Brockhaus – das Lexikon-Urgestein kehrt zurück

Brockhaus, Lexikon-Urgestein

Das Internet hat kaum einen Wirtschaftsbereich so verändert wie den Buchmarkt. Zu spüren bekamen das kleine und große Händler, aber auch Verlage. Die scheinbare Verfügbarkeit von unbegrenztem Wissen im WWW hat aber ein Segment besonders getroffen: Wissenspublikationen. Eines der großen Lexika-Urgesteine, der Brockhaus, hat diesem Wandel lange versucht zu widerstehen. Anfangs profitierte der Verlag von aggressiven und lang wirkenden Vermarktungserfolgen. Irgendwann gab es für den Brockhaus aber gegen Wikipedia und andere Online-Quellen keine Chance mehr. Letztes Jahr hatte Bertelsmann, als Mutterkonzern des den Brockhaus vertreibenden Unternehmens ImmediaOne, die Lexikonserie in gedruckter Form eingestellt. Doch inzwischen sind die redaktionellen Inhalte an die schwedische Nationalenzyklopedin (deutscher Ableger: NE GmbH) lizenziert. Diese will dem Brockhaus in digitaler Form wieder zu alter Stärke verhelfen.

Der Brockhaus als fundierte Quelle

Wie viele andere Lexika ist der Brockhaus offenen Wissensdatenbanken in einem Punkt überlegen: Die Definitionen und Ausführungen zu Begriffen, Personen und Ereignissen sind von Spezialisten verfasst, die sich mit dem jeweiligen Thema wirklich auskennen. Damit hat der Brockhaus etwas, was in offenen Wissensdatenbanken verloren gehen kann oder in Redaktionsdiskussionen von engagierten, aber nicht immer spezialisierten Editoren als vermutlich nebensächlich herausgefiltert wird: Spezialkenntnisse. Wenn bspw. mehrere Dutzend Personen in Wikipedia einen Artikel verfassen, müssen diese nicht zwingend die besten Quellen kennen oder die Zusammenhänge verstehen. Daher sind offene Wissensdatenbanken tendenziell ein Spiegelbild des gesellschaftlichen Allgemeinwissens, ohne aber zwingend detailliertes Spezialwissen zu enthalten. Das ist beim Brockhaus in aller Regel anders. Hier schreiben geschulte Redakteure und Experten über bestimmte Themen. Das macht Lexika wie den Brockhaus zu einer sehr fundierten Wissensquelle.

Brockhaus Wissensservice als digitale Zitatquelle

Zukünftig wird es den Brockhaus als digitales Nachschlagewerk geben. Damit geht Nationalenzyklopedin einen anderen Weg als Wikipedia und Co. Es gibt keine frei verfügbare Webseite, sondern Kunden können das Lexikon als Datenbank „Brockhaus Wissensservice„ in ihre Informationssysteme integrieren bzw. nutzen. Ein erster Kunde ist die Bayerische Staatsbibliothek. Ebenfalls in diese digitale Version überführt sind bisher allein erhältliche Werke wie „Unesco Welterbe„, „100 Meisterwerke„ oder der „Harenberg Kulturführer„. Dabei verspricht der Herausgeber, die Inhalte bei Bedarf täglich zu aktualisieren.

Das Angebot richtet sich in erster Linie nicht an Endkunden, sondern an Institutionen, Universitäten und Schulen. Der besondere Vorteil: Die Aufbereitung als digitaler Service ist voll zitierfähig, sodass sich Quellenangaben automatisch in Literatursoftware einbinden lassen. Damit wird der Brockhaus zu einer wichtigen Quelle für fundierte Arbeiten.

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