Rufnummernvergabe – SMS von einer Toten

Rufnummernvergabe – SMS von einer Toten

In Großbritannien kam es laut Medienberichten zu einem makaberen Vorfall. Eine 59-Jährige starb und wurde mit ihrem Handy begraben. Um die Trauer zu bewältigen, schickte die Enkelin der Toten ihr mehrfach wöchentlich – so wie zu Lebzeiten – drei Jahre lang eine SMS. Bis sie eines Tages Antworten bekam. Darin hieß es zum Beispiel „Ich passe auf dich auf„. Der Schock saß tief.

Die Enkelin war völlig verstört. War etwa tatsächlich der Geist der Großmutter am Werk? Erst als ihr Onkel sich der Sache annahm, konnten die SMS-Nachrichten aus dem Reich der Toten aufgeklärt werden. Er rief kurz entschlossen die Nummer an und hatte einen jungen Mann am Apparat. Dieser war nun seinerseits überrascht, denn er vermutete in den SMS der Enkelin einen Scherz seiner Freunde. Bei der Recherche stellte sich heraus, dass der Mobilfunkanbieter die Rufnummer der Toten längst neu vergeben hatte.

Im Umfeld von telespiegel.de kam es zu einem ähnlichen Fall. Eine Handybesitzerin verstarb. Ihre Kinder ließen den Vertrag stornieren. Eine gute Freundin der Toten sah nach drei Monaten plötzlich in ihren WhatsApp-Kontakten zu dieser Rufnummer ein neues Bild. Auch hier stellte sich auf Nachfrage heraus, dass der Mobilfunkanbieter die Rufnummer schon nach kurzer Zeit neu vergeben hatte.

Die beiden Fälle zeigen, dass insbesondere im Mobilfunkbereich mit einer schnellen Neuvergabe von Rufnummern gerechnet werden muss. Das kann zu makaberen Vorkommnissen oder einfach zur Verwunderung führen. Im Falle von Messenger-Diensten können sich so aber sogar Fremde unverhofft in die eigene Freundesliste schleichen. Werden diese sich der Situation gewahr, könnten sie diese sogar ausnutzen.

Die Recherche von telespiegel.de ergab, dass die großen deutschen Mobilfunkunternehmen sehr unterschiedlich mit dem Thema Rufnummernvergabe bei bereits genutzten Nummern umgehen. So ruht eine Rufnummer bei Telefonica/O2 zwölf Monate, bis sie theoretisch neu zugeteilt werden kann. Bei E-Plus dauert diese Wartefrist sechs Monate. 1&1 stellt aufgegebene Rufnummern nach nur 100 Tagen wieder zur Verfügung. Besonders kurz ist die Zeitspanne zwischen Rückfall einer Nummer und möglicher Neuvergabe bei der Telekom. Hier vergehen nur mindestens 30 Tage, bis sie wieder im Rufnummernpool zur Verfügung steht. Ob und wann eine aufgegebene Handynummer dann tatsächlich wieder genutzt wird, hängt aber von weiteren Faktoren der Rufnummernvergabe ab, weiß Jörg Born von E-Plus. Er erklärt: „Solange vom Kunden keine explizite Wunschrufnummer gewünscht wird, werden die Rufnummern in einem automatischen Verfahren nach dem Zufallsprinzip vergeben. Somit ist denkbar, dass eine deaktivierte Nummer länger als sechs Monate frei bleibt.„

Mehr Informationen

Handynummer mitnehmen – beim Anbieterwechsel
Info-SMS bei vergeblichem Anruf – Preis und Leistung dieses Dienstes
Mobilfunkvertrag Übernahme – So funktioniert die Übergabe
Vorwahlnummern im Mobilfunknetz

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Messenger-Betrug 2026: KI macht WhatsApp- und SMS-Betrug gefährlicher

Messenger-Betrug 2026

KI macht WhatsApp- und SMS-Betrug gefährlicher

Eine aktuelle Kaspersky-Studie zeigt: Betrüger verlagern ihre Angriffe immer stärker auf WhatsApp, Telegram und andere Messenger. Künstliche Intelligenz macht die Nachrichten dabei täuschend echt – mit teils erheblichen finanziellen Folgen für die Opfer. […]

Silent Calls

Silent Calls

Warum stumme Anrufe ein Warnsignal sein können

Das Telefon klingelt, doch am anderen Ende meldet sich niemand. Was wie ein harmloser Fehlanruf wirkt, kann Teil einer professionellen Betrugsmasche sein. Kriminelle nutzen sogenannte Silent Calls, um aktive Telefonnummern zu identifizieren und gezielt für spätere Betrugsversuche auszuwählen. […]

Kampf um Router-Freiheit – Verbraucherschützer klagen gegen Vodafone

Kampf um Router-Freiheit

Verbraucherschützer klagen gegen Vodafone

Darf Vodafone Kunden bei Glasfaseranschlüssen bestimmte Modems vorschreiben? Genau diese Frage soll nun ein Gericht klären. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz sieht die gesetzlich verankerte Endgerätefreiheit in Gefahr und zieht vor das Oberlandesgericht Hamm. […]

De-Mail Ende

De-Mail endgültig eingestellt

Das Digitalprojekt, das zum Flop wurde

Als sichere Alternative zur E-Mail, startete der De-Mail-Dienst. Jetzt ist nach 15 Jahren allerdings Schluss. Denn das Projekt war nie wirklich erfolgreich und hatte mit Sicherheitsbedenken zu kämpfen, weshalb es nur wenige Bürger nutzten. […]

Karte nie erhalten, Konto geplündert – Bank muss Rückzahlung leisten

Karte nie erhalten, Konto geplündert

Bank muss Rückzahlung leisten

Das Oberlandesgericht Frankfurt stärkt jüngst in einem Urteil das Recht von Bankkunden. Geht eine Debitkarte auf dem Postweg verloren, haftet die Bank für missbräuchliche Abhebungen. Damit widerspricht das OLG dem Urteil der Vorinstanz. […]

Polizei-Einsatzfahrzeuge

Großrazzia gegen Darknet-Drogenhandel und Geldwäsche

Acht Festnahmen und Millionen-Ermittlungen

Bei einer bundesweiten Großrazzia gegen Darknet-Drogenhandel und internationale Geldwäsche haben Ermittler acht Personen festgenommen. Im Fokus stehen Millionenbeträge, Kryptowährungen und ein mutmaßliches Underground-Banking-Netzwerk zwischen Deutschland und Vietnam. […]