
Seit Anfang dieses Jahres müssen Telekommunikationsunternehmen mehr als die zur Abrechnung erforderlichen Verbindungsdaten aufzeichnen. (telespiegel-News vom 12.11.2007) Wann, wie lange, mit wem und von wo aus der Verbraucher telefoniert, SMS und E-Mails ausgetauscht bzw. gesurft hat, muss nun sechs Monate lang gespeichert werden. Auf Anfrage sollen die Anbieter ihre archivierten Informationen an die Behörden weitergeben. Das Ziel ist, bessere Möglichkeiten im Kampf gegen Kriminalität und Terrorismus zu schaffen.
Bereits im Vorfeld gab es zahlreiche und laute Proteste gegen die von der EG initiierte Vorratsdatenspeicherung. Und die Stimmen derer, die sie für diskriminierend und sogar unnötig halten, sind nicht leiser geworden. Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat kürzlich eine Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe eingelegt und hofft auf Aussetzung, bis darüber entschieden wurde. Recht außergewöhnlich und dadurch auch medienwirksam ist die Aktion, die der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung (AK Vorrat) jetzt ersonnen hat.
Er bietet Handynutzern einen Tausch ihrer Prepaidkarten an. Die Verbraucher sollen ihre Handykarten (SIM-Karten) an den Arbeitskreis senden und dafür die SIM-Karte eines anderen erhalten. Dadurch, dass die Handynutzer mit der Prepaidkarte eines anderen telefonieren, sei die Anonymität gewährleistet. Der Arbeitskreis selbst, so garantiert er, speichere die Daten der Tauschpartner nicht.
Voraussetzung für den Kartentausch sei unter anderem, dass die Prepaidkarte registriert ist. Prepaidkarten müssen bei dem Anbieter vor deren Freischaltung auf den Namen einer volljährigen Person angemeldet werden. Sendet der Prepaidkunde aber seine registrierte Karte an den Arbeitskreis, weiß er nicht, wer diese Karte erhalten und benutzen wird. Wird mit seiner immer noch auf seinen Namen angemeldeten Prepaidkarte Missbrauch betrieben, kann er haftbar gemacht werden. Hier stellt sich also die Frage, für wen die Tauschbörse von Vorteil ist: für die Handynutzer, die eine Zuordnung ihrer Verbindungsdaten umgehen wollen, oder für Kriminelle, die sicherlich dasselbe möchten.
Update vom 18.01.2008
Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat sich entschlossen, seine Handykarten-Tauschbörse „vorerst auszusetzen“. Diese Entscheidung fiel nach Angaben des Arbeitskreises auch nach Rücksprache mit IT- und Sicherheitsexperten. Er bedankt sich für zahlreiche Verbesserungsvorschläge von unabhängigen Experten, aufmerksamen Bürgern und den Medien. Die Aktion Kartentausch wird nun im Rahmen eines ehrenamtlichen Projekts des Arbeitskreis-Mitglieds Patrick Beyer fortgeführt. Auf dessen Internetseite (daten-speicherung.de) wird eingehender über die Risiken des SIM-Kartentauschs informiert, als es auf der Seite des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung der Fall war.
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