Vier Netzbetreiber zahlen 6,5 Milliarden – 5G-Versteigerung beendet

Machtkampf

Die Mobilfunkfrequenzen aus den Bereichen 2 GHz und 3,6 GHz wurden am Mittwochnachmittag in der 497. Auktionsrunde versteigert. Damit geht die Versteigerung von insgesamt 420 MHz in Mainz nach 52 Tagen zu Ende. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur:

„Das Ende der Auktion ist zugleich der Startschuss für 5G in Deutschland. Ich freue mich, dass vier Unternehmen Frequenzen ersteigert haben und beim 5G-Netzausbau in Wettbewerb treten. Die Frequenzen sollen nicht nur für den neuen Mobilfunkstandard 5G, sondern auch für eine bessere Mobilfunkabdeckung in Deutschland eingesetzt werden. Es liegt nun in der Hand der Unternehmen die Frequenzen zügig zu nutzen und die damit verknüpften Versorgungsauflagen zu erfüllen“

Auktion geht bei knapp 6,6 Milliarden zu Ende

Nach fast drei Monaten Auktionskampf wurden die Frequenzen von den vier Unternehmen Telekom Deutschland GmbH, Vodafone GmbH, Telefónica Deutschland GmbH & Co. OHG und Drillisch Netz AG erworben. Der Wert der ersteigerten Frequenzen liegt bei insgesamt 6 549 651 000 Euro. Die am 19. März begonnene Versteigerung ist damit sowohl die längste als auch die teuerste (ausgenommen von der Mobilfunkauktion für UTMS-Frequenzen im Jahr 2000) Frequenzauktion in der deutschen Mobilfunk-Geschichte. Die Deutsche Telekom GmbH und die Vodafone GmbH erwarben jeweils 90 MHz im 3,6 GHz-Band, welches für die nächste Mobilfunkgeneration 5G vorgesehen ist. Telefónica Deutschland sicherte sich 70 MHz des 3,6 GHz-Bands und der Neueinsteiger 1&1 Drillisch 50 MHz. Die Deutsche Telekom und Vodafone sicherten sich darüber hinaus jeweils vier Blöcke im 2 GHz-Band, Telefónica und 1&1 Drillisch jeweils zwei.

Markteintritt eines weiteren Netzbetreibers

Mit dem Ende der Versteigerung tritt 1&1 Drillisch vermutlich als neuer und damit vierter Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland in den Markt ein. Ziel des Netzbetreibers ist es, ein leistungsfähiges Mobilfunknetz aufzubauen.

Startschuss für die Mobilfunkgeneration 5G?

Das Nutzungsrecht für die 5G-Frequenzen, das in der Auktion ersteigert wurde, gilt ab dem Jahr 2021 bzw. 2026 und ist mit Auflagen verbunden, die den Netzausbau in Deutschland vorantreiben sollen. Die knapp 6,6 Milliarden Euro wurden von den Netzbetreibern demnach lediglich dafür ausgegeben, die 5G-Frequenz nutzen zu dürfen. Die Kosten für den Bau der 5G-fähigen Sendemasten sind in dieser Summe jedoch noch nicht inbegriffen. Der Digitalexperte der Grünen, Konstantin von Notz, fürchtet daher, dass es durch die hohen Ausgaben bei der Auktion zu jahrelangen Verzögerungen im 5G-Ausbau kommen wird. Das Geld, dass bei der Versteigerung verwendet wurde, könne den Unternehmen jetzt für den Ausbau der Netze fehlen. Auch von der Deutschen Telekom und von Vodafone werden die Bedingungen für das Vergabeverfahren kritisiert, da die hohen Kosten für die Auktion nun als Investition in das 5G-Netz fehlen. Der Bundesminister für Verkehr und Infrastruktur, Andreas Scheurer, ist hingegen optimistisch: „Der Erlös von rund 6,6 Milliarden Euro wird den weiteren Netzausbau entscheidend voranbringen“. Von Seiten der Netzbetreiber wird gefordert, dass der gesamte Erlös der Frequenz-Versteigerung in die Mobilfunkinfrastruktur gesteckt wird.

Für die drei großen Provider gibt es folgende Ausbauvorgaben:

  • Bis Ende 2022: Mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland sollen Übertragungsraten von mindestens 100 Megabit pro Sekunde (Mbps) nutzen können.
  • Bis Ende 2022: Übertragungsrate an wichtigen Bundesstraßen (Verbindungsfunktionsstufen 0 / 1) – mindestens 100 Mbps und maximal 10 Millisekunden (ms) Latenz.
  • Bis Ende 2022: Übertragungsrate an Schienenwegen mit mehr als 2.000 Fahrgästen pro Tag – mindestens 100 Mbps.
  • Bis Ende 2024: Übertragungsrate an allen übrigen Schienenwegen – mindestens 50 Mbps.
  • Bis Ende 2024: Übertragungsrate an allen übrigen Bundesstraßen – mindestens 100 Mbps und höchstens 10 ms Latenz.
  • Bis Ende 2024: Übertragungsrate an allen Landes- und Staatsstraßen – mindestens 50 Mbps.
  • Bis Ende 2024: Übertragungsrate an Seehäfen sowie am Kernnetz der Wasserstraßen im Binnenbereich – mindestens 50 Mbps.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt fordert, dass der Staat künftig dort Mobilfunkmasten baut, wo der Netzausbau nicht funktioniert. Diese Forderung begründet er damit, dass Deutschland als führende Wirtschaftsnation den Anspruch haben müsse, eines der besten Mobilfunknetze weltweit zu besitzen. Bis 2022 müssen 98 Prozent der Haushalte mit schnellem Internet versorgt werden. Dies entspricht jedoch nur 80 bis 90 Prozent der gesamten Fläche Deutschlands. Insbesondere Menschen in ländlichen Regionen werden demnach voraussichtlich weiterhin nicht von dem schnellen Internet profitieren.

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