Windows Phone – Microsoft gibt Mobilfunksparte (fast) auf

Windows Phone

Am Ende kam es dann doch überraschend. Auch wenn Microsoft sich nach der Nokia-Übernahme im Smartphone-Markt und speziell im Markt für mobile Betriebssysteme sehr schwer getan hat, war die gestrige Ankündigung doch ein Hammer. Der Konzern zieht sich aus dem Privatkundenmarkt für Handys komplett zurück. Zugleich entlässt Microsoft 1.850 Mitarbeiter. Allein 1.350 davon in Finnland am alten Nokia-Standort. Abgeschlossen ist der „Umbau“ bis Ende Juli 2017.

Microsofts teurer Ausflug in die Mobilfunkbranche

Microsoft schüttet mit dieser Entscheidung ein Milliardengrab zu. Erst 2014 hatte der Konzern die Handysparte von Nokia für rund 5,5 Milliarden Euro gekauft. Ziel war es, konkurrenzfähige Smartphone mit dem Windows-Betriebssystem am Markt zu platzieren. Das Vorhaben scheiterte aus heutiger Sicht jedoch. Gründe sind unter anderem die extreme Marktdominanz von Apple und Google sowie eine wenig innovative Smartphone-Entwicklung. Hinzu kommt, dass Intel als Partner für zukünftige Handyproduktionen vor Kurzem abgesprungen ist. Der Chiphersteller gibt den Markt für Mobilfunkprozessoren auf. Microsoft müsste also zunächst einen neuen Chiphersteller finden und die Technik der Lumia-Handys darauf anpassen. Die Entscheidung des Konzerns ist daher nachvollziehbar, denn weder die Lumia-Handys noch Windows Phone beziehungsweise das mobiltaugliche Windows 10 konnten ausreichende Kundenzahlen erreichen. Abschließend stellt Microsoft für die „Abwicklung“ der Entlassungen 200 Millionen Dollar bereit. Die Höhe der gesamten Abschreibung für die Aufgabe beziffert sich auf 950 Millionen Dollar.

Nokia, Lumia, Windows Phone: Leben nach dem Tod

Der endgültige Tod ist das aber weder für Lumia und ein mobiles Windows noch für Nokia. Microsoft wird Lumia-Geräte im Businessmarkt anbieten und dabei die besonderen Bedürfnisse von Unternehmen erfüllen. Sicherheit, plattformübergreifende Systeme und Cloudspeicher sind dabei wichtige Stichpunkte. Hier ist ein Markt, denn Android ist für viele Unternehmen wegen der allenfalls groben Sicherheitseinstellungen und der tiefen Verwurzlung von Apps im System keine sinnvolle Wahl.

Auch Nokia ist anders als gedacht doch nicht endgültig vom Markt verschwunden. Wie der Konzern vor einiger Zeit mitteilte, will er noch 2016 mit neuen Geräten unter dem alten Markennamen in den Handel kommen. Dazu passt, dass Microsoft die Namensrechte nur für eine beschränkte Zeit erworben hatte. Ob Nokia seinerseits wieder den Anschluss an den Markt findet, bleibt jedoch abzuwarten. Die Konkurrenz ist derzeit sehr weit voraus.

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