Die neuen Siemens-Handys können Hörschäden verursachen – Softwarefehler bei der 65er-Reihe

Die neuen Siemens-Handys können Hörschäden verursachen - Softwarefehler bei der 65er-Reihe

Wegen eines schwerwiegenden Softwarefehlers warnt die Mobilfunk-Sparte der Siemens AG (Siemens Mobile) vor allen Geräten ihrer neuen 65er Produktreihe. Im Extremfall kann die Nutzung dieser Siemens-Mobiltelefone zu Hörschäden führen. Mit den betroffenen Handys wollte Siemens den Rückstand zu der Konkurrenz wettmachen.

Wenn der Handy-Akku während eines Telefonats nach dreimaliger Warnung versagt, unterbrechen die Mobiltelefone die Verbindung zum Mobilfunknetz und schalten sich automatisch aus. Die Geräte signalisieren das vorher durch eine Melodie. Diese Ausschaltmelodie wird bei Siemens-Geräten der 65er-Reihe in bestimmten Fällen in zu hoher Lautstärke abgespielt. Geschieht dies während eines Telefonats, also während der Benutzer das Gerät noch an seinem Ohr hält, könnte das zu Hörschäden führen.
Laut dem Unternehmen wurde der Softwarefehler bei einem Labortest festgestellt. Er betrifft Siemens-Geräte der 65er-Reihe, die in Europa und Asien ausgeliefert werden und über die Softwareversion 11 oder kleiner verfügen. Siemens-Geräte zeigen die aktuelle Softwareversion an, wenn die Kombination *#06# und dann die linke Taste unter dem Display gedrückt wird.

Siemens empfiehlt, die Ausschaltmelodie der betroffenen Mobiltelefone zu deaktivieren. Das ist unter dem Menüpunkt „Einstellungen -> Klingeltöne -> weitere Töne -> Auschaltmelodie„ möglich. Der Hersteller hat bereits eine neue Softwareversion entwickelt, die derzeit von den Netzbetreibern getestet wird. Wenn die Netzbetreiber sie freigeben, wird sie „in den nächsten Wochen kostenlos zum Up-Date angeboten„, so Siemens Mobile. Kunden steht die Siemens-Hotline 01805 / 333226 (21 Cent pro Minute) zur Verfügung.

Nicht nur das Image von Siemens Mobile leidet unter dem unterlaufenen Fehler. Das Unternehmen muss auch mit hohen finanziellen Einbußen rechnen. Die Großkunden Vodafone, T-Mobile, E-Plus, o2 und Media Markt stoppten den Verkauf der neuen Handyreihe und nahmen die 65er Produktfamilie von Siemens aus den Regalen. „Ein Kunde schließt auch einen Vertrag ab, wenn er kein Siemens-Handy bekommen kann“, sagte eine E-Plus-Sprecherin. Der Netzbetreiber o2 hofft, Anfang September fehlerfreie Siemens-Geräte der 65er-Reihe anbieten zu können und erklärte: „So lange halten wir am Auslieferungsstopp fest“.
Hinzu kommen die Schadensersatzforderungen der Großkunden. Die Deutsche Telekom mit ihrer Mobilfunk-Tochter T-Mobile äußerte sich folgendermaßen: „Wir rufen Geräte zurück und rüsten diese mit neuer Software aus. Die Kosten dafür muss Siemens tragen“.

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