1 TBit/s – Internet über Kupfer hat doch eine Zukunft

Datenfluss

Die Telekom versucht derzeit, mit Vectoring ihre alten Kupferkabelnetze konkurrenzfähig zu bekommen. Denn längst sind Glasfaser oder das Kabelfernsehnetz deutlich leistungsstärkere Alternativen für schnelle Internetanschlüsse. Viele Fachleute kritisieren den Marktführer sogar dafür, weil so der Ausbau mit Glasfaser behindert werde. Kupfer hat entsprechend keine Zukunft. Eigentlich. Denn jetzt haben Entwickler eine neue Technologie gefunden, um das Kupferkabel auf bis zu 1 TBit/s zu beschleunigen. Das wäre etwa das 10.000-fache der aktuellen Geschwindigkeit im Kupferkabelnetz von bis zu 100 MBit/s.

Schnelles Internet: So soll 1 TBit/s auf Kupferbasis möglich werden

Ausgerechnet John Cioffi hat die neue Technologie federführend erforscht. Er ist einer der Köpfe gewesen, die DSL ins Leben riefen. Daher nimmt die Branche die Erkenntnisse aus den USA sehr ernst. Wegen der Geschwindigkeit von bis zu 1 TBit/s nennen die Forscher die Technologie TDSL (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen DSL von der Telekom).

TDSL nutzt das Kupferkabel, um eine enorme Geschwindigkeit zu erreichen. Dabei gelang es den Entwicklern immer wieder, auf Frequenzen von 50 bis 600 GHz kabellose Signale durch die dünnen Zwischenräume im Kupferdraht zu verschicken. Das Signal läuft also nicht im Kabel, sondern in den Kabelzwischenräumen. Cioffi kombiniert seine aus der drahtlosen Datenübertragung stammende Idee mit Vectoring und erreichte so auf einer Länge von 100 Metern die traumhafte Hochgeschwindigkeitsbandbreite von einem Terrabit. Problematisch ist bisher die Kabellänge. Denn schon ab einer Leitungslänge von 300 Metern fällt die Bandbreite auf „nur“ noch 100 GBit/s und bei 500 Metern auf 10 GBit/s. Der Techniker geht davon aus, dass bei ausreichendem Interesse bereits in zwei bis drei Jahren Marktreife möglich ist.

Was TDSL für das Internet bedeutet

Die gefundene TDSL-Technologie wäre bei einem kommerziellen Einsatz nichts anderes als eine Revolution. Auf Basis des bestehenden Kabels könnten auf einem Schlag traumhafte Geschwindigkeiten von bis zu 1 TBit/s erreicht werden. Selbst wenn nur ein Hundertstel davon beim Kunden ankäme und laut Forscher Abweichungen von bis zu 25 Prozent möglich sind, wäre es ein riesiger Schritt. Zudem ist die Aufrüstung des Kupferkabelnetzes deutlich günstiger als der Glasfaserausbau. Nur etwa fünf Prozent der Kosten würden anfallen. Allerdings setzt der Leistungsabfall schon nach kurzen Strecken im deutschen Netz teilweise einen Ausbau von Verteilerkästen voraus. TDSL ist aber nicht nur eine Chance für Festnetzkunden, sondern könnte auch im Hinblick auf den geplanten weiteren Ausbau des Mobilfunknetzes (5G) deutliche Vorteile bringen, indem die Anschlüsse der Mobilfunkmasten verbessert werden. Sollte die TDSL-Technologie im deutschen Netz tatsächlich nutzbar sein, käme in die Diskussion um den Ausbau des schnellen Internets unerwartet völlig neuer Schwung

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