Urteil – SIM-Karte und PIN müssen Handy-Kunden separat zugesandt werden

Urteil - SIM-Karte und PIN müssen Handy-Kunden separat zugesandt werden

Wenn man bei einem Mobilfunk-Anbieter eine SIM-Karte bestellt, die aber von einem Unbefugten abgefangen wird und der damit telefoniert, ist das sehr ärgerlich, vor allem wenn man für diese Kosten aufkommen soll. Ein Gericht hat jetzt entschieden, dass SIM-Karten und die dazu gehörenden PIN-Nummern zum Schutz der Beteiligten separat verschickt werden müssen.

Ein Mann hatte bei seinem Mobilfunkanbieter eine zusätzliche SIM-Karte bestellt. Diese wurde ihm von dem Unternehmen in einem Briefkuvert zusammen mit der PIN-Nummer und der neuen Rufnummer zugesendet. Doch die Sendung erreichte den Empfänger nicht. Die Ex-Frau des Mannes, die noch in dem selben Haushalt lebte, nahm den Brief entgegen. Sie aktivierte die SIM-Karte in ihrem Handy und führte damit Telefonate, ohne ihren Ex-Mann darüber zu informieren. Auch die Rechnungen enthielt sie ihm vor, freilich ohne sie zu begleichen.

Insgesamt 5.420,- € waren angefallen, bevor der Mobilfunkanbieter den Anschluss für weitere abgehende Verbindungen sperrte. Da der Mann der Vertragspartner des Mobilfunk-Anbieters war, forderte das Unternehmen von ihm die Zahlung des Betrages. Allerdings weigerte sich dieser, für die Telefonate seiner Ex-Frau aufzukommen. Ein Gericht musste sich mit dem Fall beschäftigen, denn der Mobilfunk-Anbieter klagte daraufhin gegen den Mann.

Der Fehler liege bei dem Unternehmen, entschied das Landgericht Rottweiler, denn das habe versäumt, seinen Kunden vor dem Kartenmissbrauch durch unberechtigte Dritte zu schützen. Schließlich sei es heutzutage eine Selbstverständlichkeit, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, wenn die Gefahr des Missbrauchs mit hohen Folgekosten bestehe. Der Anbieter hätte die SIM-Karte separat und zeitlich versetzt zu der PIN-Nummer verschicken müssen. Oder das Unternehmen hätte zumindest das Postident-Verfahren nutzen sollen, bei dem der Postangestellte mittels Ausweis und Unterschrift sicherstellen kann, dass der Empfänger der berechtigte Adressat ist. Doch der Anbieter habe gegen seine vertragliche Schutzpflicht verstoßen und aus diesem Grund sei der Kunde von seiner Zahlungspflicht befreit. (Aktz.: 1 O 26/04)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Nachhaltige Optionen – Google-Maps zeigt Alternativen zum Autofahren

Nachhaltige Optionen

Google-Maps zeigt Alternativen zum Autofahren

Der Tech-Riese Google will die Nutzer seiner Maps-App zur Nutzung von nachhaltigen Verkehrsmitteln animieren. Hierzu werden zahlreiche Änderungen im Routenplaner vorgenommen. Mit dem neuen Feature sollen leichter umweltbewusste Entscheidungen getroffen werden können. […]

Achtung, Betrug – so können KI-Fake-Anrufe enttarnt werden

Achtung, Betrug

So können KI-Fake-Anrufe enttarnt werden

Betrügerische Anrufe und Nachrichten sind aufgrund des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz immer schwieriger zu erkennen. Um sich dennoch vor den betrügerischen Absichten zu schützen, hilft eine Frage, die bei einem vermeintlichen Hilfeanruf gestellt werden kann. […]

Unzulässige Internet-Sportwetten – Spieler können Einsatz zurückfordern

Unzulässige Internet-Sportwetten

Spieler können Einsatz zurückfordern

Spieler können ihre im Internet verlorenen Wetteinsätze von ausländischen Anbietern zurückfordern. Nämlich dann, wenn der Anbieter der Online-Sportwetten zu diesem Zeitpunkt keine gültige Lizenz für Deutschland hatte. Dies hat der Bundesgerichtshof entschieden. […]

Glasfaseranschlüsse – BNetzA veröffentlicht Leerrohrentgelte-Entwurf

Glasfaseranschlüsse

BNetzA veröffentlicht Leerrohrentgelte-Entwurf

Die Telekom muss Wettbewerbern den Zugang zu sogenannten Leerrohren ermöglichen, um zusätzliche Bauarbeiten zu vermeiden. Wie viel das Unternehmen für die Nutzung durch die Konkurrenz erhält, steht bislang noch nicht fest. Jetzt hat die zuständige Behörde einen Kompromiss vorgeschlagen. […]