Arbeitnehmer lud seinen Handy-Akku – Kündigung wegen Stromdiebstahl

Kündigung weil Handy-Akku geladen

Diverse Kündigungsprozesse wegen kleiner Vergehen machen in den letzten Wochen Schlagzeilen. Dazu zählt auch ein Prozess, der das Arbeitsgericht Oberhausen beschäftigte. Eine Firma für Industriedichtungen hatte einen ihrer Arbeiter fristlos entlassen. Der 51-jährige hatte sein Handy an einer Steckdose der Firma geladen. Zudem habe er ein Foto von seinem Arbeitsplatz gemacht, lautete der Vorwurf.

An einem versteckten Platz habe er sein Mobiltelefon laden lassen, auf Kosten des Betriebes. Die betragen pro Handyladung rund 0,014 Cent, rechnete ein Experte aus. Dass andere Kollegen ihre Radios und auch Kaffeemaschinen an das betriebseigene Stromnetz angeschlossen haben, hatte bisher niemanden gestört. In dem Aufladen des Handyakkus sah der Arbeitgeber jedoch den Tatbestand des Diebstahls erfüllt und sprach dem Mann, der seit mehr als 14 Jahren in der Firma beschäftigt war, die fristlose Kündigung aus.

Auch habe er mit diesem Handy seinen Arbeitsplatz, eine Maschine zum Herstellen von Dichtungen, fotografiert. Das sei verboten, rügte der Arbeitgeber und nahm seinem Mitarbeiter das Versprechen ab, keine Fotografien mehr zu machen. Zudem zog er ihm zur Strafe eine halbe Stunde Arbeitszeit von seinem Lohn ab. Der Arbeitnehmer akzeptierte dieses Vorgehen. Das Bild habe er aber nur gemacht, weil sein kleiner Sohn habe wissen wollen, wo sein Vater den Tag verbringe und er ihm seinen Arbeitsplatz habe zeigen wollen.

Der ehemalige Arbeitnehmer, der nun HartzIV-Empfänger war, klagte gegen die Kündigung. Bei einem Gütetermin machte das Arbeitsgericht Oberhausen einen Vorschlag. Der Familienvater solle seinen Arbeitsplatz zurück erhalten, wenn er sich dazu verpflichte, dort zukünftig weder zu fotografieren noch sein Handy aufzuladen. Aber das Unternehmen lehnte ab. Weil er sich in den 14 Jahren seiner Betriebszugehörigkeit nichts zu Schulden habe kommen lassen mutmaßte der Ex-Arbeitnehmer gekündigt worden zu sein, um seinen Arbeitsplatz mit einem anderen Mitarbeiter zu besetzen, der weniger Lohn verlange. Das Unternehmen war zu keiner Stellungnahme bereit.

Kurz darauf nahm die Firma jedoch die fristlose Kündigung wegen Stromdiebstahls zurück und stellte den Mann wieder ein. Am heutigen Donnerstag darf er wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren. Er hat nun auch die Klage gegen seinen neuen, alten Arbeitgeber zurückgezogen. Ob die Medienaufmerksamkeit oder vielleicht eine Einsicht das Unternehmen zu diesem Schritt bewegt hat, wurde nicht bekannt. Vielleicht muss es aber die Gerichtskosten übernehmen und die sind deutlich teurer als eine Akkuladung voll Strom.

Quelle: sueddeutsche.de

Weitere Informationen

Gerichtsurteile – Handy
Mobiles Internet

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


siebzehn − 12 =

Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Elektroschrott – neue Rücknahme-Pflicht tritt am 1. Juli in Kraft

Elektroschrott

neue Rücknahme-Pflicht tritt am 1. Juli in Kraft

Deutschland gehört zu den zehn Ländern weltweit, die jährlich am meisten Elektroschrott verursachen. Ab dem 1. Juli können Altgeräte nun auch in Discountern und Lebensmittelläden abgegeben werden. Hierdurch soll eine verbraucherfreundliche Rückgabemöglichkeit geschaffen werden. […]

Verbraucherschutz – ab dem 1. Juli ist der Kündigungsbutton Pflicht

Verbraucherschutz

Ab dem 1. Juli ist der Kündigungsbutton Pflicht

In wenigen Tagen tritt eine neue Regelung in Kraft, die den Verbraucherschutz weiter stärken soll. Unternehmen, die Vertragsabschlüsse über ihre Webseite anbieten, müssen dann einen sogenannten Kündigungsbutton einrichten, der die Kündigung erleichtern soll. […]

Betrugsmasche in Facebook – Trickbetrüger geben sich als Prominente aus

Betrugsmasche in Facebook

Trickbetrüger geben sich als Prominente aus

Im Glauben daran, eine Familienbeihilfe in Höhe von 30 000 Euro zu erhalten, überwies eine Seniorin aus der Nähe von Hannover mehr als 2 200 Euro an Betrüger. Diese hatten sich zuvor auf Facebook als bekannter Politiker ausgegeben. […]

Telegram-Premiumversion – exklusive Features gegen monatliche Gebühr

Telegram-Premiumversion

Exklusive Features gegen monatliche Gebühr

Telegram geht als erster großer Messenger-Dienst den Schritt und führt eine kostenpflichtige Premium-Version ein. User, die diese Mitgliedschaft abschließen, können auf exklusive Features zurückgreifen, die in der Basisversion nicht zur Verfügung stehen. Auch WhatsApp könnte bald auf ein ähnliches Modell setzen. […]

O2 myHome-Tarife – 50% inkl. 120 Euro Ersparnis für alle Neukunden

Die O2 myHome-Tarife

50% inkl. 120 Euro Ersparnis für alle Neukunden

Neukunden, die sich für einen der O2 myHome-Tarifen über LTE/5G entscheiden, erhalten 50% auf den Anschlusspreis sowie eine monatliche Preisersparnis von jeweils 10 Euro im ersten Jahr. Die HomeSpot-Tarife ermöglichen es, schnell und unkompliziert loszusurfen. […]