Kreditvermittlung über eLolly – Soziale Idee oder unseriöses Angebot?

Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

Die Idee hat etwas von gewöhnlicher Partnervermittlung, aber in diesem Fall geht es nicht um romantische Gefühle, sondern um Geld. Privatleute sollen sich untereinander Kredite vergeben, auch wenn keine Bank das tun würde. Eine wirklich nette Idee ist es, die Gelder von Privatmenschen auf einer Plattform zu mobilisieren, um anderen vielleicht über eine Durststrecke zu helfen oder jemandem die Verwirklichung einer Idee zu ermöglichen, die sonst von niemanden unterstützt würde. Das ist auch ganz schön autonom.

Funktionieren soll das nach dem Prinzip der Partnersuche. Jeder gibt seine Vorstellungen in einem Profil ein, die Profile werden von eLolly verglichen und wenn sich Leiher und Verleiher in ihren Angaben überwiegend einig sind, kann das Geschäft gemacht werden. Wer der auf der anderen Seite ist, soll erst verraten werden, wenn sich die beiden einig sind. Dabei soll es nach dem Prinzip helfende Hand vor sich gehen, fair und unbürokratisch. Der Betreiber der Plattform erwarten laut ihren Angaben kein Stück von dem Kuchen, lediglich einmalig 9,50 € Verwaltungsaufwand werde fällig, heißt es auf der Homepage.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt jedoch vor diesem angeblich vollkommen selbstlosen Projekt. Die Verbraucherzentrale befürchtet zum Beispiel, dass sich bereits verschuldetet Mitmenschen aus Verzweiflung auf abenteuerliche Konditionen einlassen. Aber auch private Verleiher sollten einen starken Glauben an die Menschheit haben. Schließlich müssen sie sich bei geplatzten Verträgen selber um die ausstehenden Raten kümmern. Und all zu oft darf auch ein Privatmensch kein Geld verleihen, will er nicht wegen unerlaubter gewerblicher Bankgeschäfte in das Visier der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geraten.

Der Betreiber von eLolly, übrigens ist das ein Telefonmarketing-Unternehmen in Dortmund, verschafft sich hingegen über seine AGB eine pauschal weiße Weste. Dort heißt es, eLolly stelle ausschließlich die Plattform zur Verfügung, mehr nicht. Auch schließen sie jegliche Haftung dafür aus, dass sich keine schwarzen Schafe unter den Mitgliedern befindet, schließlich werden die gemachten Angaben der Mitglieder keiner weiteren Kontrolle unterzogen.

Eine satte Verdienstmöglichkeit lässt sich eLolly dann aber doch noch offen. Mit der Akzeptanz der AGB und Nutzung des Dienstes erklären sich die Mitglieder einverstanden, dass ihre Daten gegen Entgelt an `verschiedene Institutionen´ weitergegeben werden dürfen. Die verkauften Nutzerdaten könnten dann Werbezwecken und statistischen Erhebungen dienen. (Vielleicht auch bei Geldinstituten und Finanzvermittlern?) Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt vor der Kreditvermittlung über eLolly. Doch die Internetseite vermittelt den Nutzern offenbar ein gutes Gefühl, immerhin haben sich nach Angaben eines Sprechers bereits in der ersten Woche über 90.000 Kunden bei eLolly für jeweils 9,50 € registriert.

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