Rechtsbruch – Google ortet ständig Standortdaten über Android

Rechtsbruch - Google ortet ständig Standortdaten über Android

Es klingt auf dem ersten Blick harmlos. Und doch wäre es ein handfester Skandal, den das amerikanische Magazin Quartz aufgedeckt haben will. Nach eigenen Beobachtungen sendet jedes Android-System ständig die aktuellen Standortdaten seines Gerätes an Google. Das gilt auch, wenn der Nutzer diese Funktion deaktiviert hat, und sogar dann, wenn gar keine SIM-Karte eingelegt ist. In Deutschland und Europa wäre das ein klarer Rechtsbruch, gegen den sich kein Nutzer technisch wehren kann.

Android übermittelt ungefragt Standortdaten

Das Magazin hat beobachtet, dass Smartphones Daten an Google übermitteln. Bei einer näheren Analyse stellte sich heraus, dass darunter auch der jeweilige Standort ist. Android sendet per WLAN oder das Mobilfunknetz den Standort des nächsten Mobilfunkmasten. Über mehrere Funkmasten lässt sich so relativ genau der aktuelle Standort des Gerätes und damit des Nutzers bestimmen.

Google bestätigte die Beobachtung demnach sogar und verwies darauf, das System damit nutzerfreundlicher gestalten zu wollen. So seien unter anderem bessere, direkte Benachrichtigungen an den Nutzer möglich. Ein Sprecher betonte jedoch, dass Google die übermittelte Funkzellen-ID niemals dauerhaft gespeichert habe und auf diese Daten nun verzichte.

Quartz stellt eine andere These in den Raum. Es sei nicht ersichtlich, welchen Vorteil oder Zweck die Standortdaten bei der Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit haben könnten. Das Magazin geht daher davon aus, dass auf diese Weise mehr ortsbezogene Werbung über das System ausgespielt werden könne.

Standortdaten ermöglichen Ortung

In Deutschland sind Ortungsdienste verboten, denen der betroffene Nutzer nicht zugestimmt hat. Selbst in der Verbrechensbekämpfung und -aufklärung existieren große Hürden, bevor die Behörden mit einer Handyortung den Standort einer Person ausfindig machen dürfen. Google ruft diese Daten jedoch scheinbar ohne Wissen und Zustimmung der Nutzer regelmäßig ab. Diese Praxis verstößt demnach gegen geltendes Recht.

Problematisch ist dieser Eingriff in die Privatsphäre vor allem deshalb, weil eben nicht die Behörden darauf zugreifen, sondern Wirtschaftsunternehmen. Hinzu kommt die Gefahr des Datenauslesens durch Dritte. Denn wenn Standortdaten übermittelt und gespeichert werden, gibt es immer einen Weg, diese Daten zu kapern und zu missbrauchen. Besonders gefährdet sind dabei unter anderem Personen, die vor Stalkern oder Gewalt in der Familie flüchten.

Auch wenn Google betont, niemals Dritten die Daten über die Funkzellen angeboten zu haben und diese inzwischen nicht mehr abzufragen, ist Aufklärung geboten. Wenn Android tatsächlich auch in Deutschland entsprechende Daten gesendet haben sollte, wäre das ein Fall für die Justiz.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


16 − 7 =

Die aktuellsten telespiegel Nachrichten
Unlimitiertes Datenvolumen – der „Freenet FUNK unlimited“-Tarif

Unlimitiertes Datenvolumen

Der „Freenet FUNK unlimited“-Tarif

Freenet FUNK bietet mit dem unlimited Tarif unlimitiertes LTE-Datenvolumen für 99 Cent pro Tag. Der Tarif wird über eine App gesteuert und kann täglich gekündigt oder gewechselt werden. Es besteht zudem die Möglichkeit, den Tarif bis zu 30 Tage pro Jahr zu pausieren. […]

Avast und AVG – Sicherheitslücke in Anti-Virenprogrammen entdeckt

Avast und AVG

Sicherheitslücke in Anti-Virenprogrammen entdeckt

Sicherheitsexperten entdeckten in den Anti-Virenprogrammen Avast und AVG eine zehn Jahre alte Sicherheitslücke. Nutzer, die nur selten mit dem Internet verbunden sind, sollten die installierte Version überprüfen und gegebenenfalls das herausgegebene Patch installieren. […]

Achtung Betrug - Angebliche Anrufe von Europol und Interpol auf dem Handy

Achtung Betrug

Angebliche Anrufe von Europol und Interpol auf dem Handy

Vermehrt erhalten Handybesitzer englischsprachige Anrufe, die angeblich von den Polizeibehörden Europol oder Interpol kommen. Inzwischen werden auch vermehrt Anrufe in deutscher Sprache vorgenommen. Die Täter behaupten meist, den Betroffenen seien persönliche Daten gestohlen worden und Kriminelle würden diese Daten nutzen, um Straftaten zu begehen. […]

Urteil – mobilcom-debitel muss 12,25 Mio. Euro an Bundeshaushalt zahlen

Urteil

mobilcom-debitel muss 12,25 Mio. Euro an Bundeshaushalt zahlen

Mobilcom-debitel muss im Rahmen eines Gewinnabschöpfungsverfahrens 12,25 Millionen Euro an den Bundeshaushalt bezahlen. Grund hierfür ist der Unrechtsgewinn, den der Anbieter mit überhöhten Rücklastschriftpauschalen erzielt hat. Geklagt hatte der Deutsche Verbraucherschutzverband gegen den Mobilfunkanbieter. […]