Urteil – Vermieter von Telefonanlage ist nicht für Schutz vor Hackern zuständig

Telefon

Ein mittelständisches Unternehmen mietete eine Telefonanlage, die sie in ihrem Geschäftssitz nutzte. Von dem späteren Beklagten, einer auf die Bereitstellung von Telekommunikationsanlagen spezialisierten Firma, erhielt es eine betriebsfähige Telefonanlage mit einem integrierten Mailboxsystem. Die Planung, Installation, Wartung und den Support der Anlage übernahm der Vermieter. Der Mieter wurde darauf hingewiesen, dass das Standardpasswort durch ein individuelles Passwort ersetzt werden sollte. Außerdem wurde das Unternehmen von dem Vermieter später darauf hingewiesen, dass gerade vermehrt Hackerangriffe auf das integrierte Mailboxsystem solcher Telefonanlagen durchgeführt wurden, welche teilweise zu erheblichen Schäden durch Verbindungskosten in das Ausland geführt hätten. Deshalb sollten keine leicht zu erratenden oder Standard-Passwörter verwendet werden. Der Vermieter bot unter anderem an, per Fernwartung ein Upgrade zu installieren, durch das die Anzahl der Einwahlversuche in die Mailbox automatisch auf drei Fehlversuche begrenzt werde.

Auf diese Hinweise reagierte das Unternehmen nicht. Auch hatte es das Standardpasswort nicht gegen ein individuelles Passwort ausgetauscht. Für den selben Monat erhielt es eine Telefonrechnung in Höhe von 72.470,37 €. Alleine an einem Tag erfolgten von dem Telefonanschluss des Unternehmens über 1.000 Anrufe nach Aserbeidschan, obwohl dorthin keine Geschäftsbeziehungen bestanden, sowie zahlreiche Anrufe auf die Cook-Islands und in andere Länder.

Nun änderte das Unternehmen das interne Passwort, bestellte das kostenpflichtige Upgrade bei dem Vermieter der Anlage und informierte ihn zugleich, dass die Telefonanlage gehackt worden sei. Das Unternehmen machte den Vermieter für die mangelnde Sicherheit verantwortlich, die angeblich zu der hohen Telefonrechnung geführt haben soll. Aus dem Mietvertrag ergebe sich die Verpflichtung des Unternehmens, die Anlage vor Angriffen Dritter zu schützen, entgegnete der Vermieter.

Das Landgericht Köln hatte die Klage abgewiesen. (Aktz. 23 O 322/12) Der Vermieter hafte weder vertraglich noch gesetzlich für einen eventuell durch Hacker entstandenen Schaden. Das Unternehmen ging vor das Oberlandesgericht Köln in Berufung. Auch dieses Gericht war der Meinung, dass der Vermieter der Anlage nicht für den Schutz vor Hackern zuständig ist, wenn dies nicht explizit in dem Mietvertrag vereinbart wurde. Die Berufung wurde abgewiesen.

Oberlandesgericht Köln, Aktz. 19 U 50/13 vom 16.07.2013

Weitere Informationen

Telefonanbieter

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


fünf + drei =

Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Samsung Galaxy S10

Samsung Galaxy S10 – Vier neue Smartphones aus der Galaxy-Familie

Samsung stellte offiziell seine neuen Smartphones aus der Galaxy S10-Reihe vor. Das neue Smartphone wird es in vier Varianten geben, die sich in Größe, Ausstattung und Preis unterscheiden. Dazu zählt auch eine 5G-Variante.... mehr
schul.cloud

Schul.cloud – Schuleigene Messenger für alle Lehrer und Schüler

Digitale Medien haben längst Einzug in jedes Klassenzimmer gehalten und sind aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken. Jedoch ist WhatsApp aus Datenschutzgründen an Schulen nicht zulässig. Schul.cloud bietet einen schule... mehr
Onlinebanking

PSD2 – Online-Zahlungen werden sicherer, aber komplizierter

Im September 2019 treten neue Regelungen entsprechenden der PSD2 in Kraft. Dazu zählt auch die sogenannte starke Kundenauthentifizierung. Bank- und Zahlungsdienstleister-Kunden müssen sich dann bei einer Zahlung durch einen... mehr
urteile-internet

Urteil – Posten von Fotos einer Ausstellung in Facebook-Gruppe

Ein Facebook-Nutzer nahm Fotos von Exponaten einer Ausstellung auf und postete sie in einer geschlossenen Facebook-Gruppe. Die Exponate seinen Teil eines Sammelwerkes und die Fotos der Öffentlichkeit zugänglich gemacht word... mehr
Telekom Speedbox

Die neue Speedbox – Mobiler Hotspot der Telekom

Die neue Speedbox ist ein mobiler Hotspot der Telekom, den es mit zwei unterschiedlichen Tarifen gibt. Sie bietet Kunden LTE-Geschwindigkeiten und den Anschluss von Endgeräten per LAN oder WLAN. Die Akkulaufzeit beträgt bis... mehr
geld

Verbotene Internet-Casinos – Deutsche Banken verdienen mit

Online-Casinos sind in Deutschland illegal. Doch die Betreiber argumentieren, das Verbot verstoße gegen EU-Recht. Dass dies nicht so ist, ist in einem Urteil nachzulesen. Doch die Behörden setzen das Verbot nicht ausreichen... mehr