual Studio Community könnten bereits ab Oktober zur Verfügung stehen.

Und noch eine freudig erwartete Neuerung kündigte Microsoft an: In den kommenden Monaten soll es weitere unternehmerische Öffnungen geben, die es externen Anbietern möglich machen, ihre eigenen App Stores über den Microsoft Store zu vertreiben. Dazu gehört unter anderem der Appstore von Amazon, der sich als Alternative und Ergänzung zum Google Play Store versteht. Auch Provider von Spieleanwendungen können durch die Erweiterung ihren Weg in den Microsoft Store finden und das Portfolio durch ihr eigenes Angebot ergänzen. Sicher scheint bisher zumindest eine Kooperation mit dem Gaming-Store von Epic Games.

Progressive Web Apps rücken im Microsoft Store stärker in den Fokus

Bei der Aufstockung des App Stores wird sich Microsoft nicht nur auf Native Apps beschränken. Schließlich gehört die Zukunft unbestreitbar den mobilen Endgeräten. Zu den neuesten Trends in diesem Bereich gehört die Progressive Web App (PWA). Diese Anwendungsvariante ist in gewisser Weise die Verbindung zwischen Native Apps und browserbasierten Anwendungen für mobile Endgeräte. Eine PWA wird über die Eingabe einer URL im Browser aktiviert und passt sich anschließend progressiv dem jeweiligen Endgerät und seinem Betriebssystem an. Nach dem Aufrufen der PWA können Nutzer die Anwendung ihrem Homescreen hinzufügen und so immer wieder darauf zugreifen, ohne die URL erneut eingeben zu müssen. In Kombination mit Windows lassen sich Progressive Web Apps vollumfänglich in das Betriebssystem integrieren und können neben dem Homescreen auch an die Taskleiste und das Startmenü angeheftet werden. So entsteht im Idealfall ein organisches Zusammenspiel zwischen dem Betriebssystem und der Anwendung, das auch die Anzeige von Benachrichtigungen oder die Übernahme von Einstellungen in der Benutzeransicht ermöglicht.

Als adaptive Schnittmenge zwischen Native App und browserbasierter Anwendung könnte die Progressive Web App die Nutzung mobiler Endgeräte künftig begleiten. Vor diesem Hintergrund rückt die neue Anwendungsvariante auch in den App Stores stärker in den Fokus und wird auch im erweiterten Microsoft Store zu finden sein. Im September-Blogpost kündigte das Unternehmen an, mit dem Launch von Windows 11 im Oktober auch verschiedene high-quality Progressive Web Apps im Store implementieren zu wollen, darunter auch beliebte Anwendungen wie Reddit, Wikipedia, TikTok, Lyft, Quizlet und Tumblr.

Benutzerfreundliche Neuentwicklungen

Die logische Weiterentwicklungen bereits bekannter Anwendungsmodelle bringt viele Vorteile mit sich. So sind die Ladezeiten beispielsweise kürzer als bei einer Native App. Das minimiert das Risiko, dass User nach wenigen Sekunden schon wieder abspringen. Die PWA ist außerdem auch offline oder bei einer instabilen Datenverbindung nutzbar. Wurden die Inhalte einmal über den Browser geladen, ist keine aktive Internetverbindung mehr erforderlich, um erneut darauf zuzugreifen. Hier kommt die so genannte Service Worker Technologie zum Einsatz, die mithilfe von JavaScript einen Proxy zwischen dem Server und dem verwendeten Webbrowser einrichtet. Diese Technologie wird eingesetzt, um spezielle Internetanwendungen auch im Offline-Modus verfügbar zu machen. Inhalte und Funktionalitäten werden aus dem Cache gespeist.

Die progressive Anpassung an das Betriebssystem macht es möglich, dieselbe Anwendung auf verschiedenen Endgeräten zu nutzen und diese je nach App-Features auch miteinander zu synchronisieren. So lässt sich zum Beispiel derselbe Organizer auf dem Smartphone, dem Tablet und dem Desktop verwenden. Hier könnte aus der Implementierung eines breiten Portfolios an Progressive Web Apps auch für Microsoft ein wirtschaftlicher Vorteil entstehen, denn PWAs können unterschiedliche Zielgruppen zusammenbringen. Darüber hinaus können PWA auch über die Suchmaschine gefunden werden und haben damit eine größere Reichweite als Native Apps.

Die meisten PWA unterstützen auch Push-Nachrichten. In puncto Sicherheit können PWA ebenfalls überzeugen. Alle Datenverbindungen werden über https hergestellt und sind damit end-to-end verschlüsselt.

Der Trend der Progressive Web App ist noch jung. Erst 2018 schafften die mobilen Anwendungen den Schritt auf den Markt. Dass das Konzept Zukunft hat, zeigen die Aktivitäten bekannter Unternehmen, die bereits auf PWA umgestellt haben. Der Wissensblog der Internetagentur goldorange aus Hannover hat Erfolgsgeschichten gesammelt.

  • Die kreative Plattform Pinterest konnte nach der Umstellung auf PWA eine um 60 Prozent höhere Interaktionsrate verzeichnen. Außerdem stieg die Verweildauer der Besucher um 40 Prozent.
  • Reisevermittler Trivago erreicht mittels PWA eine Erhöhung der Weiterleitungsrate auf Hotelbuchungsseiten von 97 Prozent. Außerdem steig die Rückkehrrate der Nutzer um 67 Prozent.
  • Das bekannte Kosmetikunternehmen Lancôme erreichte durch die Umstellung auf PWA eine Verdoppelung der Ladegeschwindigkeit einzelner Seiten und einen Anstieg der mobilen Sitzungen um 51 Prozent. Von noch größerem Interesse dürfte für das Unternehmen aber der Anstieg der Conversionrate um 17 Prozent sein.

Auch im Microsoft Store könnten Progressive Web Apps für frischen Wind sorgen und das Interesse der Nutzer spürbar ankurbeln. Durch die Implementierung des neuen Anwendungstyps dürfte es für viele User interessanter werden, im Microsoft Store shoppen zu gehen. Ist der Launch des neuen Microsoft Stores zunächst an das Upgrade auf Windows 11 geknüpft, soll das Portfolio in den nächsten Monaten auch unter Windows 10 verfügbar sein. In Anbetracht der hohen Systemanforderungen, die das Upgrade an die Endgeräte stellt, dürfte das für Microsoft-User eine gute Nachricht sein.

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