
Telefonanschlüsse haben sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Auf den klassischen analogen Telefonanschluss folgte ISDN, inzwischen ist die IP-Telefonie der Standard. Telefongespräche werden dabei nicht mehr über ein separates klassisches Telefonnetz, sondern mithilfe des Internetprotokolls übertragen.
Begriffe wie Analoganschluss, ISDN, Anlagenanschluss oder Primärmultiplexanschluss sind dennoch nicht verschwunden. Sie begegnen Verbrauchern beispielsweise bei älteren Telefonen und Telefonanlagen. Für Unternehmen spielen zudem Rufnummernblöcke und moderne IP-Telefonanlagen eine Rolle.
Welche Telefon-Anschlussarten gibt es, worin unterscheiden sie sich und welche Technik wird heute verwendet?
Telefon-Anschlussarten im Überblick
Die wichtigsten Anschlussarten unterscheiden sich sowohl hinsichtlich ihrer Technik als auch bei der Zahl möglicher Gespräche und Rufnummern.
| Anschlussart | Technik | Typischer Einsatz | Bedeutung heute |
|---|---|---|---|
| Analoger Anschluss | klassische Analogtechnik | Privathaushalte | weitgehend durch IP ersetzt |
| ISDN-Basisanschluss | digital | Privatkunden, kleine Unternehmen | weitgehend durch IP ersetzt |
| IP-Anschluss / VoIP | Internetprotokoll | Privatkunden und Unternehmen | heutiger Standard |
| Anlagenanschluss | Telefonanlage mit Rufnummernblock | Unternehmen | weiterhin relevant, heute meist IP-basiert |
| Primärmultiplexanschluss | ISDN mit 30 B-Kanälen | größere Unternehmen | weitgehend durch IP-Lösungen ersetzt |
Analoger Telefonanschluss
Der analoge Telefonanschluss war jahrzehntelang der klassische Festnetzanschluss in Privathaushalten. Telefon oder Faxgerät wurden über eine Telefondose mit dem Telefonnetz verbunden.
Üblicherweise stand eine Rufnummer zur Verfügung. Gegenüber dem später eingeführten ISDN waren die Möglichkeiten begrenzt. Vornehmlich konnten über einen gewöhnlichen analogen Anschluss nicht zwei Telefongespräche gleichzeitig geführt werden.
Klassische analoge Telefonanschlüsse sind heute weitgehend durch IP-basierte Anschlüsse ersetzt worden.
Das bedeutet jedoch nicht, dass analoge Telefone nicht mehr verwendet werden können. Viele Router besitzen weiterhin Anschlüsse für analoge Endgeräte. Das Telefon wird dann mit dem Router verbunden. Dieser stellt die Verbindung zur IP-basierten Telefonie des Anbieters her.
Analoges Telefon am IP-Anschluss
Die Begriffe „analoges Telefon“ und „analoger Telefonanschluss“ sollten deshalb nicht verwechselt werden. Ein analoges Telefon bezeichnet zunächst die Schnittstelle beziehungsweise Technik des Endgeräts. Ein solches Telefon kann an einem modernen IP-Anschluss betrieben werden, wenn etwa der Router einen geeigneten analogen Telefonanschluss bereitstellt. Der eigentliche Anschluss des Telekommunikationsanbieters bleibt dabei IP-basiert.
ISDN-Anschluss
ISDN ist die Abkürzung für „Integrated Services Digital Network“. Mit ISDN wurde die Telefonie gegenüber dem analogen Anschluss digitalisiert und um zahlreiche Funktionen erweitert. Ein typischer ISDN-Basisanschluss besaß zwei B-Kanäle. Dadurch konnten zwei Verbindungen gleichzeitig genutzt werden. Es war unter anderem möglich, zu telefonieren, während über den zweiten Kanal ein weiteres Gespräch geführt wurde.
Ein ISDN-Mehrgeräteanschluss ermöglichte zudem die Verwendung mehrerer Rufnummern.
Zu den bekannten ISDN-Leistungsmerkmalen gehörten unter anderem:
Viele Funktionen, die zur ISDN-Zeit als technische Neuerung galten, gehören bei modernen Telefonanschlüssen inzwischen zum normalen Funktionsumfang.
Kann man ISDN-Geräte noch verwenden?
Klassische ISDN-Anschlüsse haben im öffentlichen Telefonnetz erheblich an Bedeutung verloren. Das bedeutet aber auch hier nicht zwangsläufig das Ende vorhandener Endgeräte. Je nach Router, Telefonanlage oder zusätzlichem Adapter können ältere ISDN-Geräte weiterhin betrieben werden. Entscheidend ist, ob die benötigte Schnittstelle bereitgestellt wird.
Insbesondere bei älteren Telefonanlagen in Unternehmen kann eine Umstellung allerdings aufwendiger sein. Vorhandene Systeme und spezielle Anwendungen sollten deshalb auf ihre Kompatibilität mit der IP-Telefonie geprüft werden.
IP-Anschluss: Telefonieren über VoIP
Bei heutigen Telefonanschlüssen wird Sprache in der Regel über IP-Netze übertragen. Die entsprechende Technik wird als IP-Telefonie oder Voice over IP – kurz VoIP – bezeichnet. Beim Telefonieren wird Sprache digitalisiert und in Datenpakete zerlegt. Diese Daten werden über ein IP-Netz übertragen und beim Empfänger wieder in Sprache umgesetzt. Eine separate klassische Telefonverbindung ist dafür nicht mehr erforderlich. Telefonie kann gemeinsam mit anderen Telekommunikationsdiensten über eine IP-basierte Infrastruktur bereitgestellt werden.
Für den Nutzer ist dieser technische Unterschied im Alltag kaum bemerkbar: Eine Telefonnummer wird gewählt und das Gespräch aufgebaut. Im Hintergrund funktioniert die Verbindung jedoch grundlegend anders als beim früheren analogen Telefonanschluss.
Welche Aufgabe hat der Router?
Bei einem typischen privaten Anschluss übernimmt der Router eine zentrale Funktion. Er stellt die Verbindung zum Netz des Telekommunikationsanbieters her und bindet gleichzeitig die Telefone im Haushalt ein. Je nach Router und Telefon können unterschiedliche Verbindungsarten verwendet werden. Dazu gehören beispielsweise:
- analoge Telefonanschlüsse am Router
- DECT für schnurlose Telefone
- IP-Telefone über das Heimnetz
- bei geeigneten Geräten Schnittstellen für ältere ISDN-Geräte
Dadurch können teilweise auch Telefone weiterverwendet werden, die ursprünglich nicht für die IP-Telefonie entwickelt wurden.
Vorteile eines IP-Anschlusses
Ein wesentlicher Vorteil der IP-Telefonie besteht darin, dass Sprache und andere Telekommunikationsdienste über eine gemeinsame technische Infrastruktur übertragen werden können.
Für Kunden ergeben sich je nach Anbieter und Tarif weitere Möglichkeiten:
- mehrere Rufnummern
- mehrere gleichzeitige Gespräche
- Verwaltung von Rufnummern über den Router
- Rufumleitungen und weitere Komfortfunktionen
- Nutzung unterschiedlicher Endgeräte
- teilweise bessere Sprachqualität durch HD-Telefonie
- Einbindung von Smartphones oder Computern
- flexible Telefonanlagen für Unternehmen
Welche Funktionen tatsächlich zur Verfügung stehen, hängt vom Telefonanbieter, Tarif, Router und den verwendeten Endgeräten ab.
Nachteile der IP-Telefonie
Die IP-Telefonie hat gegenüber klassischen Telefonanschlüssen auch Besonderheiten, die berücksichtigt werden sollten.
Ein wichtiger Punkt ist die Stromversorgung. Router und weitere Netzwerkkomponenten benötigen Strom. Fällt dieser aus, funktioniert normalerweise auch die darüber realisierte Festnetztelefonie nicht mehr. Das unterscheidet moderne IP-Anschlüsse von bestimmten früheren analogen Anschlüssen, bei denen ein einfaches Telefon über die Telefonleitung mit Strom versorgt werden konnte.
Auch eine Störung des Routers oder der IP-Verbindung kann dazu führen, dass die Festnetztelefonie vorübergehend nicht funktioniert.
Besondere Aufmerksamkeit benötigen Anwendungen wie Hausnotrufsysteme, Alarmanlagen, Aufzugnotrufe oder ältere Faxlösungen. Vorhandene Geräte sollten nicht allein deshalb als kompatibel angesehen werden, weil sie zuvor an einem analogen oder ISDN-Anschluss funktioniert haben.
IP-Anschluss und Internetanschluss sind nicht dasselbe
IP-Telefonie wird häufig mit „Telefonieren über das Internet“ beschrieben. Technisch ist diese Vereinfachung verständlich, sie kann jedoch zu einem Missverständnis führen. Ein IP-Telefonanschluss ist nicht mit einer bestimmten Internet-Zugangstechnik wie DSL verbunden. IP-basierte Telekommunikationsdienste können grundsätzlich über unterschiedliche Netzinfrastrukturen bereitgestellt werden.
Für den Telefonanschluss ist daher zwischen der Zugangstechnik und dem darüber angebotenen Telefondienst zu unterscheiden.
Was ist ein Anlagenanschluss?
Ein Anlagenanschluss richtet sich insbesondere an Unternehmen und Organisationen mit einer eigenen Telefonanlage. Kennzeichnend ist häufig ein Rufnummernblock. Die Telefonnummer besteht dabei aus Vorwahl, Stammrufnummer und Durchwahl. Ein Unternehmen kann beispielsweise über eine zentrale Rufnummer mit der Durchwahl „-0“ erreichbar sein. Mitarbeiter oder Abteilungen erhalten anschließend eigene Durchwahlnummern.
Telefonanlagen ermöglichen zusätzliche Funktionen wie:
- Weiterverbinden
- interne Rufnummern
- Gruppenruf
- Warteschleifen
- Rückfragen
- Makeln
- individuelle Rufweiterleitungen
Klassische Anlagenanschlüsse wurden häufig über ISDN realisiert. Heute kommen dafür überwiegend IP-basierte Lösungen zum Einsatz.
SIP-Trunk als moderner Anlagenanschluss
Bei Unternehmen spielt der sogenannte SIP-Trunk eine wichtige Rolle. SIP steht für „Session Initiation Protocol“. Über einen SIP-Trunk kann eine IP-fähige Telefonanlage mit dem Telefonnetz verbunden werden. Anders als bei einem einzelnen privaten VoIP-Anschluss können darüber zahlreiche Rufnummern beziehungsweise Durchwahlen und mehrere gleichzeitige Gespräche verwaltet werden. SIP-Trunks haben damit viele Aufgaben übernommen, für die früher ISDN-Anlagenanschlüsse oder Primärmultiplexanschlüsse verwendet wurden.
Neben einer Telefonanlage am Unternehmensstandort können Unternehmen inzwischen auch Cloud-Telefonanlagen einsetzen. Die zentrale Telefonanlage wird dabei als Dienst über ein Rechenzentrum bereitgestellt.
Primärmultiplexanschluss (PMX)
Der Primärmultiplexanschluss – häufig PMX-Anschluss genannt – war vor allem für größere Unternehmen und Organisationen vorgesehen. Während ein ISDN-Basisanschluss zwei B-Kanäle bereitstellte, verfügte ein Primärmultiplexanschluss über 30 B-Kanäle für Nutzverbindungen. Pro B-Kanal stand eine Datenrate von 64 kbit/s zur Verfügung. Dadurch konnten unter anderem zahlreiche Telefongespräche gleichzeitig geführt werden. Primärmultiplexanschlüsse dienten insbesondere dazu, größere Telefonanlagen mit dem öffentlichen Telefonnetz zu verbinden. Benötigte ein Unternehmen mehr Kapazität, konnten weitere Anschlüsse eingesetzt werden.
Mit der Migration der Telefonnetze auf IP-Technik haben klassische Primärmultiplexanschlüsse erheblich an Bedeutung verloren. Ihre Aufgaben werden heute typischerweise von IP-basierten Unternehmenslösungen übernommen.
Analog, ISDN und IP im Vergleich
Der technische Wandel lässt sich vereinfacht in drei Entwicklungsstufen darstellen.
Der analoge Telefonanschluss war auf vergleichsweise einfache Telefonie ausgerichtet. ISDN digitalisierte den Anschluss und ermöglichte mehrere parallele Verbindungen, mehrere Rufnummern und zusätzliche Leistungsmerkmale.
Mit IP-Telefonie wurde schließlich auch die klassische Trennung zwischen Telefonnetz und Datennetz weitgehend aufgehoben. Sprache wird heute als digitaler Dienst über IP-basierte Netze übertragen.
Für Verbraucher bedeutet dies allerdings nicht, dass sämtliche ältere Telefone ausgetauscht werden müssen. Häufig stellt der Router die benötigte Schnittstelle bereit.
Welche Telefon-Anschlussart wird heute verwendet?
Für Privatkunden stellt sich die frühere Entscheidung zwischen Analog, ISDN und IP bei einem neuen Anschluss normalerweise nicht mehr. Die Telefonie wird heute überwiegend IP-basiert bereitgestellt. Die klassischen Anschlussarten bleiben dennoch relevant, wenn ältere Endgeräte oder Telefonanlagen vorhanden sind.
Vor allem bei einem Wechsel des Telefon- oder Internetanbieters sollte deshalb geprüft werden, welche Anschlüsse der neue Router bietet. Wer etwa ein älteres analoges Telefon oder eine vorhandene Telefonanlage weiterverwenden möchte, benötigt eine entsprechende Schnittstelle oder eine andere kompatible Lösung.
Für Unternehmen sind darüber hinaus die Zahl der benötigten Rufnummern, Durchwahlen und gleichzeitigen Gespräche wichtige Auswahlkriterien.
Häufige Fragen zu Telefon-Anschlussarten
Was ist heute der normale Telefonanschluss?
Festnetztelefonie wird heute überwiegend IP-basiert bereitgestellt. Die Sprache wird dabei digital über IP-Netze übertragen. Diese Technik wird als IP-Telefonie oder Voice over IP (VoIP) bezeichnet.
Gibt es noch analoge Telefonanschlüsse?
Klassische analoge Telefonanschlüsse wurden weitgehend durch IP-Technik ersetzt. Analoge Telefone können trotzdem weiterhin verwendet werden, wenn insbesondere ein geeigneter Router eine entsprechende Schnittstelle bereitstellt.
Gibt es ISDN noch?
Klassische ISDN-Anschlüsse haben im öffentlichen Telefonnetz stark an Bedeutung verloren. Vorhandene ISDN-Telefone oder Telefonanlagen lassen sich abhängig von der eingesetzten Hardware teilweise weiterhin verwenden.
Was ist der Unterschied zwischen ISDN und VoIP?
ISDN basiert auf einer eigenen digitalen Telefontechnik mit fest definierten Kanälen. Bei VoIP wird Sprache dagegen in Datenpakete umgewandelt und über IP-basierte Netze übertragen.
Kann ich mein altes Telefon an einem IP-Anschluss verwenden?
Ein analoges Telefon kann häufig an einen entsprechenden Telefonanschluss des Routers angeschlossen werden. Bei ISDN-Geräten hängt die Weiterverwendung davon ab, ob Router, Telefonanlage oder ein geeignetes Gateway die notwendige Schnittstelle bereitstellen.
Benötigt IP‑Telefonie einen Router?
Bei den üblichen Anschlüssen für Privathaushalte übernimmt ein Router die Verbindung zum Netz und bindet die Telefone ein. Je nach Ausstattung können Telefone beispielsweise per Kabel oder DECT mit dem Router verbunden werden.
Funktioniert das Festnetz bei einem Stromausfall?
Bei einem üblichen IP-Anschluss in der Regel nicht. Router und andere aktive Netzwerkgeräte benötigen eine Stromversorgung. Ohne eine Notstromversorgung kann deshalb bei einem Stromausfall auch die Telefonie ausfallen.
Was ist der Unterschied zwischen VoIP und IP-Telefonie?
Die Begriffe werden im Alltag weitgehend synonym verwendet. VoIP steht für „Voice over IP“ und bezeichnet die Übertragung von Sprache über das Internetprotokoll. IP-Telefonie ist der übergeordnete Begriff für Telefoniedienste auf dieser technischen Grundlage.