FlightSimLabs – Flugsimulator liest Chrome-Passwörter aus

Passwort

Raubkopierer machen Entwicklerstudios immer wieder das Leben schwer. Denn eine signifikante Anzahl unberechtigt installierter Spiele oder anderer Programme kann zu erheblichen Einnahmeeinbußen führen. Daher wehren sich die Entwickler mit Kopierschutzmaßnahmen. FlightSimLabs ist nun deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Denn die Programmierer des Microsoft Flight Simulator X integrierten einen Schadcode in den Kopierschutz, der Passwörter des Chrom-Browsers auslesen kann. Diese Maßnahme gab FlightSimLabs zu und verteidigte sich im Spieleforum zum Flugsimulator. Der Aufstand ist groß.

Darum nutzte FlightSimLabs Malware

Die Entwickler wollten mit ihrer eingeschleusten Malware als Schutzmechanismus gegen Raubkopierer vorgehen. Es fiel ihnen vorher auf, dass Raubkopien an bestimmten Mustern zu erkennen waren. Daher installierten sie ein mit Admin-Rechten ausgestattetes Programm in den Kopierschutz, das die Passwörter aus dem Webbrowser Chrome auslesen sollte. Mit diesen war es ihnen offenbar möglich, die Tauschbörse sowie die betroffenen Kopien und ihre Nutzer ausfindig zu machen. Hier wollte das Studionach Aussagen der Entwickler mit den Behörden zusammenarbeiten. Nutzer einer regulär gekauften Version des Flugsimulators sollen nicht betroffen sein.

Nutzeraufstand gegen Kopierschutz mit Schadcode

Soweit klingt das nach dem genialen Schachzug, als der diese Aktion gedacht war. Denn FligtSimLabs konnte so Kriminelle identifizieren. Allerdings haben die Softwareentwickler die Rechnung ohne die Spieler gemacht. Die Community des beliebten Flugsimulators tobte und forderte, diesen Angriff auf die Computer sofort einzustellen. Die Entwickler haben den Kopierschutz mit einem Update daraufhin bereinigt. Dennoch bot der Hersteller zuletzt an, auf Wunsch Käufern das Geld zurückzuerstatten.

Das Problem: Angriff auf Computer der Flugsimulator-Spieler

Die vermeintlich gute Tat ging nicht nur in der Spielergemeinde gehörig nach hinten los. Auch wenn die Absicht verständlich ist, Raubkopierern das Handwerk zu legen: Das Programm ist ein Angriff auf den Computer der ehrlichen Nutzer. Diese können sich trotz anders lautender Beteuerungen nicht sicher sein, ob ihre Passwörter nicht auch ausgelesen wurden. Ratsam ist zumindest, dass alle Spieler des Microsoft Flight Simulator X ihre Login-Daten für alle in Chrome gespeicherten Online-Zugänge vorsichtshalber ändern.

Diese kuriose Meldung zeigt zum einen mit welchen Mitteln die Entwickler versuchen, gegen Raubkopierer vorzugehen. Der finanzielle Schaden scheint riesig zu sein. Zum anderen zeigt dieser Fall jedoch auch deutlich auf, welche Gefahren von scheinbar harmloser Software ausgehen können. Denn niemand kann sicher sein, dass ein Anbieter oder ein einzelner Programmierer nicht absichtlich Malware oder andere Sicherheitslücken in ein Programm einbaut, um einen Rechner – in guter öder böser Absicht – anzugreifen. Umso erschreckender ist, dass es diesmal das Entwicklerstudio eines weltweit beliebten Programmes war, das mit solchen Mitteln zu Werkle geht. Es ist unklar, ob und wie viele Entwickler möglicherweise Gleiches getan haben, ohne darüber zu sprechen.

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