DDoS-Attacke – genervter Gamer legt Internet lahm

DDoS-Attacke - genervter Gamer legt Internet lahm

Wer sich an den Internetausfall vom 21. Oktober 2016 in den USA erinnert, vermutet wahrscheinlich Angriffe eines professionellen Hackernetzwerks oder einer ausländischen Macht dahinter. Der Ausfall betraf immerhin die halbe Ostküste und Dienste wie Twitter, eBay, Spottify und Netflix waren über Stunden nicht erreichbar. Der DNS-Anbieter Dyn kommt jedoch zu einem überraschend anderen Ergebnis. Dieses strapaziert jedoch sowohl den Glauben als auch die Grenzen der Fantasie.

Frustrierter Gamer mietet sich 150.000 Bots

Ein DDoS-Angriff ist ein Versuch, mit massenhaften Aufrufen innerhalb kürzester Zeit, Server zum Absturz zu bringen und so zum Beispiel zum Ausfall wichtiger Knotenpunkte im Internet beizutragen. Glaubt man dem für das ordnungsgemäße Routing von Teilen der amerikanischen Internetverbindungen zuständigen DNS-Anbieter Dyn, soll sich der Angriff wie folgt zugetragen haben: Ein frustrierter Gamer hat sich über die Sony Play Station geärgert. Dabei war er so genervt, dass er in seiner Wut auf Rache schwor. Er besorgte sich kurzerhand Verbindungen ins Darknet, wo er mal eben 150.000 Bots mietete. Mit der Idee, diese auf Sonys Server loszulassen, startete er einen DDoS-Angriff. Dabei nutzte er nicht nur Zombie-Rechner, sondern auch Smart-Home-Geräte wie Glühbirnen, Kameras und Haushaltsgeräte.

Der Angriff ging allerdings so dermaßen in die Hose, dass der Genervte sein virtuelles Wunder erlebte. Statt der Sony-Server schlugen die gemieteten Bots in die Nameserververgabe von Dyn ein. Die Folge: Seitenaufrufe konnten nicht mehr konnektiert werden, unzählige Webseiten waren nicht erreichbar. Die halbe Ostküste der USA war lahmgelegt. Was ein fabelhafter Erfolg!

Internet-Blackout an US-Ostküste: Was wirklich geschah ist ungewiss

Irgendwie erscheint die märchenhafte Geschichte des genervten Gamers so glaubwürdig wie ein Frosch, der sich in einen Prinzen verwandelt. Sollte jedoch tatsächlich ein beliebiger Play-Station-Spieler im Internet 150.000 Bots bekommen, wäre das allein schon ein düsteres Kuriosum. Wenn er diese aber ohne die damit verbundenen extremen Kosten mieten könnte und am Ende tatsächlich mit Glühbirnen das Internet in Teilen der USA lahmlegen kann, wäre das ein Armutszeugnis für die Sicherheitsverantwortlichen von systemrelevanten Anbietern bzw. Funktionen im Internet. Stimmt fas alles, hätte der Gamer seine Skills in Sachen „kriminelle Machenschaften im Internet“ sicherlich mit einem Sprung auf ein deutlich höheres Level gebracht.

Ganz nebenbei hält der Täter ganz in Eulenspiegel-Manier den Menschen den Spiegel vor. Denn was sich auch immer hinter den Nebeln dieser Geschichte auf Räuberpistolenniveau ereignet hat, zeigt die Anfälligkeit einer der Lebensadern der modernen Gesellschaft – dem um Smart Home erweiterten Internet.

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