Gema – Internetradios müssen in Deutschland immer zahlen

Falle

Wer Musik öffentlich wiedergibt, muss in Deutschland GEMA-Gebühren zahlen. Ziel dieser Regelung ist es, die Urheber der musikalischen Werke für Ihre Schöpfung zu honorieren. Neben einer Förderung der Musik insgesamt geht es vor allem darin, die Leistungsschutzrechte der Urheber zu wahren und Ihnen die wohl verdienten Tantiemen zukommen zu lassen. Kurz: Sie sollen dann verdienen, wenn Ihre Werke irgendwo aufgeführt oder wiedergegeben werden. Die Pflicht zur Zahlung der Gema-Gebühren gilt auch für Internetradios – und zwar auch dann, wenn die lizenzgebende Station im Ausland bei einer anderen Verwertungsgesellschaft für Leistungsschutzrechte bereits Gebühren gezahlt hat.

Webradios senden über ausländische Portale Audiostreams in Deutschland

Was sich zunächst völlig normal und harmlos anhört, entpuppt sich für Anbieter von Audiostreams oder Webradios also schnell als Bumerang. Diese nutzen große Portale aus dem Ausland SoniXCast oder Radionomy, um einen eigenes kleines Radioprogramm zu schaffen. Die Ausstrahlung läuft live im Internet. Die großen Online-Radioportale bieten dazu einen Service gegen eine geringe Gebühr an, mit der die Nutzer nicht nur einen eigenen Sender konfigurieren können, sondern angeblich auch alle Gebühren für Urheberrechte bzw. Leistungsschutzrechte abgegolten sind. Denn diese Portale haben Lizenzvereinbarung mit einer Leistungsschutzgesellschaft in ihrem jeweiligen Heimatland geschlossen.

Urteile bestätigen Gema-Pflicht

Wer in Deutschland lebt und ein solches Webradio anbietet, sendet jedoch sein Online-Radio natürlich auch hierzulande. Die Gema sieht daher die Pflicht, dafür Gebühren zu zahlen – zusätzlich zu der, die das Portal im Heimatland zahlt. Vor Gericht erhielt die Gema Recht. Sowohl das Oberlandesgericht München (Az.: 29 U 4432/14 und 29 W 2271/14) sowie das Landgericht Köln (Az.: 14 O 334/14) und das Landgericht München (Az.: 7 O 10077/14) bestätigten die Gema-Pflicht für deutsche Online-Radio-Angebote. Kurz zusammengefasst heben die Urteile die Pflicht zur Gema-Lizenzierung in Form von Gebührenzahlung hervor, wenn die Angebote von Deutschland aus betrieben werden. Da der verantwortliche Nutzer in Deutschland lebt, trifft die Gema-Pflicht unabhängig von Lizenzvereinbarungen der übergeordneten Portalbetreiber entsprechend voll zu. Das gilt sogar dann, wenn der Portalbetreiber im Impressum des Streamingangebots als Betreiber hinterlegt ist.

Online-Radios sind kein kostenloses Unterhaltungshobby

Obwohl die Online-Radioportale weiter mit voller Übernahme der Lizenzgebühren locken, trifft dies nach Rechtslage nicht zu. In Deutschland lebende Radio-Streaming-Anbieter müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie zusätzlich zur geringen Gebühr für die Bereitstellung der Infrastruktur an die Portalbetreiber auch eine Lizenzierung mit der Gema vereinbaren müssen. Ein von Deutschland aus betriebener Web-Radio-Kanal ist damit kein kostengünstiges Hobby. Die Betreiber müssen sich vielmehr rechtlich absichern und die eingeräumten Rechte prüfen sowie Lizenzgebühren entrichten.

Mehr Informationen

Ratgeber Internet – viele Tipps & Tricks

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Internetnutzung sinkt deutlich - Warum Menschen bewusster online sind

Internetnutzung sinkt erstmals deutlich

Warum viele Menschen bewusster online sind

Weniger Smartphone, weniger Social Media, weniger Zeit im Netz: Eine aktuelle Studie zeigt einen überraschenden Trend. Immer mehr Menschen reduzieren ihre Internetnutzung bewusst – und suchen nach mehr Konzentration, Ruhe und digitaler Balance im Alltag. […]

Neue Strom-Regeln ab Juni – Nachbarn dürfen ihre Energie teilen

Neue Strom-Regeln ab Juni

Nachbarn dürfen ihre Energie teilen

Eine Gesetzesänderung macht Energy Sharing in Deutschland möglich. Haushalte, Vereine und Unternehmen dürfen selbst erzeugten Strom künftig lokal teilen. Doch trotz großer Chancen gibt es noch offene Fragen bei der Umsetzung. […]

Messenger-Betrug 2026: KI macht WhatsApp- und SMS-Betrug gefährlicher

Messenger-Betrug 2026

KI macht WhatsApp- und SMS-Betrug gefährlicher

Eine aktuelle Kaspersky-Studie zeigt: Betrüger verlagern ihre Angriffe immer stärker auf WhatsApp, Telegram und andere Messenger. Künstliche Intelligenz macht die Nachrichten dabei täuschend echt – mit teils erheblichen finanziellen Folgen für die Opfer. […]

Silent Calls

Silent Calls

Warum stumme Anrufe ein Warnsignal sein können

Das Telefon klingelt, doch am anderen Ende meldet sich niemand. Was wie ein harmloser Fehlanruf wirkt, kann Teil einer professionellen Betrugsmasche sein. Kriminelle nutzen sogenannte Silent Calls, um aktive Telefonnummern zu identifizieren und gezielt für spätere Betrugsversuche auszuwählen. […]

Kampf um Router-Freiheit – Verbraucherschützer klagen gegen Vodafone

Kampf um Router-Freiheit

Verbraucherschützer klagen gegen Vodafone

Darf Vodafone Kunden bei Glasfaseranschlüssen bestimmte Modems vorschreiben? Genau diese Frage soll nun ein Gericht klären. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz sieht die gesetzlich verankerte Endgerätefreiheit in Gefahr und zieht vor das Oberlandesgericht Hamm. […]

De-Mail Ende

De-Mail endgültig eingestellt

Das Digitalprojekt, das zum Flop wurde

Als sichere Alternative zur E-Mail, startete der De-Mail-Dienst. Jetzt ist nach 15 Jahren allerdings Schluss. Denn das Projekt war nie wirklich erfolgreich und hatte mit Sicherheitsbedenken zu kämpfen, weshalb es nur wenige Bürger nutzten. […]